Kelkheim (ju) – Die Sicherung einer zuverlässigen, nachhaltigen und zukunftsfähigen Wasserversorgung zählt zu den zentralen Aufgaben jeder Kommune – auch in Kelkheim. Angesichts zunehmender Trockenperioden, wachsender Bevölkerung und steigender Anforderungen an die Infrastruktur wird die Frage, wie Trinkwasser und Regenwasserspeicherung langfristig organisiert werden sollen, immer drängender. Nicht zuletzt hat der jüngst gestellte Antrag zum „Wasserkonzept für Kelkheim“ die politische Diskussion neu belebt.
Ein idealer Zeitpunkt also, um mit dem neuen Technischen Betriebsleiter für Wasser und Stadtentwässerung, Mario Schömer, zu sprechen. Im Interview erklärt er, welche Herausforderungen auf die Stadt zukommen und welche Weichen gestellt werden müssen.
Herr Schömer wie beurteilen Sie aktuell die Wasserversorgungslage in Kelkheim?
Aktuell ist die Versorgungslage gut.
Was waren aus Ihrer Sicht die Hauptursachen für die Wasserengpässe der letzten Jahre?
Der hohe Verbrauch in Kombination mit sinkenden Grundwasserneubildungsraten ist derzeit die Hauptursache für punktuelle Engpässe.
Gibt es derzeit akute Risiken für die Trinkwasserversorgung?
Die akuten Risiken sind die zu trockenen Winter- und Frühlingsmonate und zu hoher Wasserverbrauch in den Sommermonaten.
Inwiefern spüren die Wasserwerke bereits die Auswirkungen des Klimawandels?
Auch hier kommen die zu trockenen Winter- und Frühlingsmonate zum Tragen. Ebenfalls der zu hoher Wasserverbrauch in den Sommermonaten.
Rechnen Sie in den kommenden Jahren mit einer Zunahme von Trockenperioden? Wie bereiten Sie sich darauf vor?
Nach Aussagen von Meteorologen werden die Trockenperioden zunehmen. Es sollten Einsparung beim Trinkwasser erfolgen. Keine Verschwendung von Trinkwasser z.B. durch Rasen sprengen.
Gibt es Pläne zur Anpassung der Infrastruktur an klimatische Veränderungen?
Um die Versorgungssicherheit weiter zu verbessern, laufen derzeit größere Projekte wie der Bau einer neuen Transportleitung von Zeilsheim zum Hochbehälter Waldwiese (Er befindet sich in der Verlängerung der Lorsbacher Straße oberhalb des Schützenhauses, aber auf der rechten Seite) sowie die Erweiterung des Hochbehälters selbst, um eine größere Vorratskapazität zu schaffen.
Wie alt ist die aktuelle Wasserinfrastruktur, und in welchem Zustand befindet sie sich?
Ein Teil unseres Leitungsnetzes ist über 100 Jahre alt. Es werden jährlich Leitungen erneuert.
Gibt es technische Modernisierungen, z.B. bei der Wasseraufbereitung oder -verteilung, die Sie vorantreiben wollen?
Die Wasseraufbereitung und -verteilung erfolgt bei uns mittlerweile auf einem hohen technischen Niveau – zahlreiche Abläufe sind automatisiert und werden durch moderne Mess- und Regeltechnik gesteuert.
Gibt es Möglichkeiten zur Digitalisierung, etwa zur besseren Steuerung von Verbrauch und Verteilung?
Die Umstellung von analogen Wasserzählern auf digitale, fernablesbare Funkwasserzähler stellt für mich einen wichtigen Schritt in der Digitalisierung dar.
Halten Sie es für notwendig, dass die Stadt ein langfristiges Wasserkonzept erarbeitet?
Der Begriff „Wasserkonzept“ ist sehr umfassend und allgemein. Bevor finanzielle Mittel investiert werden, muss daher genau definiert werden, welche Ziele und Maßnahmen damit verfolgt werden sollen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die eingesetzten Ressourcen effektiv und zielgerichtet genutzt werden.
