Krimiklassiker bringt Spannung bis zum Schluss

Tony (Michael Guillaume) will seine Frau Shiela (Yael Hahn) loswerden, um an ihr Geld zu kommen. Foto: Staffel

Bad Homburg (ks). Es passiert immer wieder, dass jemand eine gute Idee hat, mit der dann ein anderer seinen Ruhm vermehrt. So ist es dem Engländer Frederick Knott (1916-2002) ergangen, aus dessen Feder der Krimi „Bei Anruf Mord“ stammt. Nach einigem Hin und Her wurde seine Vorlage von der BBC übernommen und 1952 ausgestrahlt, und das mit großem Erfolg. Knott konnte die Filmrechte in die USA verkaufen, wo der raffinierte Krimi 1954 unter der Regie von Alfred Hitchcock verfilmt wurde. Knott firmierte zwar als Drehbuchautor, aber das weiß heute kaum noch jemand. „Bei Anruf Mord“ („Dial ‚M‘ for Murder“) wird inzwischen als einer der vielen guten „Hitchcock-Krimis“ wahrgenommen. Dazu haben auch Grace Kelly und Ray Milland in den Hauptrollen beigetragen.

In einer deutschen Fassung, in der Frederick Knott als Autor genannt wird, ist es dem Ensemble des „a.gon Theaters“ München im Kurtheater gut gelungen, dem berühmen Krimi gerecht zu werden, Spannung aufzubauen und diese bis zum Schluss zu halten. Und das, obwohl das Publikum schon weiß, wie der Hase läuft. Oder etwa doch nicht? Die Inszenierung orientiert sich an dem „Kultfilm“ aus den 1950er-Jahren, und die Kulissen sind entsprechend gestaltet. Schließlich spielt ja so ein altmodischer schwarzer Apparat mit Wählscheibe und „Strippe“ eine wichtige Rolle.

Entsprechend ist auch Sheilas (Yael Hahn) Garderobe, der Stil-Ikone Grace Kelly nachempfunden, von zeitloser Eleganz. Sie durfte noch Nerz tragen. An Shielas Seite konnte ihr Ehemann, der alternde Tennisstar Tony Wendice (Michel Guillaume), gut mithalten. Der möchte seine Frau loswerden, um an ihr Vermögen zu kommen und heckt dazu den perfiden Plan für einen „perfekten Mord“ aus. Tony ist nich zimperlich. Er erpresst seinen alten Freund Captain Lesgate (Christian Buse), der den Mord begehen soll. Sheila hat eine Affäre mit dem Krimi-Autor Max Halliday (Michael Schiller), der in Amerika lebt, von der Tony erst durch einen Brief erfährt. Wunderbar, jetzt kann er Sheila damit anonym erpressen.

Max erscheint schließlich auf der Bildfläche, und Tony kann seinen perfiden Mordplan in die Tat umsetzen. Der Mörder wartet in seinem Versteck hinter dem Tisch mit dem Telefon auf den Anruf, der Sheila herbeirufen soll. Diese erscheint im Negligé, wird hinterrücks mit einem Schal angegriffen und gewürgt …, doch dann fällt der Angreifer plötzlich tot um. Sheila konnte eine Schere greifen und zustechen. Jetzt dreht Tony den Spieß um, arrangiert alles so, dass Sheila als Mörderin dasteht und ins Gefängnis kommt. Doch der erfahrene Inspektor Hubbard (Stefan Rehberg) ist misstrauisch. Irgendwie stimmen die Angaben über den Ort, an dem der Wohnungsschlüssel versteckt gewesen sein soll, nicht überein. Und dieser Schlüssel ist es schließlich auch, mit dem Tony überführt wird.

Michel Guillaume, den man als „Kommissar Renner“ aus der Fernsehserie SOKO 5113 kennt, beeindruckte mit souveräner Bühnenpräsenz und hatte auch stimmlich entsprechend „umgeschaltet“. Leider gelang das den anderen nicht immer. Sie spielten zwar alle gut, sprachen aber oft zu leise und in die Kulissen statt ins Publikum, das im Kurtheater sowieso Hörprobleme hat. Aber am Ende wurde dem engagierten Ensemble der Beifall für die gute Aufführung nicht versagt.



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