Eschborn/Schwalbach (MS). Die vier evangelischen Kirchengemeinden in Schwalbach, Eschborn und Niederhöchstadt werden ab 1. Januar 2027 faktisch zusammengelegt. Damit geht die evangelische Kirche einen ähnlichen Weg wie den, den die katholische Kirche bereits gegangen ist.
Auf dem Papier bleiben die Limesgemeinde und die Friedenskirchengemeinde aus Schwalbach, die Andreasgemeinde aus Niederhöchstadt und die evangelische Gemeinde Eschborn zwar vorerst selbstständig, alle wichtigen Entscheidungen werden aber künftig in der neuen Arbeitsgemeinschaft der vier Gemeinden entschieden. Nach dem Konzept „ekhn2030“ der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau werden die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie Pfarrer, Gemeindepädagogen oder Sekretariatsmitarbeiter ab 2027 gemeinde-übergreifend in Teams arbeiten. Die Gebäude werden gemeinsam genutzt und die Verwaltungsarbeit soll neu organisiert werden. Dazu hat eine Steuerungsgruppe mit Vertretern aus allen vier Gemeinden in den vergangenen Monaten eine Satzung erarbeitet, die die Zusammenarbeit regelt.
Gemeindebüros schließen
Zu den gemeinsamen Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft gehören die Besetzung von Pfarrerstellen ebenso wie der Einsatz der gemeindepädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Die Kirchenvorstände sind vor der Wahl anzuhören“, heißt es in der Satzung. Die bisher vier Gemeindebüros werden zusammengezogen und künftig im neuen Gebäude der Andreasgemeinde in Niederhöchstadt untergebracht, dessen Baubeginn für Herbst 2027 vorgesehen ist. Die gemeinsamen Aufgaben werden dem Geschäftsführenden Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft im Nachbarschaftsraums übertragen. In diesen wählt jeder Kirchenvorstand ein bis drei Mitglieder – je nach Größe der Gemeinde.
Kai Scheunemann, der pastorale Leiter der Andreasgemeinde, betont in einer Stellungnahme dennoch die Eigenständigkeit der vier Gemeinden: „Mit der Arbeitsgemeinschaft wurde die lockerste von drei möglichen Formen der Zusammenarbeit gewählt, die den Gemeinden die größte Selbständigkeit belässt“, sagt er. „Die Buntheit ist gewollt, die Gemeinden sollen ihr eigenes Profil behalten.“ Doch künftig sei mehr Austausch unter den vier Kirchengemeinden vorgesehen, Synergien sollen genutzt und „Win-win-win-Kooperationen“ geschaffen werden.
Sein Eschborner Kollege Johannes Kalchreuter sieht am Ende des Prozesses die Fusion der Gemeinden: „Wir verstehen uns und sind auf einem guten Weg. Doch es braucht Zeit, sich kennenzulernen und auch, um zu erkennen, was andere Gemeinden echt gut machen.“ Ziel sei, in einem letzten Schritt die formale Vereinigung der vier Kirchengemeinden. Doch da sei kein Termin gesetzt. Das passiere dann, wenn alle vier sagen, dass sie so weit sind.
Wer um den Bestand seiner Gemeinde fürchtete, kann nach Ansicht der beiden Pfarrer „zunächst aufatmen“: Die Kirchenvorstände blieben bis auf Weiteres bestehen. Auch bleibe den Gemeinden ihr Eigentum an Gebäuden erhalten. In der Einleitung der Satzung beteuern die vier Kirchengemeinden, dass man „kooperativ, offen und konstruktiv immer die Interessen der anderen mitdenken“ und sich dafür stark machen wolle.
Bei den Gebäuden sollen gleichwohl einige der Kirchen, Gemeindezentren, Kitas und weitere Häuser zur Disposition stehen. Von welchen Gebäuden sich die evangelische Kirche in Schwalbach, Eschborn und Niederhöchstadt trennen wird, ist allerdings noch nicht bekannt. Der so genannte Gebäudebedarfs- und Entwicklungsplan soll auf der Synode des Dekanats Kronberg beraten und beschlossen werden, die an diesem Freitag in Eschborn stattfindet. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr im Mehrgenerationenhaus in der Hauptstraße 18-20.
Die Bildung von Nachbarschaftsräumen ist die Folge gesellschaftlicher Veränderungen und der stark rückläufigen Zahl an Gläubigen. Um Ressourcen zu sparen hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau das Konzept „ekhn2030“ bereits 2019 beschlossen. Im Oktober 2023 hat die Synode des Dekanats Kronberg der Bildung eines Nachbarschaftsraum durch die vier Gemeinden in Eschborn, Schwalbach und Niederhöchstadt zugestimmt.