Oberursel (ow). In einer Feierstunde in der Rotunde verabschiedete die Schulgemeinde des Gymnasiums Oberursel (GO) nach 28 Jahren ihren langjährigen Schulpfarrer und Schulseelsorger Roland Gehlen in den Ruhestand. Die offizielle Urkunde überreichte Karl-Heinz Lerch, Schulamtsdirektor des Kirchlichen Schulamts Gießen.
Schulleiter Volker Räuber würdigte Gehlen als „besonderen Kollegen“. Er habe neben dem Land Hessen die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) als Arbeitgeber. Das GO sei sehr dankbar, das „seltene Exemplar“ eines eigenen Schulpfarrers und Schulseelsorgers gehabt zu haben. Einblick in die Biografie Gehlens gab Jens Frowerk, Mitglied der Schulleitung und für das Fach Religion zuständig. Gehlen, der 1955 in Schleiden geboren wurde, ist Pfarrer und Seelsorger. Nach seinem Abitur studierte er in Bonn Theologie, Soziologie und Psychologie. 1976 wechselte er an die Goethe-Universität Frankfurt und legte dort 1982 seine Diplomprüfung in Soziologie ab. Anschließend erhielt er ein Ful-bright-Stipendium und ging für ein Austausch-Studium nach Chicago. Seine spätere Frau Liz begleitete ihn zu seinen Feldforschungen bei den Indios in Mexiko. Wieder in Frankfurt, legte er in Interdisziplinärer Theologie eine Prüfung mit der Spitzennote 0,5 ab.
Es folgten das erste Theologische Examen in Marburg, ein zweijähriges Vikariat in Wiesbaden und das zweites Theologische Staatsexamen 1987. Danach war Roland Gehlen drei Jahre lang Pfarrer in der Dornbuschgemeinde in Frankfurt. 1991 ließ er sich beurlauben, um sich in der französischsprachigen Schweiz, der Heimat seiner Ehefrau, um die gemeinsame Tochter zu kümmern, während sie arbeitete. 1992 zog die Familie zurück nach Deutschland, nach Nieder-Erlenbach.
Von da an begann die Zeit als Pfarrer im Schuldienst. Zunächst wirkte Gehlen an der Integrierten Gesamtschule Stierstadt (IGS)und ab 1996 am Gymnasium Oberursel. Dort unterrichtete er anfangs außer evangelischer Religion auch Spanisch. Er bildete sich weiter zum religionspädagogischen Berater und Gruppenanalytiker. Mehrere Jahre lang war er Mitglied im Arbeitskreis Bildungspolitik der Evangelischen Akademie Arnoldshain und im Schulpersonalrat am GO. Am GO hat Gehlen bleibende Spuren hinterlassen: Seine Tea-Time im Schulseelsorgeraum „Another World“, die jährlichen Reflexionstage und der Projekttag für die Abiturienten. Zusammenmit Beate Dahmer leitete er die Streitschlichter- und die Mentoren-AG.
Für diese Arbeit dankte ihm auch Bettina Winter, die für den Schulpersonalrat sprach. Lerch betonte die gute Zusammenarbeit von Kirche und Schule. Religion als Schulfach sei Bildung und Erziehung über Schule hinaus. Als Lehrer, Pfarrer und Seelsorger sei Gehlen bei dieser Horizonterweiterung in besonderer Weise sehr engagiert gewesen. Die Kollegen hatten ebenfalls etwas zur Verabschiedung geplant. So hatte Heike Kolletzki eine besondere „Traumreise“ mit vielen humoristischen Anspielungen auf Gehlens Zeit am GO vorbereitet. An deren Ende stand ein Koffer voller bunter Überraschungen. Für den Schluss hatte ein Chor aus dem Kollegium noch „Von guten Mächten“ (Dietrich Bonhoeffer), „De colores“ (mexikanisches Kinderlied) und ein Segenslied einstudiert.
