Unter dem Meer (mit einem Kapitän), in Canterville (mit einem Gespenst) und auf der Insel (mit einem Doktor): Das Bad Homburger Poesie- und Literatur-Festival startet 2026 in seine 17. Saison und bringt erneut eine ganze Riege Stars, Stimmen und Geschichten in die Kurstadt.
Bad Homburg (hw/iba). Zwischen dem 29. Mai und dem 14. Juni 2026 verwandelt sich die Kurstadt in ein Zentrum der Literatur: Prominenteste Leserinnen und Leser aus Film, TV und Theater bringen große Werke der Weltliteratur auf die Bühnen des Kurtheaters, des Schlosses, des Steigenberger Hotels, der Spielbank und des Kinopolis. Ergänzt wird das Programm zudem durch eine festliche Weihnachts-Sonderveranstaltung am Samstag, 5. Dezember, in der Erlöserkirche.
Deutschlandweit sind die Kommunen finanziell nicht auf Rosen gebettet, Bad Homburg bildet da keine Ausnahme. Die finanzielle Förderung der Stadt soll aber trotz der allgemeinen Sparvorgaben gerade im Kulturbereich nicht leiden, versichert Oberbürgermeister Alexander Hetjes. Über ein halbes Dutzend Sponsoren tragen die Veranstaltung mit, so dass auch dieses Jahr wieder viele Hochkaräter ihren Weg nach Bad Homburg finden werden.
Bernd Hoffmann ist einer der Hauptinitiatoren der Veranstaltung – der Künstleragent aus Frankfurt und künstlerischer Leiter des Festivals stand der Bad Homburger Woche Rede und Antwort.
Auch dieses Jahr sind wieder jede Menge Hochkaräter in Bad Homburg zu Gast – auf was beziehungsweise auf wen freuen Sie sich besonders?
Hoffmann: Keine einfache Frage; ich denke, da muss ich einige nennen: Wir eröffnen das Festival mit Thomas Manns berühmter Novelle „Tod in Venedig“. Vor schwarz/weiß-Bildzuspielungen des alten Venedigs wird mit Sabin Tambrea ein begnadeter junger Star im Kurtheater lesen und in die Rolle des Hauptprotagonisten der Erzählung schlüpfen. Das in Kombination mit den poetisch-verschatteten Musikmeisterwerken von Gustav Mahler, Massenet, Kreisler – ich hoffe auf Gänsehaut-Momente!
Dann ein ganz neues Unterfangen: Bettina Zimmermann und Pasquale Aleardi lesen aus Alexandre Dumas‘ „Die Kameliendame“, wir ergänzen das und rahmen es live mit den weltbekannten Arien aus Guiseppe Verdis „La Traviata“ ein. Da werden der junge italienische Tenor Matteo Roma und die wunderbare slowenische Sopranistin Nika Goric unsere Sinne verzaubern: Lesung und Oper, im Grunde ein neues Bad Homburger Genre.
Im großen Saal des Kinopolis wird Matthias Matschke aus H. G. Wells‘ Science-Fiction- Meisterwerk „Die Insel des Dr. Moreau“ lesen. Wir inszenieren die Story, in der ein Doktor um 1900 auf einer Pazifikinsel Mischwesen aus Tier und Mensch erschafft, mit KI- unterstützten Bildern auf der großen Kinoleinwand: eine Lesung im Kino, mit Mitteln des Kinos!
Und noch ein lange gehegter Wunsch ist in Erfüllung gegangen: Mit Axel Milberg haben wir jetzt den perfekten Leser für die diesjährige weihnachtliche Festivalsonderveranstaltung „Northern Lights: Die schönsten Weihnachtsgeschichten und festlichen Chormusiken aus Skandinavien“ gefunden. Der beliebte TV-Star aus dem Norden wird zum Beispiel aus Hans-Christian Andersens magischem Märchen „Die Schneekönigin“ lesen; im Zuschauerraum und dem herrlichen Kirchengewölbe der Erlöserkirche lassen wir mit Lichtinstallationen dazu die Nordlichter tanzen. Ich empfehle, die Eintrittskarten für diesen spektakulären Jahresabschluss jetzt schon zu sichern.
