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Musikverein glänzt mit eigenwilligem Adventskonzert

Kommendes Jahr wird das Saxophon, das einst vom Belgier Adolphe Sax, erfunden wurde, 175 Jahre alt. Ein schöner Anlass, während des Adventskonzerts des Musikvereins zum „Saxophone-Date“ von Manfred Schneider einzuladen. Fotos: Pfeifer

Kronberg (pit) – Es war ein ganz besonderes und abwechslungsreiches Programm, das der Kronberger Musikverein anlässlich seines Adventskonzerts in der Stadthalle zu bieten hatte. Interessant auch die Auswahl der Stücke, die von einzelnen Musikern quasi auf deren Wunsch hin einstudiert worden waren.

Den alle Aufmerksamkeit auf sich ziehenden, kraftvollen Auftakt machte die „Fanfare in Jubilo“ des zeitgenössischen Komponisten Thomas Doss. „Die strahlenden Trompeten ließen unmissverständlich die Botschaft des Komponisten erschallen: So wie die Sonne ihr Licht auf alle Teile der Welt gleichmäßig verteilt, kennt auch die Musik keine Grenzen“, so Moderatorin Angelika Hartmann, die einmal mehr viel Wissenswertes und interessante Informationen rund um die dargebotenen Stücke, die aus ganz unterschiedlichen Ländern und Genres stammten, zusammengetragen hatte.

Der erste Musiker-Wunsch stammte von Christian Kraft, der für sein Solo-Stück an seinem neuen Instrument, dem Flügelhorn, „Gabriella’s Song“ ausgewählt hatte. Ein Werk, das aus dem Film „Wie im Himmel“ von Kay Pollak stammt. Dass der versierte Musiker dabei am Anfang seiner Darbietung etwas Nervosität an den Tag legte, war daher anlässlich seiner Premiere durchaus verständlich – und wurde durch den immer sicherer und selbstbewusster werdenden Vortrag vollkommen revidiert. Belohnt wurde er daher mit jeder Menge Applaus für seine emotionale und mutige Leistung. Heiter, rasant und lebensfroh kam anschließend die Balkan-Rhapsodie „Paidushko“ von Alfred Bösendorfer daher, der sich durch folkloristische Tänze aus der Balkan-Region hierzu inspirieren ließ. Doch auch berührende Momente und abwechslungsreiche Klänge brachten das volle Temperament und das Lebensgefühl der dort lebenden Menschen sehr nahe.

„Angesichts des nahenden Geburtstages des Saxophons, das im kommenden Jahr 175 Jahre alt wird, haben sich unsere sechs Saxophonisten zu einem Date verabredet“, kündigte Angelika Hartmann anschließend an. Naheliegend, dass sie hierfür das „Saxophone Date“ von Manfred Schneider einstudiert hatten, das die vielseitige Charakteristik dieses Instruments ganz besonders wieder spiegelt. Die temperamentvollen Musiker waren am Alt-Saxophon Simone Schmidt, Barbara Forrer und Neu-Mitglied Jeewon Kim, am Tenor-Saxophon Brigitte Mathack und Martin Ritschel und am Bariton-Saxophon Norbert Nicolay.

Dann aber war die Reihe am Jugendorchester, das derzeit aus 17 Mädchen und Jungen im Alter zwischen zehn und 20 Jahren besteht. Sie hatten eine spritzige Version von „Viva la vida“ der alternativen-Rock-Band Coldplay einstudiert, die viel Spaß machte. Weiter ging es mit einem „Grease-Potpourri“ – bei dem nur eine gewisse „Zugabe“ versagt blieb: Denn auch wenn si h Orchesterleiter Jörg Senger hinsichtlich der diversen Verkleidungen, die ihm während solcher Konzerte gern von Angelika Hartmann angetragen werden, stets sehr tolerant und humorvoll zeigte, verweigerte er in diesem Fall, sich Pomade in sein Haar zu schmieren. Immerhin zog er die Leder-Jacke als Outfit eines Gang-Mitgliedes über, um sein Image als „Gang-Leader“ zu pflegen. „Das sah richtig cool aus“, war anschließend von verschiedenen Seiten zu vernehmen.

Gelungen auch die Zusammenstellung von „immer jungen“ Stücken aus dem Musical „Mamma Mia“ von ABBA, über das Björn Ulvaeus einmal sagte: „Das ist ein Musical, von dem wir gar nicht wussten, dass wir es geschrieben haben!“ Als man damals mit der Idee schwanger ging, nach „Chess“ ein weiteres Musical zu produzieren, stellte irgendwann die britische Autorin Catherine Johnson eine „Mutter-Tochter-Geschichte“ in Form einer turbulenten Verwechslungskomödie vor. „In dieser wurden die Musikstücke von ABBA ideenreich zu einer homogenen Geschichte verbunden“, wusste Angelika Hartmann zu berichten.

Mitklatschen hieß es anschließend bei der Zugabe der Jugend, als sie „Smoke on the water“ von Deep Purple vortrugen und wozu sich Jörg Senger nicht nur eine aufblasbare Gitarre umhängen, sondern auch eine schwarze Langhaarperücke überstreifen ließ.

Gleich nach der Pause ging es dann mit „Irish Castle“ von Markus Götz – ebenfalls ein zeitgenössischer Komponist“ ins Reich der irischen Sagen. Dramatisch der Beginn, später spannungsgeladen, dann trauernd dumpf und schließlich wieder heller und fröhlicher werdend wird darin die Geschichte eines Burgherrn und seiner Söhne geschildert. Beide Sprösslinge ziehen in den Kampf, doch nur einer kommt zurück. Zwar ist das Volk voller Mitgefühl über den Verlust des einen Sohnes, doch der errungene Sieg und der damit einhergehende Frieden führt zu Jubel und einer Feier mit ausgelassenen Tänzen.

Berührend der Vortrag von Schlagzeuger Karsten Schmidt, der sich hierfür „Aimol seg’n wir uns wieder“ von Andreas Gabalier gewünscht hatte. Der Volksmusi-Rock’n’Roller aus Österreich verfasste es einst angesichts der Selbstmorde seines Vaters und seiner Schwester. Für Percussionisten war die Darbietung, bei der er als Sänger auftrat, eine Erinnerung an seine eigene Schwester und eine Schulkameradin, die heute nicht mehr am Leben sind.

Nachdem es noch ein rasantes Arrangement aus dem Musical „Tanz der Vampire“ gab, wurde es mit dem Werk „Urlicht“ von Gustav Mahler noch einmal sehr besinnlich – und obendrein spannend. Denn das Stück stammt aus der zweiten Sinfonie Mahlers und ist eigentlich kein Stück für Blasorchester. Womit eine Premiere einherging, die sowohl vom Orchester als auch vom Gesangssolisten Wolfgang Schmitt-Gauer mit Bravour geleistet wurde.

Schließlich wurde es dann mit Variationen von „Stille, stille, stille“ noch richtig weihnachtlich, bei dem sich die vielen Register des Orchesters als einzelne, kleine Schmuckstücke hervortun konnten. Und schlussendlich ein Weihnachtslieder-Potpourri, bei dem das Publikum immer mutiger mitsang, und das nach „O Du Fröhliche“ mit stehendenden Ovationen endete.

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