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Jubiläumsjahr 700 Jahre Königsteiner Stadtrechte: Die Menschen machen die Stadt

Ein Jahr lang ließen die Königsteiner ihre Stadt hochleben und feierten die Verleihung der Stadtrecht mit vielfältigen Veranstaltungen – auch in der Weihnachtsdekoration in der Fußgängerzone spiegelt sich das Jubiläum wieder.

Foto: Schemuth

Königstein (el) – Es waren viele bunte Steinchen, die sich am Ende zu einem farbenprächtigen Mosaik zusammenfügten – und in diesem Jahr, in dem die Stadt Königstein 700 Jahre Stadtrechte gefeiert hat, war jeder Bürger dazu eingeladen, die einzelnen „Steinchen“ für sich zu entdecken. So werden die vielen kleinen und großen Veranstaltungen, die über das Jahr verteilt für alle Altersgruppen angeboten wurden, bestimmt noch lange bei jenen nachklingen, die persönlich mit dabei gewesen sind. Für unseren bewusst klein gehaltenen Jahresrückblick auf das Jubiläum haben wir uns auf drei Veranstaltungen insbesondere konzentriert, die auch in besonderem Maße die Stimmung in der Bürgerschaft widerspiegeln, die man das ganze Jahr über in der Stadt förmlich gespürt hat.

Festakt für das „Geburtstagskind“

Was wäre eine Geburtstagsfeier wie diese, ohne einen Festakt? Die Herren von Falkenstein hätten bestimmt ihre wahre Freude an daran gehabt, schließlich hat das Adelsgeschlecht großen Anteil am Zustandekommen der Stadterechte gehabt, wie Prof. Dr. Felicitas Schmieder in ihrem Festvortrag vor 600 Menschen im Haus der Begegnung zum Festakt im Rahmen der 700-Jahr-Feier Königsteins festhielt. Die Atmosphäre für eine solche Feier mit einem Saal voller Ehrengäste im Haus der Begegnung hätte nicht perfekter sein können. Als ein Volltreffer erwies sich auch das Engagement des Ensembles „La Serena“, dem der Veranstalter, die Stadt, die Vorgabe gemacht hatte, Musik verschiedener Epochen darzubieten, um die einzelnen Programmabschnitte zu umrahmen.

Im Fokus stand ganz klar ein Datum, das für immer in den Köpfen der Königsteiner Bürger verankert sein sollte: der 27. Februar 1313, an dem Königstein seine Stadtrechte und die Bürger damit einhergehende Rechte erlangten.

Um diesen einen Fixpunkt herum wurden das gesamte Programm gruppiert und das sehr wohl bedacht, so dass es zur Erleichterung vieler Anwesender nicht zu einem trockenen Festakt wurde, sondern zu einem lebendigen mit dem die Geschichte und ihre Hauptakteure förmlich zelebriert wurden. Genauso locker und beschwingt wie eben die Tänze am Hofe zu jenen Zeiten, in denen die Burg durch ihre strategische Lage hervorstach. Doch das sollte es nicht allein sein, was Königstein die Stadtrechte einbringen sollte.

Was Königstein mit seinen heute 16.000 Einwohnern heute wie damals ausmacht, brachte Stadtverordnetenvorsteher Robert Rohr auf den Punkt: „Wir sind eine lebendige Stadt.“ Und das in einer pulsierenden Region, was den Rathauschef zur Aussage verleitete: „Wir im Taunus von Frankfurt und Frankfurt vom Taunus“. Eine Stadt mit Identität, wie Michael Boddenberg, Hessischer Minister für Bundesangelegenheiten, hervorhob. Das Stadtrecht werde von den Bürgern verkörpert und mit Inhalten gefüllt wie Gemeinwohl und Gemeinwesen. Das, was die Stadtrechte bedeuten, kann aber auch ein Gefühl sein und könnte sich laut Boddenberg so ausdrücken: „Heimat empfinden“, darum geht es und daher gab es von ihm einen Scheck für den Königsteiner Burgverein und zwei hessische Löwen als Gruß für das in die Jahre gekommene Geburtstagskind.

