Friedrichsdorf (eh). „Muss sich ein Uhu im Auto eigentlich anschnallen? Und braucht die kleine Eule einen Kindersitz?“ Es sind Fragen wie diese, die den Kindern des Friedrichsdorfer Waldkindergartens auf dem Weg zu einem ganz besonderen Termin durch den Kopf gingen. Ihr Ziel war das AWO-Sozialzentrum „Haus Dammwald“ – ein Ort, den die Kleinen seit zwei Jahren regelmäßig besuchen, um mit den Senioren zu spielen, zu basteln und zu singen. Doch am vergangenen Freitag, den 24. April, wartete ein Erlebnis der außergewöhnlichen Art auf Jung und Alt: Der Falkner Chris Häfner, war mit seinen Therapie-Eulen und Greifvögeln zu Gast.
Schon beim Betreten des Pavillons war die besondere Atmosphäre spürbar. Eine fast meditative, unaufgeregte Ruhe herrschte im Raum, in dem neben den Bewohnern des Hauses auch Familien des Ambulanten Kinderhospizdienstes AKHD Taunus und eben jene neugierigen Waldkindergarten-Kinder Platz genommen hatten. Mittendrin: Chris Häfner und seine beeindruckenden Begleiter.
Maja und die Magie des Augenblicks
Besonders Uhu-Dame „Maja“ zog alle Blicke auf sich. Mit ihren 13 Jahren (Uhus können bis zu 35 Jahre alt werden) blickte sie weise in die Runde. „Eulen und Uhus können spüren, ob es einem Menschen gut geht oder nicht“, erklärte Falkner Häfner, während er das drei Kilo schwere Tier hielt. Die Kinder erfuhren staunend, dass Eulen ihren Kopf um 270 Grad drehen können – dank sieben zusätzlicher Halswirbel – und eine Maus noch aus 600 Meter Entfernung erkennen.
Doch es ging nicht nur um Wissen, sondern vor allem um Gefühl. Anders als bei klassischen Flugschauen sind Häfners Tiere reine Therapievögel. Sie wurden von Hand aufgezogen und sind darauf spezialisiert, Menschen zu berühren – im wahrsten Sinne des Wortes. „Es fühlt sich ein bisschen schwer an, aber ganz toll“, flüsterten die Kinder, als sie vorsichtig das Gefieder von Schleiereule „Emma“ streicheln durften. Emma, die ihren Namen übrigens von einem Kind aus dem Hospizdienst erhielt, blieb dabei völlig gelassen. Die Tiere strahlten eine Gelassenheit aus, die sich unmittelbar auf die Menschen übertrug. „Unglaublich, wie ruhig die Vögel sind“, staunte Sabine Gatz vom Sozialdienst. Die Bewohnerinnen und Bewohner konnten die Tiere nicht nur aus nächster Nähe betrachten, sondern auch streicheln und sogar selbst halten.
Ein Lächeln, das bleibt
Auch die Senioren genossen den Kontakt sichtlich. „Brillenkauz Willi hat durchdringende Augen wie ein Philosoph“, bemerkte eine Bewohnerin lächelnd. Selbst Einrichtungsleiter Christian Knirr ließ es sich nicht nehmen, einen der stolzen Vögel auf den Arm zu nehmen. Für Menschen mit Demenz oder körperlichen Einschränkungen sind solche Besuche oft kleine Wunder: Spastiken lockern sich, Erinnerungen werden wach, und für einen Moment tritt der Alltag in den Hintergrund.
Damit auch jene Bewohner teilhaben konnten, die ihr Zimmer nicht verlassen können, bewiesen die Vögel ihre volle Alltagstauglichkeit: Ganz entspannt fuhren sie im Fahrstuhl zu den Senioren, die ihr Zimmer nicht verlassen können, um auch dort für Freude und Abwechslung zu sorgen.
Dass dieses Ereignis stattfinden konnte, ist dem Engagement von Karin Dinter zu verdanken. Die quirlige Netzwerkerin hatte von dem Projekt gelesen und keine Mühen gescheut, den Falkner nach Friedrichsdorf zu holen. Dank der finanziellen Unterstützung der Taunus-Sparkasse und der Rotarier wurde dieser Traum Wirklichkeit.
Und die Frage nach dem Anschnallen? Die konnte Chris Häfner auch klären: Ja, die Uhus sind im Auto gesichert – mit dünnen Lederriemen auf ihrem Platz, wo sie sich mit ihren Krallen sicher festhalten können. So kamen Mensch und Tier sicher an, um in Friedrichsdorf Herzen zu öffnen und ein Lächeln zu schenken, das sicher noch lange nachwirken wird. Manchmal braucht es nur ein paar Federn, einen ruhigen Blick – und ganz viel Herz, um Menschen einander näher zubringen.
Entspannter Etagenwechsel: Ohne Scheu nutzen Chris Häfner, Christian Knirr und Sabine Gatz mit den Therapievögeln den Fahrstuhl, um die Bewohner auf den Stationen zu besuchen.


