„Bürger helfen Bürgern“ – ein Verein geht neue Wege

Der große Weihnachtsbasar von „Bürger helfen Bürgern“ stellt eine wichtige und tragende Säule der Arbeit dar. Diese ist umso mehr vonnöten, da immer mehr Menschen, auch im Taunus, ob der vielen Belastungen nicht mehr weiter wissen. Foto: Friedrichsen

Königstein (kw/el) – Bürger helfen Bürgern. Der Name sagt eigentlich schon alles. Hier helfen Königsteiner Bürger anderen Königsteinern, die dringend finanzielle oder praktische Hilfe benötigen.

Schnell und unbürokratisch. Und das schon seit 1972, als Inge Buscher den Verein gründete. Der Verein verstehe sich als eine karitative Ergänzung zum sozialen Programm der Stadt Königstein, sagt dessen Vorsitzende Angelika Rupf. Ganz nach dem Motto „Jeder hilft, wo er kann“, bringen sich die zirka 80 Mitglieder nach ihren individuellen Stärken und Interessen in die ehrenamtliche Arbeit ein.

Rupf und ihre Mitstreiter – im Vorstand sind das Dr. Andrea Herbrechtsmeier, Christiane Kroos und Doris Schmiegelt sowie Nicolai Friedrichsen, der unter anderem für den Internetauftritt zuständig ist – freuen sich vor dem Hintergrund der vielen zu bewältigenden Aufgaben umso mehr, dass die Vereinsarbeit gerade in der jüngsten Zeit auch auf Interesse bei jüngeren Semester, sprich bei jenen ab 40 Jahren, gestoßen ist.

Auf diese Weise habe sich der Verein nicht nur verjüngt, sondern durch diesen Prozess habe man auch neue, frische Ideen für die künftige Arbeit erhalten und habe zudem noch mehr anpackende Hände, die überall gebraucht würden, so Rupf, die im nachfolgenden Interview mit der Königsteiner Woche erklärt, wo die Schwerpunkte in der Arbeit der „Bürger“ liegen.

KöWo: Frau Rupf, wie würden Sie den Satz erklären, die „Bürger“ helfen weiter, wenn man selbst nicht mehr weiter weiß…

Angelika Rupf:

Stellen Sie sich vor, Ihr Leben geriete von heute auf morgen aus den Fugen. Entweder weil Ihr Partner nicht mehr da ist und Sie den Alltag plötzlich allein bewältigen müssen. Oder weil Sie oder Ihr Partner gesundheitlich stark eingeschränkt sind. Oder vielleicht sind Sie ganz ohne Partner und Freunde, Verwandte leben weit entfernt. Stellen Sie sich für einen Augenblick vor, Sie wüssten plötzlich nicht mehr weiter. Dabei arbeiten wir eng mit dem Sozialamt zusammen, um einen eventuellen Missbrauch unseres Hilfsangebots auszuschließen. So springen wir nach sorgfältiger Prüfung für dringend benötigte Anschaffungen oder Überbrückungen ein, die die Betroffenen mit ihren geringen Geldmitteln nicht alleine bewältigen können.

Wir wünschen Ihnen, dass Sie nie in eine solche Situation kommen. Aber unsere engagierten Mitglieder würden Sie nach Kräften unterstützen.

KöWo: Wer nimmt die Hilfen des Vereins in Anspruch?

Angelika Rupf: Kaum zu glauben, aber wahr: In Königstein leben etwa 250 Familien und 150 Alleinstehende, die schwer mit den Anforderungen des täglichen Lebens zu kämpfen haben. Wir kennen Rentner, die mit dem absoluten Minimum auskommen müssen und manchmal nicht wissen, wie sie die nächste Stromrechnung zahlen sollen. Wir treffen alleinerziehende Mütter, die viele Kosten und Aufgaben schultern müssen. Unter uns leben schwer Erkrankte, die Therapien und Zusatzmedikamente dringend benötigen - Krankenkassen kommen für vieles nicht auf.

