Bad Homburg (hw). „Ich kann nur gut malen, wenn ich gut drauf bin!“ Das sollte ein Leichtes sein, Marie-Luise Rieger ist wohl das, was man im Volksmund als rheinische Frohnatur bezeichnet. „Meine Bilder entstehen durch eine Vision und den Mut, mich von der Intuition leiten zu lassen“, beschreibt die Künstlerin ihren kreativen Prozess. Unter dem Titel „arte ventura – modern art projects“ gab die Vernissage im Finanz-Center der Naspa Bad Homburg den zahlreichen Besuchern Gelegenheit, die Grenzen zwischen alltäglicher Realität und emotionaler Abstraktion neu zu entdecken.
Riegers Bildsprache ist unverkennbar, sie zeigt die Welt nicht als Ganzes, sondern als sorgsam gewählten Ausschnitt einer weitaus umfassenderen Wirklichkeit. Dabei verzichtet sie bewusst auf erzählerische Details. Diese bewusste Leerstelle schafft Raum für den Betrachter, der eingeladen ist, die Werke mit eigenen Erfahrungen, Erlebnissen und Eindrücken zu füllen. Besonders deutlich wird dieser Ansatz in der zentralen Serie der Ausstellung: PERSONEN. Die Werke zeigen Gruppen schemenhafter Figuren. Diese Gestalten – lang gezogen, ohne individuelle Gesichter und auf ihre Silhouetten reduziert – wirken in einer geheimnisvollen, fast feierlichen Atmosphäre miteinander verbunden.
Die Kompositionen folgen einer klaren Dramaturgie des Lichts. Im Zentrum der Bilder scheinen Nuancen von Grau, Braun und Weiß nach oben zu fließen, als würde eine unsichtbare Quelle die Szene von innen heraus erleuchten. Ein besonderer Blickfang sind die Akzente aus Blattgold und Silber, die einzelne Figuren tragen. In der ansonsten eher gedämpften, erdigen Farbwelt strahlen diese Edelmetalle eine besondere Kraft aus. Sie verleihen den anonymen Gestalten eine sakrale, fast rituell anmutende Würde.
Dass Rieger ein besonderes Gespür für Proportionen und Raumwirkungen hat, kommt nicht von ungefähr: Die Künstlerin lebt und arbeitet zwar in Karben, kommt aber ursprünglich aus Leverkusen. Von da aus ging es an die Leinwand – und quer durch Europa. „Ich habe schon immer gerne gemalt, wollte dann eigentlich nach Düsseldorf, landete dann aber bei der RWTH Aachen. Da habe ich erst einmal Architektur und Kunstgeschichte studiert.“ Ein Studium, das sie als Diplom-Ingenieurin abschloss, diese akademische Prägung bildet auch bis heute das Gerüst ihrer Kunst. Das architektonische Verständnis für Struktur verbindet sich in ihren Arbeiten mit einer freien, intuitiven Emotionalität.
Die Serie „modern art projects“ ist damit mehr als eine reine Werkschau; sie ist ein Dialog zwischen präziser Komposition und dem Mut zum Unbekannten.