Der konstitutive Akt der Verleihung der Stadtrechte habe die Enwicklung Königsteins als älteste Stadt im Hochtaunuskreis (hat heute acht Mitglieder, das jüngste ist Neu-Anspach, das erst vor sechs Jahren hinzugekommen ist) in neue Bahnen gelenkt, mit den Stadtrechten habe Königstein quasi Volljährigkeit erlangt und die Menschen Autonomie und Freiheit, so Landrat Ulrich Krebs, der sich in seinem Grußwort des griechischen Dichters Euripides bediente mit dem Zitat „Das allein ist‘s, was die Städte Sterblicher zusammenhält, wenn treulich man bewahret ihre Satzungen, womit jedem im Saal klar geworden sein dürfte, dass es gewisser Regeln bedarf, um das menschliche Zusammenleben zu ordnen. Anderseits seien die Stadtrechte allein auch keine Garantie für das spätere Prosperieren einer Stadt, erinnerte der Landrat, dass es dazu anderer Tugenden bedarf wie Bürgersinn und Engagement und um im Reigen der altgedienten griechischen Weisheiten zu bleiben gab Krebs noch folgendes zu bedenken: „Die Menschen und nicht die Häuser machen die Stadt“, womit ihm der Urheber dieses Ausspruchs, der alte Perikles im Falle von Königstein bestimmt Recht gegeben hätte.

Die längste Geburtstagstafel

Eine an die 100 Meter lange „Geburtstagstafel“, wie sie die der Verein für Handwerk und Gewerbe (HGK) im Juni auf die Beine gestellt hat, haben sie die Königsteiner bestimmt noch nicht gesehen. „Einfach schön“, so waren sich die 300 „sitzenden“ Teilnehmer mit unzähligen Passanten einig. Um den Transport der übrigen Kuchensorten (immerhin fast 700 Portionen) und den Kaffee kümmerten sich vor allem die ehrenamtlichen Helferinnen der „Königsteiner Tafel“ mit Verstärkung ihrer Bad Homburger Kollegen. Nicht zu verwechseln mit der einmaligen großen Schlemmerei versorgen die Homburger und Königsteiner „Tafeln“ regelmäßig bedürftige Mitmenschen mit Lebensmitteln, weshalb der Erlös der jetzigen Geburtstagstafel auch an den gemeinnützigen Verein ging.

Mit Sicherheit galt es schließlich auch etwas

zu feiern, das HGK-Pressesprecher Rainer Möller als „eigene Kraft des Vereins“ be- zeichnete, denn aus dieser wurde die Groß- veranstaltung ausschließlich gestemmt: Mobiliar, Tischtücher und Geschirr für die inklusive einer 10-Meter-Lücke rund 100 Meter

lange Tafel hatte die „Party Company“ von Stefan Seidel organisiert, die durchgehende Blumendekoration kam von „Luxus Grün“ aus Falkenstein. Als Anlieger der Fußgänger-

zone stiftete die Tchibo-Filiale den Kaffee, deren Gegenüber und Café Kreiner, teilte sich mit Bäcker Hees die Kuchenproduktion.

Selbstverständlich engagierten sich noch et- liche weitere Firmen und Einzelunternehmer mit Spenden oder Hilfskräften im Hinter- grund an der Aktion.

Die Krönung erfuhr das Treffen so vieler fröhlicher Menschen sicherlich durch die Freiwillige Feuerwehr, die mit ihrer Dreh- leiter gleich an beiden Enden der Riesentafel in Stellung ging, um Fotografen zu ungewöhnlichen Perspektiven zu verhelfen, sofern sie über einen stabilen Magen und ein gutes Teleobjektiv verfügten. Leider hatten die ersten Gäste zu dieser späteren Stunde schon die „Tafel aufgehoben“ oder waren der Feuerwehr entgegengegangen, weshalb die Luftbilder etwas realitätsverzerrend leere Stühle zeigen, die noch kurz zuvor „besessen“ waren.

Jubiläumsserenade mit dem Heereskorps

Eine Atmosphäre wie in südlichen Gefilden: Auf dem Kapuzinerplatz hatten sich mehrere hundert Menschen zu einem Konzert zusammengefunden, das in dieser Form nicht alle Tage zu Gehör gebracht wird. Vom Medley des „King of Pop“ Michael Jackson mit „Billy Jean“ und „Thriller“ bis hin zum Einmarsch von Burgfräulein Carolin I. zur anmutigen Dramatik von Carmina Burana – es war eine Vorstellung des Heeresmusikkorps 300 aus Koblenz, die einer Jubiläumsserenade zur 700-Jahr-Feier der Stadt Königstein würdig war. Besondere Atmosphäre entstand auch durch die enge Bindung zum Publikum, die allein schon dadurch gegeben war, dass man die steinernen Sitzstufen des Platzes in eine Tribüne umfunktioniert hatte.