Oft leisten wir finanzielle Überbrückung, bis die staatliche Hilfe greift. Wir bezahlen Essen auf Rädern und Lebensmittelgutscheine. Kinder bedürftiger Familien bekommen von uns Schulranzen und ordentliche Schuhe zum Schulanfang. Wir unterstützen Klassenfahrten, Nachhilfe und Hortbetreuung.

KöWo: Und die Senioren? Welche Hilfen gibt es für sie?

Angelika Rupf: Die Bewohner des Senioren- und Pflegeheims Haus Raphael freuen sich über regelmäßige Kaffeenachmittage, auch über die Besuche zu Geburtstagen, Feiern zu Ostern und Weihnachten und vieles mehr. Große Dankbarkeit erhalten wir für Investitionen in Geräte, die das Leben im Heim erleichtern. Mehrmals pro Jahr organisieren Vereinsmitglieder die beliebten Seniorenausflüge in den Taunus und Rheingau. Dieses Jahr bieten wir auch zwei Ausflüge für unsere Behinderten an.

KöWo: Welche neuen Wege geht der Verein in puncto Hilfen?

Angelika Rupf: Wir wollen verstärkt die neue Gruppe „Bürgerhilfe“ aufbauen. Hier geht es auch darum zu vermitteln, wenn jemand etwas benötigt. Oftmals geht es um ein Hilfsmittel für einen Senioren oder einen kranken Menschen wie einen Badewannenlift oder eine Aufstehhilfe. Auf der einen Seite stehen Menschen, die so etwas nagelneu anzubieten haben und nicht wissen, wohin damit und auf der anderen Seite jene, die das noch nicht so verschrieben bekommen haben, es aber schon brauchen. Da kommen wir ins Spiel und bringen beide Parteien zusammen.

KöWo: Wie unterstützt der Verein junge Familien oder Alleinerziehende?

Angelika Rupf: Unser System gibt für einige dieser Gruppen nicht mehr her. Gerade Alleinerziehende, was sich jetzt auch wieder an einem aktuellen Fall gezeigt hat, haben mitunter mit einigen Hürden zu kämpfen, die ihnen die Doppelbelastung Job und Kind nicht gerade erleichtern. Schließlich muss sich die Bereitschaft zur Mehrarbeit auch auszahlen und sollte nicht dadurch honoriert werden, indem plötzlich eine Nachzahlung für die Kinderbetreuung ins Haus flattert, die den finanziellen Nutzen der zusätzlich geleisteten Stunden wieder aufhebt.

Darüber hinaus finanziert der Verein Ranzen und Schuhe für den Schulanfang für jene, die aus bedürftigen Familien kommen. Das sind sowohl Familien mit Migrationshintergrund als auch deutschstämmige Familien.

KöWo: Wie trägt sich die Arbeit der Bürger?

Angelika Rupf: Für all diese Aufgaben müssen im Laufe eines Jahres etwa 30.000 Euro gesammelt werden. Einen Teil erwirtschaften wir durch die Einnahmen des Weihnachtsbasars. Er findet jedes Jahr am 1. Advent statt. Die Vorarbeit nimmt das ganze Jahr in Anspruch. Unsere Mitglieder werden zu Haushaltsauflösungen gerufen, kochen den ganzen Sommer über Marmeladen und Chutneys – auch Obstspenden sind erwünscht – und backen ab dem Spätherbst.

KöWo: Wie reiht sich die Hilfe von „Bürger helfen Bürgern“ in das bereits in Königstein bestehende Netzwerk mit dieser Ausrichtung ein?

Angelika Rupf: Um es vorweg zu nehmen: Wir stellen keine Konkurrenz für andere dar. Wir versuchen, den Menschen das Leben zu erleichtern und decken das ab, was notwendig ist. Wir spielen uns mit anderen Vereinen die Bälle gegenseitig zu.

KöWo: Was kann ich selbst tun, um zu helfen?

Angelika Rupf: Wer den Verein gerne näher kennenlernen möchte, ist herzlich eingeladen. Am Donnerstag, 14. April, um 15.30 Uhr findet der nächste Stammtisch im Katholischen Gemeindezentrum statt. Ich freue mich über viele Anmeldungen unter Telefon 06174/3003. Im Internet sind unter www.bhb-koenigstein.de weitere Informationen erhältlich.



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