Bad Homburg (hw). Christen erinnern sich besonders an den Kar- und Ostertagen an die heiligen Orte in Jerusalem. Vor allem ist der Ort der Kreuzigung und der Auferstehung Jesu, neben dem der Menschwerdung, Christen heilig. Jahrhunderte später baute man heilige Stätten nach, vor allem die der Grabeskirche. Schon 1879 wurde auf dem katholischen Friedhof im Gluckensteinweg in Bad Homburg, der 1857 vom bekannten Mainzer Sozialbischof Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler eingeweiht wurde, eine Friedhofskapelle geweiht.
Die Kapelle im neugotischen Stil, erbaut 1878 bis 1879, stellt neben weiteren Gebäuden in Bad Homburg eine Besonderheit dar: Sie ist außen und innen mit der sogenannten „Inkrustationstechnik“ gestaltet. Der bedeutende Homburger Stadtbaurat Louis Jacobi (1836 bis 1910) hat diese Kapelle entworfen und als besonderen Schmuck Kieselsteine anbringen lassen, die sogenannte Inkrustationstechnik. Der Schmuck der Kapelle außen und innen hat die gleiche aufwendige und formschöne Inkrustationsverkleidung wie das Haus Jacobi in Bad Homburg in der Dorotheenstraße 12. Die Friedhofskapelle hat eine Krypta. Sie ist von der Südseite her über eine mehrstufige Treppe zugänglich und birgt einen Schatz: den Nachbau des Heiligen Grabes zu Jerusalem. Zunächst gelangt man in den großen Vorraum, der, wie die weiteren Teile der Krypta innen, Fußboden, Wände und Gewölbe, vollständig mit der Inkrustationstechnik ausgestattet ist. Durch die erste Öffnung links gelangt man in die sogenannte „Engelskapelle“, wie in der Grabeskirche in Jerusalem.
Ein kleiner Durchlass von etwa einem Meter führt die Besucher in die eigentliche Grabkapelle, die zusätzlich mit Quarzitsteinen aus dem Taunus geschmückt ist. Fünf Öllampen hängen vom Gewölbe über einer reich geschmückten Grablege. Eine Holzskulptur des toten Jesus, früher während der Karwoche in der Marienkirche in Bad Homburg aufgestellt, liegt seit 2010 in der Grablege.
Eine weitere Öffnung vom Eingangsbereich her führt links zu einem vier Meter mal zwei Meter großen Vorraum, der durch ein renoviertes Eisentor zur Wandgrablege des Stifterehepaares Rosalia (+1880) und Johannes (+1890) Jung weist. Sie hatten ihre großzügige Spende zum Bau der Friedhofskapelle an die Bedingung geknüpft, auch in dieser bestattet zu werden. Pfarrer Alexander Menzel hat damals diesen Wunsch, dort beigesetzt zu werden, erfüllt. Der Raum der Beisetzung in der Nähe eines nachgebauten Heiligen Grabes hat eine lange christliche Tradition. Man wollte möglichst nahe am Ort des Todes und der Auferstehung Jesu seine letzte Ruhestätte haben. Hier brennt heute die Osterkerze als Zeichen des auferstandenen Jesus Christus.
Zwei weitere Öllampen und ein Weihwasserbecken aus weißem Marmor zieren den Eingangsbereich.
Nahezu einzigartig im Rhein-Main-Gebiet
Das Heilige Grab auf dem katholischen Friedhof am Gluckensteinweg ist neben einem weiteren Heiligen Grab auf dem evangelischen Friedhof am Untertor die zweite Anlage in Bad Homburg. In dieser Art ist die Grabkapelle auf dem katholischen Friedhof die Einzige im gesamten Rhein-Main-Gebiet. Jedes Jahr brennen in der Karwoche die fünf Öllampen in der Grablege, ebenfalls die beiden Öllampen im Eingangsbereich. Eine weitere Besonderheit ist neben dem Eingang zur Krypta seit 2010 eingerichtet: ein Raum des Gedenkens für die Opfer der Kriege und der Gewalt. Mit Gedenkplatten wird hier zweier Homburger jüdischer Konvertitinnen, Elisabeth Selma Müller und Dina Daub, und dem 1989 in Bad Homburg ermordeten Dr. Alfred Herrhausen gedacht. Hier brennt als stilles Gedenken Tag und Nacht eine Öllampe.

