Bad Soden (iba) – „Angefangen hat das während der Corona-Zeit, da hatten wir ja in Sachen Freizeitgestaltung durchaus etwas Luft, wollten aber weiter über unser Lieblingsthema reden. Von Angesicht zu Angesicht ging das ja nicht, so ist dann der Podcast mehr oder weniger aus der Not heraus geboren. Das war jetzt vor vier Jahren – und wir machen den immer noch gerne.“
Alexander Maser fuhr gerade seinen Laptop herunter und wickelte das Stromkabel auf, er war zufrieden mit der Resonanz am vergangenen Mittwochabend und zufrieden mit dem Vortrag, den er und sein Kollege Felix Burghardt in der Seniorenresidenz Augustinum gegeben hatten.
„Der Bedarf und der Wissensdurst sind ja offenbar vorhanden, das sieht man auch hier. Hessen hat so viel Geschichte zu bieten, da wird uns der Stoff vorerst nicht ausgehen.“
Im Laufe der Zeit haben sich Maser und Burghardt zwar keine riesige, aber doch eine treue Fangemeinde aufgebaut, hessische Historie ist nun mal eher ein Nischenthema. Aber der Podcast, der seit vier Jahren beständig läuft und inzwischen über 20 Folgen umfasst, hat seine treuen Fans und ist qualitativ hochwertig. Die beiden Männer am Mikrofon machen nach eigenem Bekunden lieber einen guten Podcast für 500 Zuhörer als einen mittelmäßigen für 5.000.
Etwa 35 Interessierte waren in den Raum „Stifttheater“ gekommen, um das live zu erleben, was man sonst nur von Spotify oder YouTube kennt: Zwei Menschen stehen vor einem Mikrofon und erzählen über Wissenswertes aus ihrem Fachgebiet (auch wenn der gelernte Jurist und damit Nicht-Historiker Burghardt eigentlich nicht so ganz vom Fach ist). An diesem Abend lag das Augen- beziehungsweise Ohrenmerk auf der Revolution von 1848 im Großherzogtum Hessen. Allerorten gingen die Menschen damals auf die Straßen, Kartoffelfäule und gleich zwei Getreide-Missernten ließen damals die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe schnellen. Zudem hatten die Hessen keine Lust mehr auf das Klein-Klein der Vielstaaterei, wünschten sich statt dessen einen einheitlichen Deutschen Staat.
Revolution: Ja – aber wie genau?
Soll die Kleinstaaterei tatsächlich von jetzt auf gleich beendet werden? Soll Österreich zum Deutschen Staat dazugehören? Und Preußen dafür nicht? Oder anders herum? Wie war das damals mit der Nationalversammlung in der Paulskirche? Wie bekam man die rund 1.500 Besucher unter, die damals mitbekommen wollten, was aus ihrer Heimat werden soll? Welche Rolle spielte Heinrich von Gagern (nach dem bis heute noch eine Hauptverkehrsstraße in Kelkheim benannt ist)?
Und wie ist diese Revolution im historischen Kontext einzuordnen? Diese und noch viel mehr nicht ganz einfach zu klärende Fragen wurden an diesem Abend abgearbeitet und mancher Mythos nachträglich entkräftet:„Es ist ja nicht gerade so, dass damals in der Paulskirche die Demokratie neu erfunden wurde oder dort nur Demokraten saßen“, so Alexander Maser.
Die Live-Tour geht weiter
Wer sich für die hessische Geschichte interessiert, kann sich alle Folgen des Podcasts auf www.hesstory.de anhören.
Und wer am Mittwoch, 15. April, abends noch nichts vor hat, kann sich ab 19.30 Uhr in Bad Homburg die nächste Live-Version ansehen und anhören.