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Kein Kofferpacken mehr für den „Weltenbummler“

Peter Gawenda wird in wenigen Tagen 85 Jahre alt und für ihn ist mit diesem Geburtstag auch der Zeitpunkt gekommen, seinen Verein „Die Weltenbummler“ an den Nagel zu hängen, selbst wenn ihm diese Entscheidung sehr schwer gefallen ist. Foto: Schemuth

Königstein (el) – Nicht umsonst trägt der von ihm vor 35 Jahren gegründete Verein den Namen „Weltenbummler“. Man kann schon von einer gewissen Leistung sprechen, wenn man sich vor Augen hält, dass Peter Gawenda über drei Jahrzehnte lang zirka drei Mal im Jahr die Koffer gepackt hat, um zusammen mit von den von ihm geführten Gruppen 123 Länder zu bereisen. Anders ausgedrückt: Er hat die Erde 51 Mal umrundet.

Jetzt ist es an der Zeit für ihn, den Koffer in den Keller zu stellen – zumindest mit den Fernreisen im Auftrag der „Weltenbummler“ soll jetzt Schluss sein. Das Alter fordert seinen Tribut und der nächste Geburtstag – auch noch ein halbrunder – steht mit dem 85. am kommenden Montag vor der Tür. „Time To Say Goodbye“ also, was den Globetrotter angeht, der sein Angebot an Reiselustige in einer Zeit gerichtet hat, in der die Menschen gerne Gruppen- und Studienreisen gebucht haben. Diesbezügliche Buchungen würden zurückgehen, da die Menschen, die sich dafür interessieren, wie er auch, aus Altersgründen darauf verzichten müssten.

„Die schönsten Reisen habe ich am Anfang gemacht – etwa nach Hawaii, Bali oder Neuseeland, aber auch Vietnam ist sehr interessant und empfehlenswert. Die Menschen sind freundlich und zuvorkommend“, sagt Peter Gawenda, dessen letzte offizielle Weltenbummler-Reise ihn mit zwölf Reisenden an die Straße von Hormus geführt hat, wo das meiste Öl der Welt transportiert wird. „Natürlich bin ich schon ein wenig traurig, dass ich das nicht mehr machen kann“, sieht der Königsteiner seinen Abschied von der großen Reisebühne mit einem lachenden und einem weinenden Auge – wie man so schön sagt. Was ihm auch genauso fehlen wird: Das viele Organisieren. Ein Aufwand hinter den Kulissen, um den sich vielleicht so mancher gar nicht erst reißen würde. Nicht so Peter Gawenda.

Beim Verhandeln mit den Hotelketten, der Kontaktaufnahme zu den Veranstaltern und der Info-Reise zwecks Zusammenstellung des Programms, war er stets in seinem Element. „Man muss natürlich auch die entsprechenden Kontakte haben“, verrät der „Weltenbummler“, der eng mit den Reiseveranstaltern zusammenarbeitet, denn ein Verein wie seine „Weltenbummler“ darf aus versicherungstechnischen Gründen nicht als Veranstalter auftreten. Es ist eine erfüllte, aufregende Zeit des Reisens, auf die Peter Gawenda zufrieden zurückblicken kann. In der ganzen Zeit hätte es auch nur drei Zwischenfälle gegeben, erinnert er sich an Begebenheiten, bei denen er sich mit den Gefahren des Reisens in fremde Länder konfrontiert sah. Auf dem Weg nach Bokhara im Himalaya hätte sich vor vielen Jahren Besorgniserregendes ereignet, als man zwei Stunden habe warten müssen, weil vor der Reisegruppe ein brennender Bus gestanden habe. Wie sich herausgestellt habe, sei dieser als Racheakt im Rahmen eines Familien-Konflikts angezündet worden. In Mexiko entging man nur knapp einem Überfall, als man ebenfalls im Bus saß.

Ein Kuriosum ereignete sich während einer Reise auf die Malediven – die aus zirka 7.000 Inseln und vielen von Haien aufgesuchten Riffen bestehen. Bis 2 Uhr nachts habe man nach einer verschollenen Dame aus der Reisegruppe gesucht. Ende gut, alles gut: Nach einer sehr unruhigen Nacht für alle wurde die Gesuchte etwa sechs Kilometer von der Insel, auf der sich die Gruppe befand, von einem Fischerboot auf offenem Meer aufgelesen. Beim Inselhopping per pedes im Wechsel zwischen Ebbe und Flut hatte die Dame erst die Orientierung verloren und war dann in ein Korallenloch gefallen und hatte sich daraufhin verletzt.

„Es ist aber noch alles gut ausgegangen“, schildert ein immer noch nach all den Jahren erleichterter Reiseführer, der in den goldenen Zeiten seiner Tätigkeit mit zwei Bussen und 60 Mann unterwegs gewesen ist.

Auch so manches Souvenir hat der viel gereiste Königsteiner über die Jahre angehäuft, um das ihn so mancher beneiden dürfte. All seine „Trophäen“ sind in seinem Arbeitszimmer zu begutachten, das ihm lange Jahre als Schaltzentrale gedient hat.

Und obwohl seine Frau ihn in den vergangenen Jahren aufgrund einer Rückenerkrankung nicht mehr habe überall hin begleiten können, sei sie dennoch auch in der Ferne nach wie vor seine wichtigste Stütze gewesen, erklärt Gawenda.

Nun wird sich der Jubilar erst mal mit seiner näheren Umgebung beschäftigen, was durchaus auch sehr reizvoll sein kann und die schönen Erinnerungen an das Reisen in ferne Länder und das Kennenlernen fremder Kulturen wie einen Schatz für immer hüten.

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