Monatsfeiern an der MBS:Interview mit Schulleiter Matthias Böcher

Sulzbach (red) – Die Mendelssohn-Bartholdy-Schule (MBS) in Sulzbach führt regelmäßig Monatsfeiern durch, bei denen sich die Schüler präsentieren, manchmal auch besondere Schüler für ihr Engagement geehrt werden (zum Beispiel als „Vorbild des Monats“) – wie die Hauptschulklassen bei der kürzlich abgehaltenen Feier. Diese Feiern fördern das Gemeinschaftsgefühl und bieten eine Bühne für schulische Aktivitäten, zusätzlich zu anderen Veranstaltungen wie Lesenächten oder dem Winterzauber. Wir sprachen mit Schulleiter Matthias Böcher über die Monatsfeiern.

Wie entstand die Idee, eine Monatsfeier für den Hauptschulzweig einzuführen?

Die Idee entstand über einen langen Zeitraum aus unterschiedlichen Beobachtungen und Überlegungen heraus. Die Jugendlichen im Bildungsgang Hauptschule, dem kleinsten Zweig der Mendelssohn-Bartholdy-Schule, fühlen sich häufig als Verlierer im System. Sie werden nach ihren fachlichen Leistungen dem Bildungsgang Hauptschule zugeordnet, der in der Öffentlichkeit nur eine geringe Wertschätzung erfährt, obgleich die überfachlichen Leistungen der Schülerinnen und Schüler zum Teil Unglaubliches beinhalten. Viele der Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund, einige erfuhren erst spät eine Alphabetisierung und die ersten Jahre ihrer Schulbildung waren geprägt vom Erwerb der deutschen Sprache. Sie haben in ihren jungen Jahren bereits ein enormes Leistungsvermögen gezeigt, auch wenn es sich noch nicht in den fachlichen Leistungen in den Fächern Mathematik, Deutsch oder Englisch zeigt.

Weitere Jugendliche bringen Begabungen mit, zum Beispiel im handwerklichen Bereich, brennen für Maschinen und Autos, für den Garten- und Landschaftsbau oder für das Bauen von Häusern. Aber nicht für die Fächer Geschichte, Physik oder Musik.

Eine dritte Gruppe von Schülerinnen und Schülern übernimmt bereits in der Familie verantwortungsvolle Aufgaben, betreut jüngere Geschwister, versorgt bedürftige Familienangehörige und erfährt nur bedingt eine familiäre Unterstützung für ihren eigenen schulischen Erfolg.

Die Monatsfeier war eine Idee, diesen Jugendlichen eine Anerkennung für ihre überfachlichen Leistungen in Form der Auszeichnung zum Vorbild des Monats auszusprechen. Zudem ist es aus pädagogischer Sicht wertvoller, diese positiven Eigenschaften durch eine Anerkennung zu verstärken, als mögliches Fehlverhalten von anderen Schülerinnen und Schülern zu ahnden.

Hinter der Idee, dass Schülerinnen und Schüler über Ausflüge, Praktika oder Prüfungen berichten, stehen zwei verschiedene Überlegungen: Zum einen stärkt es das Selbstbewusstsein der Vortragenden und fördert die Präsentationskompetenz der Jugendlichen. Zum anderen dient es der Information insbesondere für die jüngeren Jahrgänge.

Welches Ziel wird mit den Monatsfeiern angestrebt?

Die Ziele habe ich ja bereits angedeutet. Anerkennung überfachlicher Leistungen, Stärkung des Selbstbewusstseins; und nicht zuletzt dient die Monatsfeier auch der Information. Die Jugendlichen werden zusätzlich motiviert, sich weiterhin zu bemühen und sich entsprechend zu verhalten, um später vielleicht selbst als Vorbild ausgezeichnet zu werden.

Konnte das Ziel mit der ersten Monatsfeier erfüllt werden?

In den Gesichtern der ausgezeichneten Schülerinnen und Schüler war die Freude über die Anerkennung deutlich erkennbar. Nach Rückmeldung der Klassenleitungen hat die erste Monatsfeier die Schülerinnen und Schüler nachhaltig beeindruckt. Sie fragen jetzt bereits nach dem Termin der nächsten Monatsfeier und zeigen Bestrebungen, beim nächsten Mal selbst ausgezeichnet zu werden.

Wie werden die Monatsfeiern in Zukunft ablaufen?

Die nächste Monatsfeier ist zu Beginn der Osterferien im März geplant. Dabei ist angedacht, auch die Moderation in die Hand von Schülerinnen und Schülern zu geben. Weitere Schülerinnen und Schüler werden dabei an der Feier aktiv beteiligt und können ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Wird es auch Monatsfeiern für andere Schulzweige geben?

Wie eben schon beschrieben ist die Ausgestaltung der Monatsfeier sehr genau auf den Bildungsgang Hauptschule ausgerichtet. Eine vergleichbare Veranstaltung für die Bildungsgänge Realschule oder Gymnasium würde andere Schwerpunkte in den Vordergrund stellen.

Zum Beispiel die Gesichtspunkte selbstständiges oder kreatives Arbeiten. Auch der Gesichtspunkt hervorragender fachlicher Leistungen würde hier Berücksichtigung finden. Die Entwicklung von Konzepten für die beiden weiteren Bildungsgänge kann ich mir für die Zukunft durchaus vorstellen.



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