Das konnte auch Birgit Becker, Präsidentin des Burgvereins Königsteins, so unterschreiben. Mit der „Jubiläumsserenade“, die der Burgverein zusammen mit der Stadt zugunsten der Königsteiner Burg veranstaltet hatte, drückte das Sinfonische Blasorchester unter der Leitung von Oberstleutnant Robert Kuckertz bei den Königsteinern genau die richtigen Knöpfe und löste bei ihnen Begeisterung aus. Die Bürger entdeckten an diesem Abend den oftmals kritisierten Kapuzinerplatz und die Kommunikationsmöglichkeiten, die er durch einzigartige Veranstaltungen wie diese bietet, völlig neu.

Die Idee für das Konzert und den schönen Rahmen, der es umgeben hat, stammte von Gisa van der Heijden, die wiederum den Kontakt zu Heike Ernst von der Mammolshainer Agentur „Musik and Passion“ hergestellt hat, die das Heeresmusikkorps betreut. Um die groß angelegte Veranstaltung auch gebührend ankündigen zu können und sich gegenseitig kennenzulernen, hatte es im Vorfeld bereits ein Zusammentreffen des Burgvereins samt damaligem noch Burgfräulein in spe Carolin I. auf der Festung Ehrenbreitstein gegeben. „Es war völlig unkompliziert und die Ideen sind nur so gesprudelt“, erinnert sich eine dankbare Burgvereinspräsidentin, die immer noch ganz begeistert ist von der wunderbaren Idee, den Klangkörper und das, was von ihm ausgeht, noch weiter zu verteilen, indem sich vier Bläser für den Triumphmarsch aus Verdis „Aida“ auf dem Balkon der Carls Stiftung mit direktem Blick auf das Geschehen auf dem Platz postierten.

Besonders gerührt hat Birgit Becker und die Mitglieder des Präsidiums des Burgvereins die vielfältige Unterstützung, die man von allen Seiten erfahren hat. Geadelt wurde die Veranstaltung nicht nur durch die Anwesenheit von Oberstleutnant Günter Uhlig und Wolfgang Schneiderhan, General a.D. des Heeres der Bundeswehr, der an diesem Abend als Privatmann unterwegs war. Das Königsteiner Burgfräulein Carolin I. und ihr Gefolge sowie die Mitglieder des Präsidiums und die Hohen Burgfrauen waren allesamt ausgestattet mit schwarzen Stofftaschen, auf denen das Burgenlogo thronte. Das hatte auch einen besonderen Hintergrund. Viel musste man den Königsteinern dazu nicht erklären und oftmals auch keine Überzeugungsarbeit leisten.

Viele gaben gerne und bereitwillig einen kleinen Obolus für ihr Königstein und ihre Burg, sodass auf diesem Wege 4.500 Euro zusammenkamen. Hinzu kommen weitere 3.500 Euro von den Sponsoren der Jubiläumsserenade – Mainova, Carls Stiftung, Naspa und Autohaus Marnet. Auch die Standbetreiber zeigten ihre Solidarität zur Stadt und ihrer Geschichte, indem sie einen Teil ihres Umsatzes weitergaben.

Auch Bäcker Emil Hees spendete den gesamten Kuchen, den der Burgverein für den guten Zweck verkaufen durfte. Besonders fasziniert zeigte sich Birgit Becker auch vom Einsatz der Mitglieder des Förderkreises Le Cannet. Während des zurückliegenden Burgfestes entstand in ihren Reihen die Idee, während des Konzertes selbst zubereitete, köstliche Canapees anzubieten. Auf diese Weise werden die Einnahmen, die der Instandhaltung der Burg dienen sollen, noch mal auf 200 Euro nach oben korrigiert.

„Ich habe in viele fröhliche Gesichter geschaut, die ihre Solidarität mit der Stadt und dem Burgverein gezeigt haben“, zieht eine immer noch begeisterte Birgit Becker Bilanz des Abends.

Noch lange nach dem Konzert nutzten die Zuschauer, darunter auch viele Mitglieder der politischen Fraktionen und die Ortsvorsteher aus den Ortsteilen, die Gelegenheit, nicht nur den südländisch anmutenden Abend zu genießen, sondern auch die Gespräche, die sich angesichts der entspannten Atmosphäre auf dem Platz ganz von selbst und zwanglos ergaben.

Was die Einnahmen des Benefiz-Konzertes angeht, so wolle man diese laut Bürgermeister Leonhard Helm in verschiedene Maßnahmen rund um die Burg Königstein stecken. Zum einen in die Sanierung des Zwingers. Hier müsste für 2014 auch noch die Co-Finanzierung durch die Stadt angeschoben werden. Auch das in die Jahre gekommene Burgtor muss erneuert werden. Die Überlegungen, die Schlossküche mit einem Glasdach zu versehen, werde man für den Moment zugunsten der anderen Arbeiten nicht weiter verfolgen.

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