Wie schaffen Sie es, solche namhaften Künstlerinnen und Künstler nach Bad Homburg zu lotsen?
Im Laufe der inzwischen 17 Festivaljahre sind viele Freundschaften mit den Künstlerinnen und Künstlern und mit deren Agenturen entstanden. Wir haben mit wertigen Projekten großes Vertrauen in der Szene erworben, und ja, das ist auch ein Grund, warum bei uns inzwischen gerne „auf dem kleinen Dienstweg“ angeklopft wird, auch von großen Namen.
Wer wählt die Werke aus? Wie kommen Sie auf Jules Verne, Oscar Wilde & Co.? Legen Sie das fest? Oder sind das die Künstlerwünsche? Oder eine Mischung aus beidem?
Wir machen uns lange im Voraus Gedanken und wählen selbst aus, welche literarischen Themen wir mit wem anpacken und „inszenieren“ wollen, denn das werden ja dann „Unikate“, die man so vielleicht nur ein einziges Mal sehen und erleben kann – und dann auch nur in Bad Homburg. Aber wenn wir ein interessantes, schon vorhandenes, also eigenes, Lesungsmodell einer bekannten Schauspielerin oder eines bekannten Schauspielers bemerken oder als Angebot erhalten, dann nehmen wir das gerne mit ins Programm auf. Das ist aber eher die Ausnahme.
Mit Blick auf die Vorjahre – was blieb gleich, was hat sich verändert?
Lesen ist die Bildung des Herzens, sagte Literaturkritikerin Iris Raddasch in der „Zeit“, dafür gibt es keinen Ersatz! Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wir wollen den Zugang zu „Weltliteratur“ aber mit mutigen neuen Bad Homburger Inszenierungen schaffen. Ich freue mich jedes Mal, wenn nach einer Festivalveranstaltung große Trauben von Besucherinnen und Besuchern am Stand unserer Bad Homburger Buchhandlung „Supp‘s“ stehen und – bei allem gebotenem Respekt vor Social Media und der digitalen Welt – das haptische Erlebnis vorziehen und zum gedruckten Buch greifen.
Der Tod in Venedig
Die Novelle von Thomas Mann ist (nicht zuletzt dank der Verfilmung durch Regisseur Luchino Visconti) weltberühmt. Vom „Einbruch der Leidenschaft“ beim Protagonisten, dem Schriftsteller Gustav Aschenbach und seiner verbotenen Liebe zu dem schönen Jungen Tadzio wird erzählt, dies alles vor der stimmungsvoll-morbiden Kulisse Venedigs um das Jahr 1900 herum. Autor und Schauspieler Sabin Tambrea, Theater-Mime und Kafka-Darsteller (in „Die Herrlichkeit des Lebens“), ist der perfekte Leser für diesen Kultroman. Musikalisch wird die Lesung mit einem Ensemble bestehend aus Musikern des hr-Sinfonieorchesters untermalt. Die offizielle Festivaleröffnung findet am Freitag, 29. Mai, ab 20 Uhr im Kurtheater statt.
Die Kameliendame
Am Samstag, 30. Mai, geht es um 20 Uhr im Kurtheater nahtlos weiter, beziehungsweise in die Oper! Zwar ohne die Marx Brothers, dafür mit Bettina Zimmermann („Zwei Frauen für alle Felle“) und Pasquale Aleardi („Kommissar Dupin“). Die junge Kurtisane Marguerite Gautier verliebt sich im Paris des 19. Jahrhunderts in den noblen Bourgeois Armand Duval, für den sie ihr freizügiges Leben aufgibt – und doch am Ende alles verliert. Ein bewegender Liebesroman, der seit seiner Veröffentlichung 1848 zum absoluten Bestseller avancierte und von Guiseppe Verdi mit seiner ebenso erfolgreichen Oper „La Traviata“ regelrecht unsterblich gemacht wurde. Zimmermann schlüpft in die Rolle der schönen Gautier, ihr Schweizer Schauspieler-Kollege Aleardi in die Rolle des Erzählers. Bildzuspielungen im Hintergrund und die berühmtesten Arien aus „La Traviata“, live auf der Bühne gegeben von zwei ganz außergewöhnlichen jungen Stars der Opernszene (Nika Goric / Sopran und Matteo Roma / Tenor), runden das Erlebnis ab.
