Bad Homburg (hw) – Seit Jahrhunderten steht das Alte Rathaus im Herzen Ober-Eschbachs. Es hat den Wandel des Stadtteils miterlebt, diente als Kirche und Rathaus und gehört heute zu den bedeutendsten historischen Gebäuden Bad Homburgs. Doch seit Jahren wartet das denkmalgeschützte Bauwerk auf eine neue Aufgabe. Nun gibt es konkrete Hoffnung, dass sich seine Türen wieder öffnen und das Alte Rathaus zu einem lebendigen Ort für Geschichte, Kultur und Begegnung werden könnte. Auf Einladung des Ober-Eschbacher Ortsvorstehers Stephan Zalud kamen rund 40 Bürgerinnen und Bürger in der „Gut Stubb“ zusammen, um mit Oberbürgermeister Alexander Hetjes und Enzo Spadano, dem Leiter des städtischen Gebäudemanagements, über die Zukunft des historischen Gebäudes zu diskutieren.
„Das Alte Rathaus in Ober-Eschbach hat eine herausragende Bedeutung für die Stadt und auch für mich persönlich“, erklärte Hetjes. Nach Jahrzehnten immer neuer Überlegungen stellte der Oberbürgermeister nun erstmals konkrete finanzielle Perspektiven für eine Sanierung in Aussicht: Bei der Aufstellung des Investitionshaushalts 2027/2028 sollen nach seinen Angaben rund 150.000 Euro für die Planung vorgesehen werden. In die mittelfristige Finanzplanung sollen darüber hinaus fünf Millionen Euro für die spätere Umsetzung aufgenommen werden.
Damit wäre ein wichtiger erster Schritt getan. Die Aufnahme der Mittel in die Haushaltsplanung steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der weiteren Beratungen und politischen Beschlüsse.
Haus mit Geschichte braucht Zukunft
In der Vergangenheit habe es wiederholt Überlegungen gegeben, das historische Gebäude zu sanieren, berichtete Hetjes. Gescheitert seien diese jedoch stets an einem tragfähigen Nutzungskonzept. Genau an diesem Punkt wollen engagierte Ober-Eschbacher nun ansetzen.
Während des Bürgerdialogs wurden zahlreiche Ideen zusammengetragen. So könnte das Alte Rathaus künftig ein Heimatmuseum beherbergen und zugleich Raum für Kulturveranstaltungen, Konzerte und Ausstellungen bieten. Auch standesamtliche Trauungen, Treffen von Vereinen, soziale Angebote, ein Mehrgenerationentreff oder ein Stadtteilcafé sind im Gespräch. Ziel ist es, das Gebäude nicht nur baulich zu erhalten, sondern es dauerhaft mit Leben zu füllen. Mitten im historischen Ortskern könnte auf diese Weise ein offener Treffpunkt entstehen, der die Geschichte Ober-Eschbachs bewahrt und zugleich Platz für neue Begegnungen schafft.
Wie wichtig neben einem Gebäude auch die Menschen sind, die dessen Nutzung dauerhaft tragen, machte Gregor Maier deutlich. Der Leiter des Fachbereichs Kultur und des Kreisarchivs des Hochtaunuskreises ist zugleich Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Landeskunde Bad Homburg.
„Ein Heimatmuseum ist kein Schaufenster, in das man einmal Dinge reinstellt und dann war es das“, betonte er. Die Erfolgsgeschichte bestehe vielmehr darin, dass ein Heimat- und Geschichtsverein für Leben und Veranstaltungen sorge.
Maier würde es daher begrüßen, wenn aus dem derzeitigen bürgerschaftlichen Engagement ein Geschichts- oder Trägerverein für das Alte Rathaus hervorginge. Ein solcher Verein könnte später Verantwortung übernehmen, Veranstaltungen organisieren und dafür sorgen, dass das Haus dauerhaft ein lebendiger Bestandteil des Stadtteils bleibt.
Arbeitskreis soll Konzept erarbeiten
Nach den Sommerferien soll die Arbeit konkret werden. Geplant ist ein Arbeitskreis, in dem Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Mitgliedern des Ortsbeirates ein tragfähiges Nutzungskonzept entwickeln. Auch eine Beteiligung über die digitale Bürgerplattform der Stadt Bad Homburg wird erwogen. Aufseiten der Verwaltung soll Enzo Spadano das Vorhaben begleiten. Als Leiter des Gebäudemanagements hat er sich bereits in den vergangenen Jahren wiederholt mit dem Zustand und den Entwicklungsmöglichkeiten des Hauses beschäftigt.
Unterstützung erhält die Initiative auch von Stadtverordnetenvorsteher Dr. Alfred Etzrodt. Nach zahlreichen erfolglosen Anläufen in den vergangenen Jahrzehnten sieht er nun eine gute Chance, das Projekt voranzubringen. „Das Gebäude ist ein Schmuckstück. Diesmal könnte es wirklich gelingen“, sagte Etzrodt. Entscheidend sei, zügig ein Konzept zu erstellen und die Zusammenarbeit zwischen dem Arbeitskreis und der Stadtverwaltung eng abzustimmen.
Ortsvorsteher Stephan Zalud kündigte an, dass die nächsten Schritte unmittelbar nach den Sommerferien beginnen sollen. Der Zeitplan ist ehrgeizig: Bis zum Jahresende soll das Nutzungskonzept vorliegen. Auf dieser Grundlage könnte 2027 die konkrete Planungsphase für die Sanierung starten.
Zeugnis der Ortsgeschichte
Das Alte Rathaus gilt als ältestes erhaltenes Bauwerk im heutigen Bad Homburger Stadtgebiet und als eines der ältesten Gebäude Hessens. Teile der historischen Bausubstanz sollen bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen. Noch weiter zurück reicht die Geschichte des kirchlichen Ortes: Eine Petruskirche in Ober-Eschbach wurde bereits im Jahr 774 erstmals erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude mehrfach verändert und diente unter anderem als Rathaus der damals noch selbstständigen Gemeinde Ober-Eschbach. Wegen seiner besonderen architektonischen und ortsgeschichtlichen Bedeutung steht es als Kulturdenkmal unter Schutz.
Ob Heimatmuseum, Kulturstätte, Trauzimmer oder Treffpunkt für die Menschen im Stadtteil: Welche Nutzungen letztlich unter dem historischen Dach zusammenfinden, soll nun gemeinsam erarbeitet werden.
Sicher ist schon jetzt, dass viele Ober-Eschbacher ihr Altes Rathaus nicht länger im Dornröschenschlaf sehen möchten. Wenn Bürgerschaft, Politik und Verwaltung weiterhin an einem Strang ziehen, könnte aus dem lange leer stehenden Schmuckstück wieder ein Haus mitten im Leben des Stadtteils werden.

