Bad Homburg (fch). Drei Tage lang drehte sich beim 18. Europäischen Elvis-Festival in Bad Nauheim und im benachbarten Friedberg alles um den King of Rock’n’Roll. Tausende Fans aus aller Welt waren in die Wetterau gekommen, um Elvis Presleys Musik und sein Wirken zu feiern. Zu ihnen gehörte als ein Fan der ersten Stunde Christine Kunze, geborene Henschel.
Die Bad Homburgerin erinnert sich: „Anfang der 1950er-Jahre lebten wir in Frankfurt-Höchst, nur rund 300 Meter entfernt vom AFN (American Forces Network). GIs (Bezeichnung für einfache Soldaten der US-Streitkräfte) gehörten wie auch einmal ein cremefarbener, offener Cadillac mit einem schmalen roten Seitenstreifen und roten Ledersitzen zum Straßenbild. Manchmal verschenkten die GIs an uns Kinder Cadbury-Schokolade.“ Einige Jahre später lagen unterm Weihnachtsbaum ein braun-beige-karierter Kofferplattenspieler – „genau so einen hatte Elvis später in Bad Nauheim in der Goethestraße 14“ – und zwei Singles. „Marina“ von Rocco Granata und „Hound Dog“ von Elvis Presley. „Die ganzen Feiertage über lief bei uns der Rocksong. Mein genervter Vater gab mir fünf Mark und meinte, ich soll mir dafür anständige Musik kaufen“, lacht Christine Kunze.
„Ich wollte alles verstehen“
Gekauft hat sie sich für das Geld ihre zweite Elvis-Platte. „Ich liebte es, auf dem Teppich vor dem Plattenspieler mit Zettel, Stift und Wörterbuch zu liegen. Ich wollte alles verstehen und übersetzen können, was Elvis sang.“ Mit Elvis änderte sich nicht nur die Mode, sondern auch die Musik für die Teenager der Nachkriegsgeneration. „Mit Elvis gab es endlich auch Musik für uns, für die Jugend. Seine Musik veränderte, machte uns stärker, freier. Wenn Elvis sang, fühlte er sich so sehr in jeden Text ein, lebte ihn regelrecht, dass man ihm jedes Wort glaubte. Der Rhythmus und die energiegeladene Musik von Elvis begeisterten uns Jugendliche.“
Im Gegensatz dazu fand die ältere Generation Hüftschwung und Bewegungen unanständig. Mit 16 Jahren lernte der Teenager in Friedberg am Rande einer Feier zufällig einen Jungen aus Bad Nauheim kennen, der ihr eine von Elvis signierte Autogrammkarte brachte. „Ich war und bin bis heute sehr glücklich darüber.“ Ein großer Traum von ihr war es später, einmal zu einem seiner legendären Konzerte nach Las Vegas und nach Memphis zu fliegen. Doch daraus wurde nichts. „Als ich am 16. August 1977 im Radio die Nachricht von Elvis Presleys Tod hörte, dachte ich anfangs, es sei ein ganz übler Scherz.“
Dafür besuchte sie im Januar 1999 und im Februar 2000 jeweils die Präsentationen von „Elvis – The Concert“ in Hanau. „Jedes Mal habe ich backstage die wunderbaren, netten und bodenständigen Musiker der Original TCB-Band getroffen. In den Folgejahren habe ich sie wie auch Elvis’ Bodyguards, Filmpartnerinnen und Wegbegleiter auf anderen Events gesprochen, Fotos gemacht und Autogramme bekommen“, sagt Christine Kunze.
Sie war auch in Friedberg, als 30 Jahre nach seinem Tod am 15. August 2007 die Ray-Barracks-Kaserne geschlossen wurde. „Dort gab es noch eine Ausstellung im Capri-Club. Der AFN interviewte vor einem seiner Filmplakate Leute, zu denen ich gehörte. Es wurde in den USA in den Nachrichten ausgestrahlt.“ Für Christine Kunze ist Elvis ein Teil ihres Lebens. „Er begleitet mich mit seiner Musik, seinen Platten, CDs, DVDs und Filmen seit meiner Jugend. Bei mir und all seinen Fans lebt er weiter. Mein Lieblingssong von ihm ist ‚Just Pretend‘.“
Mit vor Begeisterung leuchtenden Augen berichtet Christine Kunze von ihren Besuchen auf dem 18. Europäischen Elvis-Festival in Bad Nauheim und Friedberg. „‚Rio – The Voice of Elvis‘ und seine Band waren beim Konzert in der Friedberger Stadthalle großartig. Die Straßen in Bad Nauheim waren dieses Mal so voll wie noch nie. Auch das Gospelkonzert ‚Elvis – From the 50s to Gospel‘ mit ‚Ed Enoch & The Stamps‘ und Grahame Patrick sowie dem Special-Guest Jason Shelton, dem Bürgermeister von Tupelo/Mississippi, im Jugendstil-Theater war ein Erlebnis. Ich habe beim Festival viele Freunde, Bekannte, Fans aus dem In- und Ausland und Künstler wie Linda Thompson und ihren Bruder Sam getroffen und gesprochen.“
Wer mit Elvis Musik groß geworden ist, konnte beim Festival in Bad Nauheim das Lebensgefühl aus der Ära von Cadillac und Petticoat zurückgewinnen. Großen Anklang fanden auch die Elvis-Ampelmännchen. Das rote Licht zeigt den Sänger stehend am Mikrofon, das grüne Signal präsentiert den Fußgängern einen Elvis beim berühmten Hüftschwung. „Jetzt freue ich mich riesig auf das ‚TCB-Weekend‘ vom 4. bis 6. Oktober 2019, wenn in ‚meiner Stadt‘ Bad Homburg im Steigenberger-Hotel die ‚Elvis Presley Suite‘ eröffnet wird, ie ‚Original Elvis Band‘ mit dem Wiener Elvis-Interpreten Dennis Jale ein Konzert gibt und eine Ausstellung des Elvis-Museums mit original Exponaten gezeigt wird.“
