Oberursel (ow). Am Muttertagssonntag trafen sich fünf interessierte Teilnehmer am Sankt-Ursula-Brunnen auf dem Marktplatz, um an der Brunnenführung der Stadtführerin Marion Unger teilzunehmen. Geadelt wurde die Gruppe durch die Anwesenheit der diesjährigen Brunnenkönigin Emily I. und ihrer Brunnenmeisterin Michèle I.
Einführend wies Unger auf die Bedeutung der Brunnen für Menschen bis ins 20. Jahrhundert hinein hin, nicht nur als Trinkwasserlieferanten, sondern auch als zentrale Treffpunkte zum Informationsaustausch. Sehr symbolträchtig sind sie auf Gemälden dargestellt, sie wurden besungen und im 19. Jahrhundert teils kapellenähnlich umgebaut, um das Trinkwasser zu schützen und die Bedeutung auch optisch hervorzuheben.
Der prominente Sankt-Ursula-Brunnen, der seit einigen Jahren von den Kerbeburschen zu Ostern und im Herbst aufwendig geschmückt wird, trägt das offizielle Stadtwappen, die Heilige Ursula. Der 1962 errichtete Brunnen wurde von den Oberurseler Bildhauern Harold Winter und Paul Dick entworfen und ausgeführt. An den meisten Brunnen befindet sich eine Metallplakette mit dem Namen des Brunnens, dem Namen der Brunnenkönigin sowie ihrem Amtsjahr.
Danach ging es zum Fastnachtsbrunnen, der im Leben von Emily schon immer eine wichtige Rolle spielte: Sie wurde im Kindesalter Mitglied bei den Frohsinn Minis, tanzte bei der Tanzgarde und spielt heute in der Brassband. An diesem Brunnen wird am 11.11. die Faschingssaison eröffnet. Historisch nimmt der Brunnen den ehemaligen Verlauf des Mühlgrabens auf und symbolisiert einen alten Brauch, den sog. Eselsritt. Leider wurde die Seilverbindung zwischen dem Schelm und dem Esel wiederholt gekappt, sodass von einer weiteren teuren Reparatur abgesehen wurde.
Weiter ging es zum Wäschfraa-Brunnen, der noch bis in die 1950er Jahre als Trinkwasserlieferant diente. Danach wurde die Wasserleitung geschlossen, sodass auch dieser Wasserspeier ein Zierbrunnen ist. Wie auch beim Fastnachtsbrunnen stammen Entwurf und Umsetzung der Figuren von Georg Hieronymi. Emily I. und Michèle I., auf die weitere Veranstaltungen warten, verabschiedeten sich. „Herzlichen Dank für die Zeit und viel Kraft für das bevorstehende Brunnenfest“, wünschte die Stadtführerin. In der Oberen Hainstraße befindet sich der Apfelweinbrunnen, entworfen und umgesetzt vom Oberurseler Bildhauer Walter Meffert. Finanziert wurde er von der Frankfurt International School, die sich für die Aufnahme und Unterstützung Anfang der 60er Jahre bei der Stadt bedankte. Dargestellt wird der Werdegang des Apfels von der Blüte bis zur reifen Frucht, die zur Freude der Orscheler im Bembel landet.
Die Gruppe kam zum Homm-Kreisel und blickte auf den Alte-Leipziger-Brunnen, eine der flächenmäßig größten Fontänen in der Stadt. Aus einem Vorentwurf von Georg Hieronymi entwickelte der AL-Hausarchitekt Albert Möller diesen Hingucker: Drei Mühlsteine, die von der OWG gespendet wurden, sind auf eine Stahlrohrkonstruktion gesetzt und zeigen vier Stadtwappen: Leipzig, Gründungsort der Versicherung, Bad Gandersheim, Standort nach dem Zweiten Weltkrieg, Frankfurt, Sitz der Gruppe ab 1952, und Oberursel, Standort seit 1974. Technische Raffinessen wie ein „Windwächter“, durch den die Fontänenhöhe bei Wind gedrosselt wird, sowie die automatische Beleuchtung in der Dämmerung stehen für die Handschrift der Versicherungsgruppe.
Durch den Holzweg gelangte die Gruppe zum Epinayplatz. Der Europabrunnen, der die Glaspyramide bis 2024 umgab, wurde umgestaltet. Das Blumenbeet mit den Wassersäulen ersetzt seitdem das Wasserbecken.
In der Kumeliusstraße passierte die Gruppe eine von mittlerweile vier im Stadtgebiet verteilten Trinkwassersäulen, an denen man sich per Knopfdruck erfrischen kann.
Vor dem Rathaus befindet sich ein großflächiger Brunnen, der an die Ermordung von Jürgen Ponto 1977 erinnert, zur Freude der Kinder, die sich an warmen Tagen im flachen Becken vergnügen und die schräge Fläche als Wasserrutsche benutzen.
In der Korfstraße machte Unger auf den Schäferbrunnen aufmerksam. Die Schäferszene wurde vom Oberurseler Holzbildhauer Kurt Winter geschaffen.
Der Sankt-Barbara-Brunnen in der Strackgasse wurde nach der Patronin der gegenüberliegenden Hospitalkirche benannt.
Kurz vor dem Marktplatz befinden sich in einem Hinterhof zwei Wasserbecken: zum einen der stillgelegte Luisenbrunnen und der ummauerte, an das Grundwasser reichende Margarethenbrunnen.
Den Abschluss der Tour bildete der Felsenkellerbrunnen im Hof des Vortaunusmuseums. Dort wartete auch der Froschkönig, im Becken vor der großen Sandrose sitzend. Geküsst wurde er jedoch nicht.
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