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GeigenMeisterkurse mit Miriam Fried – „Don‘t hurry – play noble“

Miriam Fried kommt es auf den noblen Klang an – zu weniger Anstrengung rät sie der jungen Fabiola Kim aus USA bei den Proben in der Stadthalle, damit Beethovens Concerto „very grand and serene“ wird. Foto: Sura

Kronberg (aks) – Fabiola Kim gehört zu den 180 Geigerinnen und Geigern, die sich zu den Geigen Meisterkursen und Konzerten 2017 der Kronberg Academy angemeldet haben. Die 26-jährige Amerikanerin ist eine sehr hübsche Erscheinung auf der Bühne der Stadthalle – in Jeans und mit knallroten Sandalen. Sie hat sich für die Probe mit Miriam Fried den ersten Satz aus Beethovens Konzert für Violine ausgesucht, das zu seiner Zeit für die meisten Violonisten zu schwer zu spielen war. Technisch klingt ihr Vorspiel perfekt, sie entlockt ihrer Geige wahrhaft lyrische Töne, ihr Crescendo klingt majestätisch. Allerdings nicht lyrisch-leise und nicht majestätisch-edel genug für Miriam Fried, die sich als strenge Lehrerin entpuppt, der keine Nuance entgeht. Sie korrigiert vor allem Kims jugendliche Ungeduld. Diese noble Musik vertrage sich nicht mit „Impatience“: „Noble does not go together with hurry!“ Nicht nur der Klang, auch Kims Körperhaltung wird kritisiert: zu viel Anspannung im Unterarm, eine kokette Drehung im Knie, ihr Fingerspiel - alles sieht und hört Miriam Fried, die seit 1986 als Professorin für Violine an der Universität von Bloomington sowie am New York England Conservatory in Boston unterrichtet. Die weltweit renommierte und engagierte Kammermusikerin konzertierte mit Partnern wie Isaac Stern, Pinchas Zukerman, Garrick Ohlsen und Nathaniel Rosen. Fried gibt Meisterkurse auf der ganzen Welt und so achtet sie auch in Kronberg auf jedes feinste Detail ihrer Schüler: sieben sind es allein am Montag, die sie jeweils eine Dreiviertelstunde unter strengster Beobachtung hat. Kaum ein paar Minuten spielt die junge Studentin Kim aus USA, bevor sie mit ernster Miene unterbrochen wird: „You have to stop here!“ Vor allem geht es Fried um den Rhythmus und das Tempo, um Beethovens Vorgaben „Beethoven is special“ – alles Nebensächliche soll fern bleiben. In der Musik geht es um mehr als Noten, der „structural content“ zählt, das komplette Monument. „You are very involved with stuff, that is not important“, kritisiert sie und dann aufmunternd: „Relax, don’t be anxious, create a shape with your bow“. Also alles in allem wünscht sie sich mehr Gelassenheit und das Gefühl für die Musik: „It’s so beautiful, don’t ever vibrate“. Sie zeigt auch, wie es sich anhört, wenn sie selbst spielt. Da spürt man die Meisterin, ihre Klänge berühren die Seele. In dieser Probe geht es aber nicht nur um Rhythmus und Klang, es geht um Farben, Bewegungen des Körpers und der Finger, um Magie und um die Architektur des Gesamtkunstwerks, das keine „Filler“, keine Füllstoffe/Mörtel, braucht. Die junge Musikerin soll die Qualität ihres Klangs wiedergeben und nichts übertreiben. Es ist klug, die Eigenschaften einer Geige zu kennen, um sie vollendet spielen zu können. „Be conscious of the limits“, denn jede Tour de force quittiert dieses fragile Instrument indem es zurück beißt: „It bites back when you push it too hard.“ Also ruhig bleiben und langsam im Tempo, so langsam, dass die Zeit stehen bleibt: „Time stops.“ Dann kann sich der Geiger aufschwingen zu einem fabelhaften Crescendo. „You need to turn Arpeggio into magic – that’s the job!“

Keine leichte Aufgabe für eine junge Frau, die am Anfang ihrer Karriere steht. Fabiola Kim hat die einmalige Chance bekommen, von einer Meisterin ihres Fachs korrigiert zu werden. Nicht einfach, wenn sie so oft in ihrem Spiel bereits nach ein paar Sekunden unterbrochen wird – geduldig begleitet von Miki Aoki am Klavier, die seit ihrer Kindheit eine internationale Karriere verfolgt. Da schreit Fried, die sonst sehr leise spricht, plötzlich „too loud“, sie singt die Melodien vor oder greift gleich zu ihrer Geige und schnippst mit den Fingern, um sich verständlich zu machen. Durch die vielen Unterbrechungen bei dieser öffentlichen Probe war ein Eintauchen in die Musik für die meisten Proben-Zuschauer eher schwierig. Doch der Dialog einer hoch begabten Schülerin mit ihrer ernsten Lehrerin, die aus Liebe zur Musik nichts durchgehen ließ, war äußerst spannend. Klar wurde allen, wie viel Souveränität, Noblesse und auch Kritikfähigkeit – neben der reinen Fingerfertigkeit – jeder junge Musiker braucht.

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