Bad Homburg (csc). „Bisher waren in diesem Raum nur meine Objekte, zu sehen aber heute sieht man nur Menschen“, sagt Rainer Hunold, dabei hat er ein Lächeln auf den Lippen, sodass klar ist, dieser Umstand bereitet dem Künstler durchaus große Freude. Zur offiziellen Eröffnung des Gotischen Hauses am Sonntagnachmittag sind zahlreiche Gäste erschienen, um sich selbst ein Bild davon zu machen, was nach fünf Jahren Renovierungs- und Sanierungsarbeiten aus dem Haus geworden ist (Bad Homburger Woche berichtete).
Oberbürgermeister Alexander Hetjes durchschnitt das rote Band, jedoch nicht, bevor er der Museumsleiterin Ursula Grzechca-Mohr zum Geburtstag gratulierte. Ein spontanes Geburtstagsständchen der vielen Gäste, die bereits vor dem Museumseingang warteten, ließ das Geburtstagskind strahlen.
Die Ausstellung von Rainer Hunold, die den Titel „Transformation“ trägt, habe wundervoll zur Geschichte des Hauses gepasst, so Jill Hingott, stellvertretende Museumsleiterin, darüber, warum diesem Künstler die Ehre der ersten Ausstellung zuteil geworden war. Im zentralen Mittelsaal präsentieren sich insgesamt 22 Plastiken Hunolds, der vielen zunächst einmal als Schauspieler bekannt sein dürfte. In Rollen wie der des Strafverteidigers D. Franck aus „Ein Fall für zwei“ oder als „Der Staatsanwalt“ ist Rainer Hunold bekannt, aber dass er vor seiner Schauspielkarriere einmal Bildhauerei in seiner Heimatstadt Braunschweig studiert hat, ist nicht so vielen Menschen bekannt.
Es ist nicht die erste Ausstellung des Wahl-Berliners in der Kurstadt. Bereits 2017 hat er seine Arbeiten gemeinsam mit Michael Heindorff im Horexmuseum gezeigt. Durch den persönlichen Kontakt mit Ursula Grzechca-Mohr kamen Hunolds Arbeiten damals nach Bad Homburg. „Ich schätze ihre Expertise. Sie ist eine fantastische Gesprächspartnerin und es macht Spaß, sich mit ihr als Künstler zu unterhalten“, so Hunold.
Umso schöner, dass seine Plastiken nun als erste Ausstellung im neuen Gotischen Haus zu sehen sind. Dass sich die „Transformation“ des Gotischen Hauses länger hinzog, als ursprünglich gedacht, ist zumindest für Kunstliebhaber ein Glücksfall. „So hatte ich länger Zeit, um an der Ausstellung zu arbeiten, und habe letztlich doppelt so viele Kunstwerke hierfür geschaffen“, verrät Hunold.
Einige Stücke aus der Serie „Protections“, die damals im Horexmuseum zu bewundern waren, sind erneut auch im Gotischen Haus zu sehen. Auf Waldspaziergängen mit seinem Hund hat Hunold Fragmente gefällter oder abgestorbener Bäume, deren Form ihn interessierte, durch Einschlagen von Kupfernägeln, die ursprünglich im Schiffsbau verwendet werden, transformiert. Der Absterbeprozess wurde somit umgekehrt – jedes Kunstwerk ein Unikat. In Zusammenarbeit mit einer Gießerei in Berlin hat Hunold Formen von ausgewählten Kunststücken dieser Serie anfertigen lassen, die in Bronze gegossen wurden.
„Er hat sich quasi vom Material Holz über Kupfer bis hin zur Bronze gearbeitet“, fasst Jill Hingott zusammen. Die dritte Serie, die im Saal gezeigt wird, trägt den Titel „AL“. Des Rätsels Lösung, was der Name wohl bedeuten soll, wird von Hingott ebenfalls gelüftet: „Es handelt sich dabei um den Teil eines Autokennzeichens. AL steht für Andalusien, dort hat Rainer Hunold viele der Skulpturen geschaffen.“
Kunstliebhaber können die Werke von Rainer Hunold noch bis zum 29. März 2026 im Gotischen Haus anschauen. Öffnungszeiten sind dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags von 10 bis 18 Uhr.
Die ausgestellten Skulpturen des Künstlers haben organische Formen und laden dazu ein, sich gemäß dem Titel mit „Transformation“ zu beschäftigen.Foto: csc
Oberbürgermeister Alexander Hetjes durchschneidet das rote Band – das Museum Gotisches Haus ist offiziell eröffnet.Foto: csc
Die Bronzen aus der Serie „AL“ sind die neuesten Arbeiten von Rainer Hunold. Während der Ausstellungseröffnung plaudert er mit den Besuchern über seine Skulpturen. Foto: csc


