„Kehrtwende“ zur Kommunalwahl und zur U2-Verlängerung

Bad Homburg (hw). Die Wählerinitiative „KEHRTWENDE Bad Homburg“ sieht im Ergebnis der Kommunalwahl ein klares Signal für eine kritische Prüfung großer Infrastrukturprojekte. Im Fokus steht die geplante Verlängerung der U-Bahnlinie U2 von Gonzenheim zum Bahnhof. Deren wirtschaftliche Grundlage basiert auf einer Nutzen-Kosten-Untersuchung aus dem Jahr 2009, die mit fehlerhaften Bewertungen direkte Auswirkungen auf die Rechtmäßigkeit der Planrechtfertigung hatte und den Planfeststellungsbeschluss als auch den Bürgerentscheid massiv beeinflusste. Eine aktuelle NKU 2025 sowie ein verbindlicher Fördermittelbescheid liegen bislang nicht vor. Gleichzeitig sind die Projektkosten nach Angaben der Initiative von rund 55 Millionen auf etwa 200 Millionen Euro gestiegen. Dennoch wird trotz Fachaufsichtsbeschwerde vom 3.1.2026 mit dem Bauvorhaben begonnen. Zusätzlich verschärft die aktuelle geopolitische Lage im Persischen Golf die Risiken: Über die Straße von Hormus laufen rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels. Störungen führen zu sprunghaft steigenden Energie-, Material- und Baukosten – mit direkten Auswirkungen auf langfristige Infrastrukturprojekte. Die Finanzierung birgt deshalb große Risiken. Öffentliche Fördermittel werden teilweise über zinsabhängige private Kapitalmärkte bereitgestellt. Steigende Kosten können daher höhere Eigenanteile oder zusätzliche Sicherheiten erforderlich machen – mit möglichen Folgen für den städtischen Haushalt und die Bürger. Nach §§ 92 und 93 der Hessischen Gemeindeordnung ist die Stadt verpflichtet, wirtschaftlich zu handeln. Vor diesem Hintergrund fordert KEHRTWENDE eine aktuelle und transparente Bewertung der Wirtschaftlichkeit sowie der Förderlage, besonders auch unter Einbeziehung der kriegerischen geopolitischen Weltlage, bevor weitere irreversible Schritte erfolgen. Zugleich weist die KEHRTWENDE-Initiative darauf hin, dass mehrere Parteien die Umsetzung des Projekts zur Bedingung in Koalitionsverhandlungen machen. Eine Klärung der wirtschaftlichen Grundlagen sei daher Voraussetzung für eine verantwortbare politische Entscheidung zu Beginn der neuen Legislaturperiode. „Es geht nicht um ein grundsätzliches Nein, sondern um eine Entscheidung auf Basis aktueller Fakten unter den heutigen wirtschaftlichen Risiken“, so Kirsten Baum.



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