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Plaschi-Puppenstube mit Pöschl und Pippi: „Bütterede‘ müsst‘ mer könne...“, aber bitte mit Sahne!

Auf dem „Plaschi-Narrenschiff“ waren wieder alle an Deck bemüht um seine unterhaltsame Passage der Gäste an Bord. Foto: Friedel

Königstein (hhf) – Nur gut, dass das Narrenschiff fest im Haus der Begegnung vertäut lag, sonst hätten die Begeisterungsstürme am Ende noch einen Tsunami ausgelöst – und die Kentergefahr beim Schunkeln im Wasser ist auch ziemlich hoch. Auch gut, dass die Jungfernfahrt nicht einen Tag früher angesetzt worden war, da wäre die „MS Plaschi“ wohl im Eismeer verschollen – nur die Grippewelle hatte einige Opfer im Zuschauerraum gefordert.

Dennoch saß an den Ruderbänken im Saal eine fröhlich kostümierte Gästeschar, die sich dank der liebevollen Dekoration von Bullaugen am Balkon bis zum Leuchtturm auf jedem Tisch schnell wie auf einer Kreuzfahrt fühlen konnte. Kirchlich betrachtet, ließ sich auch formulieren „Es kommt ein Schiff geladen bis an sein höchsten Bord“, denn das Programm war dicht gepackt und natürlich nicht in der geplanten Zeit zu bewältigen. Allerdings hatte man die Bordwand bewusst niedrig gehalten, um Orden (von WPO Pape) und Prosecco (vom „Kroatia“) vernünftig überreichen zu können.

Nicht nur die Akteure gaben volle Kraft voraus, auch die Hintergrundmannschaft „legte die Hebel auf den Tisch“, bezeichnenderweise in Matrosenuniform und mit Popeye-Unterarmen ausgestattet schrubbten sie letzte Sektflecken von Deck, bis Elferrat, Königstänzer und Resi-Dancers wie ein langes Seeungeheuer aus der Saalmitte auf die Bühne einzogen. Wenig bissig begrüßte dessen Haupt, Sitzungspräsident Rainer Kowald reichlich erschienene Ehrengäste, dann hieß es „Die jungen Leute müssen ran“ und die Minis eröffneten die Show. Unter dem Motto „Who’s bad?“ deckten die kleinen Killer frei nach Michael Jackson den Bereich „Klabautermann“ mit blutigen Masken und Kostümen ab und holten sich ihre Orden „von den netten Onkelz“, während Ober-Gevatter Kowald sich artig beim Förderverein dafür bedankte, dessen „Geflügel benutzen“ zu dürfen.

Dieses Musikinstrument wurde zum wesentlichen Bestandteil des „Königsteiner Rundfunks“, dessen protokollarischer Sprecher Radio Norddeich ebenso ernsthafte Konkurrenz machte wie der KöWo. Unbestechlich hatte Rolf Krönke – trotz des Umhängeschildes „Blinder Passagier“ – wieder Buch geführt über die großen und kleinen Pannen im Ort. Selbst in die klimatische Zukunft blickte er und sah den Meeresspiegel bis zu den Taunushöhen steigen, wo man zuvor das Wasser aus dem Kurbad abgelassen hatte, um Geld bei den laufenden Kosten zu sparen und die Parkplatztoilette zum Weltkulturerbe erklärt worden war.

Da das Ordnungsamt weder für Ruhe in den „Königsteiner Nächten“ sorgen konnte, noch in der Lage war, die Angehörigen der Römergräber in der Konrad-Erdogan-Anlage zwecks Gebührennachforderung zu ermitteln war es aufgelöst worden und dem Bauhof unterstellt, wo die Mitarbeiter nun den Dreck mit der Schaufel bekämpfen dürfen. Parallel dazu wird am neuen Kassenhäuschen zum Friedhof rund um die Uhr Wache geschoben, da die erhöhten Friedhofsgebühren einen Trend zu heimlichen Bestattungen ausgelöst hatten. Und schließlich noch ein Spartipp für die Bürger: Wem die Grundsteuer zu hoch ist, der könne seinen Garten Stück für Stück in der Biotonne legal entsorgen.

Vom Sparen hielten die 12 Resi-Dancers dagegen nicht sehr viel, schon gar nicht, wenn es um Kalorien geht, daher traten die Sahneschnittchen im Tortenkostüm auf und hüpften wie Popcorn in der heißen Pfanne bis zur geforderten Zugabe – aber bitte mit Sahne! Wesentlich selbstkritischer gab sich dagegen Jörg Pöschl in der Bütt, erst nach der gewonnenen Ausschreibung fiel dem Stadtrat das Grundsatzproblem auf: „Bütteredde müsst‘ mer könne‘ lautete sein kleines Problem, das sich wie ein roter Faden durch alle Versuche zog, Fleiß und fade Witze zu einem vortragbaren Produkt zu verbinden. Sogar das Christkind hatte er nach gescheitertem Urlaub und gefährdeter Ehe um Reime gebeten und damit offenbar Erfolg gehabt. Besonders für den formvollendeten und fehlerlos gestöhnten, gebrüllten und stellenweise fast geweinten Vortrag des Zungenbrechers gebührt ihm ein Oscar für den besten Sprecher.

