Schon der Gründervater wusste: „Man muss wagen, will man gewinnen“ – 125 Jahre Klinik Dr. Amelung

Die Klinik Dr. Amelung: ein Familienunternehmen, das die Notwendigkeit des Wandels erkannt hat und dennoch nicht das Traditionsbewusstsein darüber verloren hat.

Foto: Schemuth

Königstein (el) – 125 Jahre Klinik Dr. Amelung in Königstein – ein stolzes Jubiläum, das auch direkt mit dem namensgebenden Gründer des einstigen Waldsanatoriums in Zusammenhang gebracht wird, das heute eine überaus angesehene Fachklinik bzw. Akutklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie mit 100 Betten ist. Und auch heute noch ist der Familienname Amelung eng verbunden mit dem Erfolg der traditionsbewussten Klinik, wie sie Geschäftsführer Dr. med. Klaus-Christopher Amelung, Vertreter der vierten Familiengeneration, aus der heutigen Warte vor zahlreichen geladenen Jubiläums-Gästen beschrieb. Amelung erinnerte an die Herkunft des Klinikgründers, vergaß jedoch darüber nicht, einen entscheidenden Erfolgsgaranten zu erwähnen: „Ohne die Mitarbeiter wäre das nur ein Haus.“ Zum Jubiläum erwartete die Gäste auch eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses, die Klaus-Christopher Amelung auch deswegen für so wichtig hält, weil sie an die Notwendigkeit zur Veränderung ebenso wie an die Historie erinnert.

Da im Hause Amelung schon vor dem Zweiten Weltkrieg die Musik eine große Rolle gespielt hat und bereits so manches Konzert hier stattfand, sollte es zum Jubiläum auch nicht anders sein. Dafür sorgte das brillante Brahms Streichquartett und leitete mit seinen Beiträgen von einem Festredner zum anderen über, auch um den Gästen die Gelegenheit zu geben, das Gehörte zu verinnerlichen. Die wohltuende „Wohnzimmer-Atmosphäre“ solle jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Klinik Amelung ein sehr hohes fachliches Niveau vorweisen könne, hob Staatssekretär Jo Dreiseitel vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration hervor. Als wesentlichen Schlüssel zum Erfolg erwähnte der Minister die Tatsache, dass es sich um ein Familienunternehmen handele, das sich heute noch im Besitz der Familien Amelung und Brandt befinde, das in der Regel als krisenfest gelte und nicht ausschließlich auf die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse schiele. Insofern gebe es auch viele andere Werte, die zum Erfolg beitragen. Diese Klinik sei ein wichtiger Rückzugsort für die Seele und das sei wiederum für den Behandlungserfolg entscheidend, so Dreiseitel, der angesichts steigender Fallzahlen in puncto psychische Erkrankungen anmahnte, Schwellenängste gegenüber psychisch Kranken abzubauen und Ausgrenzung zu vermeiden. Dann war es an Prof. Dr. Diethard Amelung, ebenso wie seiner Schwester Dr. Uta Amelung, Vertreter der dritten Generation, das Leben seines Urgroßvaters und auch dessen Antriebsfeder ein wenig näher zu beleuchten, so dass man sich ein Bild von diesem Mann machen konnte, der Vorbild für so viele gewesen ist. In den siebziger Jahren führte Prof. Dr. Diethard Amelung die internistische Abteilung weiter und durch Dr. Bernhard und Dr. Roswitha Brandt und später Dr. Uta Amelung hat die Klinik dann die wesentliche psychiatrische Prägung erhalten.

1857 als fünfter Sohn von Hanne Amelung geboren, die noch im Alter von 47 Jahren ihr neuntes Kind gebar, entstammt der spätere Arzt und Geburtshelfer bescheidenen Verhältnissen in Herforth. „Mir ist schleierhaft, wie mein Urgroßvater bei den Räumlichkeiten überhaupt seine Hausaufgaben machen konnte“, würzte Diethard Amelung seinen eigenen Beitrag immer wieder mit Anmerkungen, die einen entweder zum Schmunzeln oder zum Nachdenken brachten. Medizin studierte der Urgroßvater in Straßburg und versetzte sich später in die Lage, ein zweijähriges Stipendium an der Frauenklinik in Bern zu erhalten. Interessanterweise promovierte Hugo Amelung mit einer Arbeit über ältere Erstgebärende. Weitere Eckdaten eines bewegten Lebens: 1887 heiratete er, in Offenbach betrieb er zunächst eine erfolgreiche Arztpraxis, doch er wollte mehr. Entsprechende Pläne seien auf einer Fahrt nach Königstein geschmiedet worden. In der Adelheidstraße wurde ein Haus angemietet und hier lebte Amelung erstmals seine Leidenschaft für die Wasserheilkunde aus. Vor 125 Jahren – im Mai 1891 wurden hier die ersten Gäste begrüßt. 1899 wies die Bilanz bereits 442 Kurgäste aus aller Welt aus. Der wesentliche Baustein der Therapie: Die Schulmedizin wird durch die Freiluftbehandlung ergänzt. Im Herbst 1911 wird ein neues Grundstück erworben und bereits im Mai 1913 treffen in der Altkönigstraße die ersten Gäste ein. 1924 zieht sich Hugo Amelung aus der Klinikleitung zurück, um sich mehr der Landwirtschaft und seinen Obstbäumen zu widmen. Sein Sohn Walther, ein Internist, übernimmt das Ruder. Unter seiner Ägide wird die Innere Medizin mit der Bäderheilkunde ergänzt, weil diese nach seinen Erkenntnissen positiv auf das körperliche, aber auch psychische Wohlbefinden des Menschen einwirkt. 1948, nach seinem 90. Geburtstag, verstirbt der Gründervater.

1928 erhält die Klinik durch den Schwiegersohn und Psychiater Dr. Armin Brandt eine zweite Fachrichtung und somit auch eine Basis für einen neuen Aufschwung. 1936 wird angebaut und auf 85 Betten aufgestockt. Während der Kriegsjahre dienen Teile des Hauses zeitweise als Lazareth. Nach dem Krieg kommt die sogenannte „Enkelgeneration“ dazu. 1971 erfolgt eine Zäsur. Vieles wird renoviert. Psychologen werden eingestellt. Hugo Amelungs Sohn Walther, der die Klinik über lange Jahre mitgeprägt hat, stirbt im Alter von 94 Jahren. Von 1983 bis 1996 übernimmt Bernhard Brandt die Klinikleitung. Heute ist Florian Nicolai Brandt, Vertreter der vierten Generation, als leitender Arzt an Bord und Klaus-Christopher Amelung habe mit der Aufstellung als GmbH & Co. KG zur Sicherung der Existenz, unabhängig von Einzelinteressen, beigetragen. Im März diesen Jahres ist übrigens das 50. Ur-Ur-Enkelkind von Hugo Amelung auf die Welt gekommen und man hört den Gründervater noch im Geiste sein Leitmotiv sagen: „Man muss wagen, will man gewinnen.“



X