„Gemeinsam für die Ukraine“ schickt weiteren Hilfstransport nach Dnipro

Ukrainerinnen und Ukrainer, Russinnen und Russen, Deutsche – vereint in dem Willen und der festen Überzeugung, durch stetige Hilfe etwas bewirken zu können. Und sei es nur im Kleinen. Unterstützung gibt es auch weiterhin von Motsi Mabuse und ihrem Mann Evgenji Voznyuk. Foto: Th. Zellhofer

Kelkheim (ju) – „Tiefste Gemeinschaft kommt aus einem gemeinsamen Wollen. Das Wollen ist das Elementarste in unserem Wesen.“ Diese Worte von Albert Schweitzer passen eins zu eins auf die starken Frauen hinter der Initiative „Gemeinsam für die Ukraine“ unter ihnen Oxana Stürmer und Tetyana Fischer.

Sie und ihre Mitstreiterinnen sind es, die wieder und wieder dafür sorgen, dass sich Hilfstransporte mit dringend benötigtem medizinischen Gerät und Material auf den Weg in die Ukraine machen. Nach Dnipro, diese gebeutelte Stadt in der Nähe der von den Russen besetzten Gebiete, häufiges Ziel von Putins Raketen, aber auch Ort der Versorgung der Soldaten, die an den Frontlinien verletzt werden und ärztliche Hilfe benötigen. Der Verein hat ein Lager in Dnipro eingerichtet, von dem die humanitäre Hilfe an die unterstützenden Einrichtungen, insbesondere Krankenhäuser und gemeinnützige Organisationen, verteilt wird. Unterstützt werden sie von lokalen Ehrenamtlichen in Dnipro.

Feuerwehrhaus als Dreh- und Angelpunkt

Hier in Kelkheim entpuppte sich das ehemalige Feuerwehrhaus in Münster als ein Geschenk des Himmels. Als vor einem Jahr der Krieg in der Ukraine ausbrach, brachten die Kelkheimerinnen und Kelkheimer nach einem emotionalen Aufruf von Evgenji Voznyuk und seiner Frau Motsi Mabuse Hilfsgüter wie warme Kleidung, Decken, Schlafsäcke, Babynahrung und Medizin hierher. Die Solidarität war riesig, mehrere Transporter machten sich von hier aus auf den Weg an die Grenzen, um dort die Geflüchteten mit dem Notwendigsten zu versorgen.

Inzwischen hat sich das Ganze professionalisiert. Oxana Stürmer und Tetyana Fischer sammeln mit ihren Unterstützerinnen gezielt Spenden ein - auf dem Internetauftritt der Initiative „Gemeinsam für die Ukraine“ können Spendenwillige genau sehen, was benötigt wird. Die Liste wird ständig aktualisiert. „Wie sind mit unseren Aufgaben gewachsen. Inzwischen wissen wir genau, was für bürokratische Hürden bestehen und wo wir ansetzen müssen, um die Transporte so schnell wie möglich über die Grenzen zu bringen“, erklärt Oxana Stürmer.

Die gebürtige Russin lebt seit drei Jahren in Deutschland und wollte unbedingt helfen, als der Krieg ausbrach. Im Verein fand sie Gleichgesinnte, Ukrainerinnen, die hier leben oder vor dem Bombenhagel geflüchtet waren. Schon in Russland war sie politisch engagiert, was für sie durchaus gefährlich war. „Ich habe schon vorher gewusst, dass dieser Krieg kommen wird“, gesteht sie. Und sie weiß um die funktionierende Propaganda in ihrem Heimatland. „Die Menschen leben in Angst, Angst vor ihrem Staat und wir wissen alle, was Angst anrichtet – Angst blockiert.“ Selbst ihre Familie, die noch in Russland lebt, glaubt das, was das russische Propagandaministerium täglich verlauten lässt. „Da ist es auch egal, was ich erzähle. Ich habe jetzt schon mit so vielen Ukrainern zu tun gehabt und keiner entpuppte sich als Nazi. Diese Mär hat aber in Russland weiter Bestand“, weiß Stürmer.

Und so macht sie das, was sie am besten kann: Organisieren. An diesem Freitag wird der 13. Transporter beladen. In Gießen hat er schon 10 Krankenhausbetten für die Kardiologie in Dnipro, 28 Generatoren sowie 18 Paletten mit Verbandsmaterial aufgenommen. Der Verein arbeitet eng mit der Johanniter-Unfall-Hilfe Rhein Main zusammen, die große Anstrengungen unternimmt, um gerade die „großen“ Hilfsgüter zu besorgen. Mit dabei auch ein Knochenchirugiegerät für den HNO-Bereich, das in einer Kinderklinik in Kiew eingesetzt werden soll.

Private Spender

Und dann gibt es da noch die privaten Spender: Wie den, der nach seiner überstandenen Leukämieerkrankung dringend benötigte Materialien und Medikamente für die Onkologie spendete, oder der Großspender Frank Heeren, der 25.000 Euro spendete, von denen medizinische Hilfsgüter gekauft werden konnten, die sich jetzt auf den Weg nach Dnipro machen. „Die medizinische Versorgung steht an erster Stelle“, erklärt Tetyana Fischer, deren Schwester in Dnipro die Verteilung der Hilfsgüter übernommen hat. Doch der Verein freut sich auch über Spenden, die nicht in erster Linie etwas mit der medizinischen Versorgung zu tun haben, aber trotzdem der Seele guttun – Knuspr hat zwei Paletten mit Schokolade gespendet, die in der Ukraine sicherlich dankbare Abnehmer finden wird.

Auch wenn die Spendenbereitschaft in Deutschland merklich abgenommen hat, so ist sie im Main-Taunus-Kreis und insbesondere in Kelkheim ungebrochen. Die Pläne des Vereins sehen einen Transport pro Monat vor, obwohl man da spontan agiert und reagiert, je nach Bedarf und Spendenaufkommen. „Allein der Lkw kostet 4.300 Euro pro Tour, da müssen schon einige Spendengelder reinkommen“, so Fischer. Gleichzeitig appelliert sie an Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen, alle Geräte und Materialien, die nicht mehr benötigt werden, zu spenden. Gerade Betten und Verbandsmaterial werden dringend benötigt.

Gegen den frühen Abend ist der Lkw bis unters Dach beladen und macht sich auf den 2.250 Kilometer langen Weg nach Dnipro. Dort wird auch dieser Transport sehnlich erwartet werden, denn er zeigt den Menschen vor Ort, dass sie nicht vergessen sind. Dass das, was uns Menschen verbindet, nämlich die Humanität und die Solidarität, nicht nur leere Worthülsen sind, sondern ein Versprechen. Ein Versprechen an die Bevölkerung der Ukraine: Wir sind bei Euch und unterstützen Euch mit dem, was uns möglich ist!

Spendenkonto

Wer den Verein finanziell unterstützen möchte, kann hier spenden:

Gemeinsam für die Ukraine e.V.

IBAN: DE50 5004 0000 0332 8531 00

BIC: COBADEFF

paypal.me/GemeinsamUkraine

PayPal: spenden[at]gemeinsam-ukraine[dot]de



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