Mammolshain (as) – Er lebt, der Heimatverein Mammolshain. Davon konnten sich am Wahltag die Bürgerinnen und Bürger des Ortes ein Bild machen, wenn sie denn den Weg vom Wahllokal in die Dorfstube im Obergeschoss fanden. Und das taten viele, denn es lockten nicht nur Postkarten und Fotografien aus der Sammlung von Bernd Hartmann, sondern nebenan auch leckerer Kuchen zum Kaffee. So wie immer eigentlich, wenn der Heimatverein seine Dorfstube geöffnet hatte. Dass der Verein nicht mehr von der Abwicklung bedroht ist, das ist seit Mitte Januar bekannt. Damals hatte sich mehr als eine Handvoll Interessierter gemeldet, um den Verein mit frischem Wind in die Zukunft zu führen (die KöWo berichtete).
Jetzt hatten die Neulinge die günstige Gelegenheit, sich bei ihren Mitbürgern vorzustellen, sofern sie im Dorf, in dem fast jeder jeden kennt, nicht ohnehin schon bekannte Größen sind, wie etwa Lars Reul, der am Sonntag sogar für die ALK in den Ortsbeirat gewählt wurde, oder Sebastian Starosciak, der bei der Freiwilligen Feuerwehr schon Ämter übernommen hat. Mit der Resonanz während der drei Stunden Öffnungszeit waren sie hoch zufrieden. Mehr als 50 Besucher hatten sich ins Gästebuch eingetragen, einige mehr warfen sicher noch den einen oder anderen Blick auf die historischen Aufnahmen des Dorfs. „Darüber sind wir sehr begeistert“, sagt Reul.
Bernd Hartmann, der gerade dabei ist, das kulturelle Erbe zu übergeben, hatte wieder die Fotoabzüge seiner wertvollen Postkarten- und eine Original-Fotosammlung herausgeholt, die nach seinen Aufzeichnungen das letzte Mal im Jahr 2018 öffentlich gezeigt wurde. Der größte Schatz darin sei die älteste Postkarte, abgestempelt am 17. Juli 1898, die den historischen hölzernen Hardtbergturm, die Oberstraße und den Mitte der 1960er Jahre geschlossenen Nassauer Hof zeigt. „Für die habe ich bei Ebay 150 Euro gezahlt“, erzählt Hartmann, der mit seiner Frau die Sammlung hauptsächlich auf Flohmärkten aufgebaut hatte. Die Historie der großen Gasthäuser Mammolshains, die leider alle verschwunden sind, ist ein großes Thema der Kartensammlung, da können sich die neuen Vereinsmitglieder noch einiges an Wissen aneignen. Und Johannes Schießer kommt vorbei und zeigt auf einer Postkarte den großen Steinbruch, wo er sich als Bub mit seinen Freunden in den Sprengkammern versteckt hätte. Tolle Geschichten, die jetzt weitergetragen werden in die nächste Generation. „Ich bin stolz drauf, wenn es weitergeführt wird“, sagt Bernd Hartmann, der vom Interesse sichtlich gerührt ist.
Die Neuen werden aber auch einiges modernisieren, und das ist gut so. Just am 15. März ging die neue Homepage www.heimatverein-mammolshain an den Start. Programmiert hat sie Adam Suchanek, ein 28-jähriger Webdesigner, der nachträglich zum Team als nun jüngster Aktivposten gestoßen ist. „Ich finde es spannend, jüngere Leute zu inspirieren, was für eine Geschichte in diesem Ort steckt“, sagt Adam. Und ein Besuch der stilvollen und informativen neuen Website lohnt sich auch, um zum Beispiel zu erfahren, dass der Heimatverein am Samstag, 21. März, schon wieder aktiv ist, wenn er ab 11 Uhr den historischen Brunnen, das „Börnche“ in der Borngasse, schmückt.
Vielleicht legen die Neuen ja auch mal eine neue Mammolshain-Postkarte auf – selbst wenn kaum noch welche verschickt werden. Die „neueste“ der Sammlung ist schon aus dem Jahr 1978 und noch in schwarz-weiß. Danach wurde keine mehr gedruckt. Das Dorf hätte einiges zu zeigen, zum Beispiel den neuen Hardtbergturm, der als Modell bereits seinen Platz in der Dorfstube gefunden hat.
