Eschborn (MS/us). Zu den Top-Themen im Wahlkampf zählte die Stadtpolizei, insbesondere die Ausrüstung der Ordnungsamtsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter mit so genannten Pfefferpistolen. Doch anders als zum Beispiel in Hattersheim werden die Eschborner Ordnungshüter in absehbarer Zeit nicht mit den Geräten ausgestattet.
Vor allem Bürgermeister-Kandidat Thomas Spriegel hatte sich im Wahlkampf vehement dafür ausgesprochen, die Stadtpolizisten „aufzurüsten“. Immer häufiger gerieten sie in Situationen, in denen der Griff zur Pfefferpistole nötig sein könnte. „Nur eine Stadtpolizei, die sich selbst schützen kann, kann auch die Bürger schützen“, erklärte Thomas Spriegel zum Beispiel bei der Podiumsdiskussion der „Eschborner Woche“.
Während Pfefferpistolen für Privatleute in Deutschland nach wie vor verboten sind, dürfen Polizei und Ordnungsbehörden die professionellen Varianten mittlerweile einsetzen. Im Main-Taunus-Kreis gilt die Stadt Hattersheim als Vorreiter. Der dortige Magistrat hat beschlossen, Geräte des Typs „JPX 4 Jet Protector“ zu beschaffen – Stückpreis rund 600 Euro. Seit Anfang des Jahres sind die Stadtpolizisten mit den knallorangen „Pistolen“ ausgestattet. Man wolle „vor der Lage“ sein, erklärte Hattersheims Bürgermeister Klaus Schindling seinerzeit medienwirksam.
Es geht vor allem um die Eigensicherung: Einfaches Pfefferspray oder ein Schlagstock reichen nicht aus, wenn ein Angreifer mit einem Messer auf einen Stadtpolizisten zuläuft. Denn die Sprühdosen können ihr Chillipulver nur ein bis zwei Meter weit versprühen. Der Schlagstock hat eine noch geringere Reichweite. Eine Pfefferpistole dagegen setzt einen Gegner auf fünf bis sieben Meter Entfernung außer Gefecht.
Der Einschätzung aus Hattersheim folgen auch die Eschborner Stadtpolizisten. Mehrfach haben sie nach Informationen der „Eschborner Woche“ bei Bürgermeister Adnan Shaikh (CDU) Eingaben gemacht, dass sie ebenfalls mit Pfefferpistolen ausgestattet werden möchten. Der ist allerdings gegen die Aufrüstung der Stadtpolizei: „JPX werden im Ost-Kreis des MTK nicht als sinnvoll erachtet“, erklärt er und verweist auf entsprechende Gespräche mit seinen Kollegen aus Schwalbach, Bad Soden und Sulzbach. Der wichtigste Grund: Die Pfefferpistolen sehen auch im orangen Design echten Schusswaffen ähnlich und könnten daher im Einsatzfall alles andere als deeskalierend wirken. Nach Angaben von Adnan Shaikh teilt auch die Landespolizei diese Einschätzung und rät von der Einführung der Pfefferpistolen ab.
Ein weiterer Grund für die Ablehnung ist die Frage, ob es überhaupt ein realistisches Szenario ist, dass Stadtpolizisten bei ihrer Tätigkeit mit Messern angegriffen werden. Aus Hattersheim ist nach mehr als einem halben Jahr jedenfalls nicht bekannt, dass die dortigen Stadtpolizisten schon einmal zu ihren neuen Waffen gegriffen haben.
Wenn es schon keine Pfefferpistolen gibt, so können die Eschborner Stadtpolizisten zumindest damit rechnen, bald mit so genannten „Body Cams“ – also Körperkameras – ausgestattet zu werden. Adnan Shaikh: „Hinsichtlich Bodycams habe ich eine sehr große Offenheit und würde sie auch zeitnah im Rahmen einer Testphase einführen wollen“
Pfefferpistolen haben zwar häufig ein auffällig-oranges Design, können aber gerade im Dunkeln doch mit echten Schusswaffen verwechselt werden.Foto: JPX
