Freude und Stolz über die 1. Bad Sodener Opernspiele

Die Künstlerinnen und Künstler wurden mit großem Applaus für ihren Mut zu Neuem vom begeisterten Publikum belohnt.Fotos: Schaller

Neuenhain (es) – Man sollte nicht über die Ankündigung zur 1. Bad Sodener Opernaufführung lächeln! Vielversprechend für zukünftige Aufführungen präsentierte der Dirigent und künstlerische Leiter der GDM, Alexander Ebert, Henry Purcells „Dido und Aeneas“ im Vortragssaal des Augustinums. Was mit Unterstützung der Gesellschaft der Musikfreunde Bad Soden dargeboten wurde, verdient höchsten Respekt und Anerkennung. Alexander Ebert hatte ein musikalisches Ensemble von Sängerinnen und Sängern zusammengestellt, dazu ein kleines Barockorchester, um die tragische Oper „Dido und Aeneas“ in szenischer Darstellung aufzuführen.

Gastfamilien aus Neuenhain und Bad Soden hatten sich gefunden, um die Musiker zu beherbergen. So befanden sich eine Woche lang die Solisten und Solistinnen sowie das Barockorchester zum gemeinsamen Einstudieren vor Ort. Sie alle sind Studienkollegen oder Freunde Alexander Eberts und wurden an der Hochschule in Dresden und Nürnberg auf dieses Projekt aufmerksam. Seine Ausschreibung lautete: Wer hat experimentelle Freude an einer musikalischen Reise?

Die Spielfreude und Begeisterungsfähigkeit ist Alexander Eberts Pfund, mit dem ihn viele Konzertbesucher in und um Bad Soden bereits erleben konnten. Er ist als musikalischer Leiter der Gesellschaft der Musikfreunde für Bad Soden ein Gewinn! So konnte man auch den Stiftungsgründer Dr. Jürgen Frei an diesem Abend wieder glücklich strahlend erleben.

Die dramatische, einstündige Oper in drei Akten wurde von dem englischen Komponisten Henry Purcell (1659 -1695) nach dem Epos Aeneas von Vergil komponiert. Der Ort der Handlung ist Karthago nach dem trojanischen Krieg. Aeneas ist nach dem zerstörten Troja Didos Gast und sie verliebt sich in ihn. Ihr Gefolge ermuntert sie, sich Aeneas Werben hinzugeben. Eine verfeindete Zauberin und ihre Hexen jedoch wollen Dido ins Unglück stürzen und Karthago vernichten. Sie erinnern Aeneas an seine Pflicht, weiterzusegeln und stören das Liebesglück der beiden mit einer vergnüglichen Jagd. Mit einem Tanz versuchen Didos Frauen, Aeneas zu unterhalten. Es zieht jedoch ein Gewitter auf, Aeneas erinnert sich wieder an seine Pflicht, findet aber keine Worte, um dies Dido zu erklären. Die Schiffe werden flottgemacht, die Verschwörung der Zauberin wirkt. Aeneas will von Dido Abschied nehmen, jedoch schickt Dido ihn enttäuscht weg und nimmt seine Reue nicht an. Als er weg ist, spürt sie keinen Lebensmut mehr und begeht Selbstmord. Ihr Leib wird von Liebesgöttern mit Rosen bedeckt.

Im Dunkel des Veranstaltungsraumes, noch hinter dem Vorhang, begann das Barockensemble seine musikalische Einstimmung zum 1. Akt. Alexander Ebert am Cembalo wurde begleitet von drei Violinen, einer Bratsche, einer Flöte, einem Fagott sowie einem Tambourin-Spieler, der die tänzerischen Szenen untermalt.

Als der Vorhang sich hob, zeigten sich sechs Sängerinnen und Sänger, die stimmlich und szenisch die Oper darstellten. Dies taten sie nicht in barock anmutender Kleidung, sondern in der modernen Regieanweisung ganz alltagstauglich aus heutiger Zeit. Bereits zu Purcells Zeiten war es üblich, dass Mitglieder des Chores – in dieser Oper hat der Chor eine tragende Rolle im Geschehen – die Solopartien übernahmen. Durch die großartige Choreografie des Tenors kam es zu keinerlei „Auftritt“, sondern das Geschehen auf der Bühne wirkte wie aus einem Guss. Die Solisten gestalteten ihre Aufgabe und traten wie selbstverständlich wieder in den Chor zurück. Trotzdem gab es später besonders großen Applaus für die gesangliche Leistung Einzelner.

Was nun in der Folge zu hören und zu sehen war, verzauberte und berührte gleichermaßen das lauschende Publikum. Jede Stimme hatte ihr besonderes Timbre und gab der jeweiligen Rolle genau die richtige Färbung. Ob in Liebessehnsucht, Enttäuschung, Schmerz – „Dido“ (Anna Eisenmann, Sopran) sang ihre tragische Rolle mit zarter, glockenheller Stimme und meisterte mühelos jegliche Koloratur, brachte aber auch mit enormem Klangkörper ihren Schmerz zum Ausdruck. „Belinda“ (Ineke Albus, Sopran) begleitete als Hofdame Dido mit einfühlsamem Ton in allen Gefühlslagen. „Aeneas“ (Danylo Shnitsar, Tenor) brachte die Unsicherheit des Protagonisten zum Erleben. Der Auftritt der Zauberin und später als Geist, Daniil Blanair (Countertenor), wurde mit Gestik und Stimme fulminant in Szene gesetzt. Wie erwähnt, traten alle Darsteller und Darstellerinnen zurück in den Chor, besetzt noch mit jeweils einer Alt-, Sopran- und Tenorstimme, und fügten sich in den Gesamtklang ein. Alle Sänger und Sängerinnen zeigten schauspielerisches Talent – ob als Wegbegleiter, Geister oder sogar als ermunternde Stepptänzer bis dahin, als Trauernde Didos Tod mit Rosen zu bedecken.

Aus dem Orchester heraus wurden die einzelnen Solopartien mit Flöte oder Violine begleitet. Besonders erwähnenswert die Leistung des Fagottisten, der die durchgängige Partitur des Cellos in Purcells Komposition virtuos meisterte.

Das Wechselspiel von Licht und Schatten auf der Bühne unterstrich diese Aufführung und bot den Zuschauern eine wechselvolle Szenerie. Langjähriger Studienkollege Alexander Eberts ist der Bad Sodener Künstler Constantin von Knebel, der für die Beleuchtung verantwortlich zeichnete sowie die Textübersetzung vom Englischen ins Deutsche über der Bühne erscheinen ließ. Er sorgte im Gesamtkonzept gleichsam für romantische Momente oder mit Effekten für Blitz und Donner.

Eine Aufführung, die das Publikum im gut besetzten Saal des Augustinums mit anhaltendem Applaus und mehreren Vorhängen belohnte.

Die Zusammenkunft bei Sekt und Brezeln im Anschluss zeugte nochmals von der Begeisterung. Glückliche Gesichter allerseits, stolze Freude bei dem Projektensemble. Man kann sagen, dass einstimmig der Wunsch zum Ausdruck kam, der ersten Bad Sodener Oper eine zweite folgen zu lassen. An der Spielfreude und Energie Alexander Eberts und seinen Mitstreitern wird es nicht scheitern.

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