Die Insel des Dr. Moreau
Auf einer seltsamen Insel im Pazifik begegnet ein Schiffbrüchiger bizarren Mischwesen aus Mensch und Tier: Was treibt Dr. Moreau, der Herrscher über dieses abgelegene Reich, hinter den Mauern seines Labors? Die Wahrheit rüttelt an den Grundfesten unserer Zivilisation. H. G. Wells, Großmeister der Science Fiction-Literatur, war seiner Zeit weit voraus, als er diesen visionären Roman über künstlich geschaffenes Leben schrieb. Schauspiel-Schwergewicht Matthias Matschke (der in Homburg bereits Frankenstein und Edgar Allan Poe las), verkörpert mit Verve und gebotener Authentizität die Figur des Schiffbrüchigen in diesem Abenteuer, das viele Fragen unserer Zeit aufwirft.
Reise nach Laredo
Mit diesem fiktionalen Roman über den spanisch-deutschen Habsburger-Kaiser Karl V., in dessen Reich die Sonne nicht unterging, gelang dem österreichischen Schriftsteller Arno Geiger 2024 wieder ein ganz großer Wurf. Wie der alte und erkrankte Herrscher aus seinem selbst gewählten Rückzugs-Domizil mit dem elfjährigen Jungen Geronimo spontan ausbricht und auf seiner Reise nach Laredo das pralle, ebenso überraschende wie ihn befreiende Leben im Spanien um 1550 erlebt, ist mitreißend und unnachahmlich plastisch erzählt.
Ulrich Noethen, vielfach preisgekrönter deutscher Schauspielstar („Comedian Harmonists“) sowie Hörspiel- und Hörbuchsprecher, gibt mit großer Sprachkunst die Rolle des alten Kaisers; der junge Frauenchor LaCappella untermalt die Lesung in der historischen Schlosskirche im Bad Homburger Schloss am Samstag, 6. Juni, mit populären „spanischen“ Klängen von der Renaissance-Zeit bis heute. Offizieller Beginn ist um 19.30 Uhr – und der Autor wird ebenfalls anwesend sein!
Geh, wohin Dein Herz Dich trägt
Der weltweite Bestseller der italienischen Schriftstellerin lag in den 90er Jahren auf Millionen Nachttischen: Drei Generationen von Frauen des 20. Jahrhunderts ziehen vor unseren Augen vorüber, eine Art Brief-Tagebuch, das ein „unsentimentales Plädoyer für die Rehabilitation der Gefühle, für die Wiederentdeckung des Herzens“ ist, so die Frankfurter Rundschau. Jeanette Hain, inzwischen auch international geschätzte Schauspielerin, führt mit Empathie durch dieses schöne und doch auch mit schmerzlichen Einsichten einhergehende Lehrbuch der Emotionen und kleinen Weisheiten. Ja, Blumen und Bücher sind die großen Seelentröster. Ein besonderes Literaturerlebnis, das am Sonntag, 7. Juni, ab 16 Uhr im Festsaal des Hotels Steigenberger mit gewohnter Gastlichkeit und speziellen Catering- Angeboten garniert wird.
20.000 Meilen unter dem Meer
Der ZDF-„Bergdoktor“ Hans Sigl kehrt am Freitag, 12. Juni, um 20 Uhr zurück nach Bad Homburg, genauer gesagt: ins Kurtheater. Für 2026 hat er sich Buch vorgenommen, das ihn seit Jugendzeiten begleitet: Der Roman über den geheimnisvollen Kapitän Nemo gehört zu den bekanntesten Werken Jules Vernes, wurde unter anderem 1954 mit Kirk Douglas verfilmt; und (ent)führt alle Gäste in spektakuläre Unterwasserwelten.