Was erwarten Sie sich davon?
Zumindest bei Prognosen, zum Beispiel zur Entwicklung der Grundwassertiefen bzw. -höhen, erhoffen wir uns wichtige Informationen bezüglich unserer Tiefbrunnen, insbesondere zur Tiefe der Bohrungen.
Welche Rolle spielt dabei der Grundwasserschutz und sollten alternative Wasserquellen wie Regenwassernutzung oder Grauwasser-Recycling in Betracht gezogen werden?
Die Regenwassernutzung schützt unser Grundwasser.
Wie wirkt sich die Erschließung neuer Wohngebiete auf den Wasserbedarf aus? Kelkheim plant derzeit drei neue Wohngebiete mit rund 500 Wohneinheiten. Bei durchschnittlich 2,2 Personen pro Haushalt sind wir bei über 1.000 neuen Einwohnern. Reicht da das Wasser?
Dies gehört zur Gesamtkonzeption zur Sicherstellung unseres Trinkwassers.
Gibt es Grenzen, was die Ausweitung der Bebauung betrifft, wenn man die Wasserverfügbarkeit berücksichtigt?
Die Wasserverfügbarkeit ist natürlich begrenzt. Das ist ein wichtiges Thema für die gesamte Rhein-Main Region.
Welche Rolle spielt die Bürgerbeteiligung beim Thema Wassernutzung und -einsparung?
Eine der wichtigsten Rollen beim Thema „Wassersparen“ kommt den privaten Haushalten zu. Denn der größte Teil des Wasserverbrauchs entfällt auf sie. Je mehr Bürgerinnen und Bürger Wasser sparen, desto größer ist die Gesamteinsparung. Der Wasserverbrauch der Stadt selbst macht nur einen vergleichsweise kleinen Anteil aus. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Stadt keine Verantwortung trägt – im Gegenteil: Sie sollte mit gutem Beispiel vorangehen und eigene Maßnahmen zum Wassersparen umsetzen.
Wie möchten Sie die Bevölkerung für den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser sensibilisieren?
Um die Bevölkerung zum Mitmachen zu motivieren, braucht es konkrete Einspartipps und finanzielle Anreize.
Gibt es einen städtischen Notfallplan für Wasserengpässe?
Das Ausrufen der „Gefahrenabwehrverordnung“.
Was ist Ihre Vision für die Wasserversorgung in Kelkheim in den nächsten 10–20 Jahren?
Meine Vision ist es, Trinkwasser einzusparen, die Regenwassernutzung voranzutreiben und die Wasserverluste zu minimieren. Außerdem muss unser Leitungsnetz auf ein besseres Niveau gebracht werden.
Welche kurzfristigen Maßnahmen möchten Sie als erstes umsetzen?
Die Anschaffung sogenannter Datenlogger hilft uns, Rohrbrüche schneller zu erkennen, was viel Zeit spart und die Wasserverluste minimiert.
Die Logger – klein wie ein Wasserglas – können in regelmäßigen Abständen (100 bis 200 Meter) auf die Wasserleitung gesetzt werden. Sie sind magnetisch, halten so problemlos an Hydranten oder Schiebergestängen. Ihre empfindlichen Körperschall-Mikrofone messen die Geräusche in der Wasserleitung. Bei einem Leck versetzt das austretende Wasser die Rohrwand in Schwingung. Dieses Geräusch nimmt der Logger in Echtzeit wahr. Die Daten werden dann per Funk an ein Gerät übertragen. Anhand der Messwerte sieht man sofort, ob es ein Leck geben könnte. Weisen die Daten darauf hin, wird die genaue Stelle mit Korrelator oder Bodenmikrofon gesucht. Vorteil: Neu auftretende Leckagen können innerhalb weniger Stunden erkannt und behoben werden.