Nun brauchten die Ohren des erlauchten Publikums erst einmal Entspannung bei einer ausgedehnten Schunkelphase mit der Hausband „Gaby und Karsten“, bevor die Konzentration wieder für das Duo Gnadenlos (Ela van der Hejden und Nicole Hülsmann) reichte. Eine in die Erwachsenen-Phase gekommene Pippi Langstrumpf betrat in Lederschürze und mit Dosenbier die Bühne und diskutierte mit Frau Nilsson, der Nachfolgerin ihres verstorbenen Kindheits-Affen die Probleme der Welt, wobei man selten ernst genommen wird, wenn „Pippi Langstrumpf“ als schwedische Übersetzung von „Kondom“ bekannt wird. Das macht deprimiert („Depp ja, aber nicht prämiert“) und lässt einen schnell zum Vinoganer werden: „Ich esse nichts, was noch zu Wein werden könnte.“ Noch schlimmer wird es, wenn es auch mit den Männern nicht klappt, der Tipp für alle, die wieder einmal Schmetterlinge im Bauch spüren wollten lag daher im Mißbrauch einer Raupe als Zäpfchen und wer gar nicht mehr weiter weiß, sollte sich via Internet an den Papst wenden, Adresse: Urbi@Orbi.

Angesichts solcher Aussichten trat im Publikum beinahe betretene Stille ein, doch hier griff nun das Management des Elferrates, der in Anknüpfung an seine Erfolge im vergangenen Jahr zum stimmgewaltigen Chor mutierte und die erste Hälfte des Programms mit reichlich Seemannsliedern in die Pause lotste.

Hatte Präsident Rainer Kowalt zuvor noch geunkt „Der Elferrat singt immer tiefer“, lockte nach gestürmtem Pausenbufett die Musik- und Showband der Jocusgarde Mainz 1889 die Narren auf Tische und Stühle. Hier störte sich ausnahmsweise einmal niemand am Migrationshintergrund der vielen Gäste vom Rheinufer, obwohl sie ihre eigene Kultur mitbrachten und es sogar wagten, Konfetti im Haus der Begegnung zu verstreuen.

Mit einem Trommelsolo, während auch dieses Gerät demontiert wurde verabschiedeten sich die Fanfaren und überließen die Bühne den „Freaky Dolls – Castellum Musik+Show Mainz“, die in tänzerisch perfekter Form Marionetten und andere Figuren ihrer „Puppenstube“ zum Leben erweckten. Dabei verdrehten sie Rainer Kowald offenbar derart den Kopf, dass es ihm einfach nicht gelingen wollte, die folgende Nummer nicht als „Trunkenbolde“ anzukündigen – dabei waren es doch die Tugendbolde, die ihre Mainzelbahn bis in den Taunus fahren ließen und musikalisch wie darstellerisch eine abgespeckte Version von „Starlight Express“ auf dem Oberdeck des Narrenschiffes ablieferte.

Das lockte schließlich auch die Vertreter der befreundeten Vereine auf die Brücke, dazu zählten mit wohlgereimten Grußworten Prinzessin Christin I., 68. Sodenia und Ambett XXVIII Marina, Fürstin vom Schwarzen Bache mit Bürger Heinz von der Rotfabrik und Bauer Sebastian von Kutsche und Pferdestärke.

Natürlich sprach auch Burgfräulein Isabelle I. huldvolle Worte zum närrischen Anlass, unterstrich diese aber gemeinsam mit ihren Hofdamen Angelika und Helen durch einen hochklassigen Stepptanz trotz rauschender Gewänder, dafür den Oscar in dieser Kategorie und den für Überraschung gleich dazu.

Dicht gefolgt war diese Leistung aber auch vom Auftritt der Königstänzer (Trainerin Victoria Pfaff), die Garde des KNC tanzten zwar zu Marschmusik, ließen dabei aber kaum einen Fuß auf dem Boden stehen. Von Schweben möchte man ob der vielen Bewegung dennoch nicht reden, da passt schon eher der Vergleich mit einem Taifun ins seemännische Bild.

Mit blauschwarzen Anzügen erschienen schließlich die singenden Kellermeister als korrespondierendes Meer dazu, wenngleich der sängerische Vortrag die Wogen eher etwas glättete. Obgleich: Mit Melodien wie Butterfly oder „So ein Tag wie heute“ leiteten die rheinhessischen Gäste das Finale ein und vielleicht, ja vielleicht sind dabei doch zu viele Menschen auf dem Narrenschiff zusammengekommen, denn schließlich entschloss man sich, den sinkenden Kahn zu verlassen. Eine große Polonaise wurde zu Wasser gelassen, in der alle Akteure ihren Platz fanden. Heldenhaft: Während Kapitän Kowald als letzter die Brücke verließ, spielte die Bordkapelle eifrig weiter und so gelang es den nun ihrer Existenz beraubten Boat-People, die Sektbar sicher zu erreichen, wo man bei der After-Show-Party umgehend Asyl beantragte – wenn auch nur für eine Nacht, was etliche unserer Politiker besonders freuen dürfte.

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