Claire Huangci, junger US-Piano-Star und Neu-Bad Homburgerin, begleitet auf dem großen Konzertflügel unter anderem mit Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere: Aquarium“ und weiteren impressionistischen Werken von Ravel, Debussy oder Satie. Der Zuschauerraum des Kurtheaters wird mit Licht- und Surroundsoundinstallationen geflutet, so dass die Zuschauer mitten im Geschehen stecken – ein definitives Festival-Highlight!
Das Gespenst von Canterville
Mit Christoph Maria Herbst gibt einer der zurzeit erfolgreichsten Schauspieler des Landes sein Debüt in Bad Homburg!
Als Büro-Rowdy „Stromberg“, in „Ladykracher“ mit Anke Engelke oder aktuell als „Der Buchspazierer“ – immer lässt uns der deutsche Star die Welt auf neue Weise sehen.
In Oscar Wildes gesellschaftssatirischer Novelle geht es „wild“ zu: Der amerikanische Botschafter Hiram B. Otis zieht im viktorianischen England mit Familie und Kindern auf den alten Landsitz Canterville. Dort geistert allerdings das Gespenst des früheren Hausbesitzers, der keine Ruhe finden kann. Wie amerikanischer Pragmatismus und britisch-romantischer Glaube an das Überirdische kollidieren, wird am Sonntag, 14. Juni, ab 12 Uhr im großen Speisesaal der Francois-Blanc-Spielbank beim Publikum sicher für jede Menge Vergnügen sorgen.
Northern Lights
Die weihnachtliche Sonderveranstaltung darf beim Poesiefestival natürlich nicht fehlen. Auch dieses Jahr wird in der Erlöserkirche der Blick auf internationale Gepflogenheiten der herrlich-weißen Winter- und Vorweihnachtszeit geworfen, dieses Mal auf Skandinavien. Prosatexte und Märchen von Andersen, Lindgren und Lagerlöf treffen auf folkloristische nordische Melodien wie „Jul, jul, stralande jul“ oder chorale Meisterwerke von Arvo Pärt.
Axel Milberg liest am Samstag, 5. Dezember, ab 17 Uhr unter dem Motto „Northern Lights: Die schönsten Weihnachtsgeschichten und festlichen Chormusiken aus Skandinavien“.Wie gewohnt wird der Kammerchor der Erlöserkirche unter der Leitung von Kantorin Susanne Rohn die Anwesenden in Weihnachtsstimmung versetzen, Lichtinstallationen im Kirchenraum sorgen mit Nordlicht- Atmosphäre für die optische Untermalung.
Karten zu gewinnen
Im Rahmen des Poesie- und Literaturfestivals haben Leserinnen und Leser der Bad Homburger Woche die Chance auf ein besonderes Erlebnis: Für die Veranstaltungen „Tod in Venedig“, „Die Kameliendame“, „Die Insel des Dr. Moreau“ und die „Northern Lights“ verlost die Bad Homburger Woche jeweils drei Eintrittskarten.
Zur Verfügung gestellt wurden die Tickets in Zusammenarbeit mit Agent Bernd Hoffmann von der workforce.music+media consulting. Wer sich Karten für eine der genannten Veranstaltungen sichern möchte, kann an der Verlosung teilnehmen: Einfach bis spätestens Sonntag, 12. April, eine E-Mail mit dem Betreff „Poesie- und Literaturfestival“ an redaktion-hw[at]hochtaunus[dot]de schicken. Wichtig: Den vollständigen Namen und die vollständige Anschrift nicht vergessen, da die Gewinnerinnen und Gewinner schriftlich benachrichtigt werden. Die Gewinner werden unter allen Einsendungen ermittelt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.






