Ein langes Wochenende in Avrillé

Schwalbach (sz). „Für alle, die schon ein paar Mal in Avrillé waren, ist es in bisschen wie nach Hause kommen,“ sagt Sabine Neumann-Paul vom Team des Arbeitskreises Städtepartnerschaft Schwalbach–Avrillé. Die jüngste Busreise in Schwalbachs französische Partnerstadt startete am 4. Juni frühmorgens. Und nach einem knappen Tag Aufenthalt in Paris kamen 46 Schwalbacherinnen und Schwalbacher, darunter 14 Jugendliche, am Freitagabend in Avrillé an.

Dort warteten schon die Gastgeber. Nach einem herzlichen Empfang hieß der neue Bürgermeister Philippe Bolo die Gäste aus Schwalbach bei einer offiziellen Begrüßung im Saal des Rathauses willkommen. Ein Grußwort von Bürgermeister Thomas Milkowitsch wurde überbracht. Das Gastgeschenk von 200 Euro durften die mitgereisten Jugendlichen übergeben. Dieses Mal wurde ein Verein bedacht, der sich in Avrillé ehrenamtlich für Blutspenden engagiert.

„Wir sind schon vor Jahren davon abgekommen, ein Präsent zu überreichen. Wir unterstützen jetzt jeweils Vereine und Initiativen, die sich für das Wohl der Stadt einsetzen“, sagte Sabine Neumann-Paul. Schon Philippe Bolo hatte in seiner Rede scherzhaft darauf hingewiesen, dass nach so vielen Jahren der Verschwisterung der Platz an Rathaus-Wänden knapp werde. Der Freitagabend wurde bei den Gastgebern verbracht.

Für Samstag und Sonntag hatte das „Comité des Jumelages“ ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Darunter waren zwei Ausflüge, die sich auf unterschiedliche Weise dem Thema „Stein“ widmeten. Am Samstag war eine ehemalige Schiefergrube in Trélazé, südlich von Angers, das Ziel. Dort wurde das alte Handwerk des Schieferspaltens vorgeführt: Mit traditionellen Werkzeugen und viel Erfahrung werden große Schieferblöcke von Hand bis zu millimeterdünnen Platten gespalten, um dann Dächer damit zu decken.

Der Samstagabend begann mit einem Ständchen des Blasorchesters „EIMDA“ zum Aperitif. Nach dem gemeinsamen Abendessen trug die junge Sängerin Néfertiti Lieder mit Gitarre in französischer und deutscher Sprache vor. Bei einigen Liedern sang ihre Deutschlehrerin Franziska Beyer-Lallauret die zweite Stimme. Die aus Leipzig stammende Autorin unterrichtet in Angers und lebt mit ihrer Familie in Avrillé.

Spektakulärer Ausflug

Geradezu spektakulär war der Ausflug am Sonntagnachmittag zu den „Mysterien der Muschelsand-Felsen“ in Doué en Anjou, südlich von Angers. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden dort unter Tage Steine abgebaut, so dass zahlreiche Höhlen entstanden, groß wie Kathedralen. Das Dunkel bespielen heute Klang- und Lichtinstallationen, die das Leben vor mehreren Millionen Jahren im Meer und an Land auf künstlerische Weise darstellen.

Der Abend wurde gemeinsam oder in den Familien verbracht, und am Montagmorgen um 8 Uhr fuhr der Bus schon wieder los in Richtung Schwalbach. „Das war eine wunderschöne Reise“, lobte Erich Stichel, wieder zurück in Schwalbach. Organisiert wurde die Bürgerfahrt von Sabine Neumann-Paul, Su Schleyer und Iris Nordmeyer. Unterstützt wurden sie dabei von der Kulturkreis GmbH.

Erfreulich war die Teilnahme von 14 Jugendlichen, hauptsächlich aus der Friedrich-Ebert- und der Albert-Einstein-Schule. Sechs von ihnen waren schon das zweite Mal in Avrillé. Beim ersten Mal hatte es ihnen so gut gefallen, dass sie noch acht weitere Jugendliche dafür begeistern konnten.

Seit 1978 ist Schwalbach mit der französischen Stadt Avrillé verschwistert. Und seit fast einem halben Jahrhundert besucht man sich gegenseitig. Avrillé ist eine gepflegte kleine Stadt mit gut 15.000 Einwohnern im Département Maine-et-Loire. Es liegt nördlich von Angers, einer Universitätsstadt mit 120.000 Einwohnern, 300 Kilometer westlich von Paris. Avrillé ist ein attraktiver Wohnort, der in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. Fünf Parks und mehr als 50.000 Bäume sorgen für viel Grün in der Stadt.

46 Schwalbacherinnen und Schwalbacher besuchten über das Fronleichnams-Wochenende die französische Partnerstadt Avrillé in der Nähe von Angers. Am Rathaus wurde zu Ehren der Gäste neben der europäischen und französischen auch die deutsche Fahne gehisst. Foto: privat



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