Erinnerung an die Rübezahleiche und ihr Gasthaus

Enthüllung der Pulttafel zur Rübezahleiche bei misslichem Wetter, aber guter Laune: (v.li.) Uwe Hartmann (Geschäftsführer Naturpark Taunus), Evi Dorn (Vorsitzende Heimatverein Falkenstein), Landrat Ulrich Krebs, Jörg Pöschl (Erster Stadtrat und Vertreter der Keltergemeinschaft Falkenstein) und Ina-Maria Schulze (stellv. Leiterin des Forstamts Königstein) Foto: Schramm

Falkenstein (as) – Der Rübezahl versteckt sich auch im Taunus. Wie der Berggeist des Riesengebirges, dessen Reich sich rund um die Schneekoppe erstreckt, den Weg nach Falkenstein gefunden hat, darüber kann nur gemutmaßt werden. War es die Sehnsucht nach einer Sagengestalt? Jedenfalls gibt es auch heute noch den – in guten Wanderkarten – so ausgezeichneten Rübezahlweg vom Parkplatz Schardtwald vorbei am Lips­tempel bis hin zur Wegevereinigung mit dem Fuchstanzweg. Aber es gab auch einst eine Rübezahleiche mit einem Gasthaus als Ausflugsziel am Fuße ihres mächtigen Stamms. Womöglich war es auch der wilde Rauschebart von dessen Besitzer Gustav Reuschel, der hier als Namensgeber Pate stand.

„99 Prozent der Wanderer, die hier vorbeigehen, wissen nicht mehr, dass hier mal ein Gasthaus stand“, sagt der Falkensteiner Jörg Pöschl, dem Anfang des Jahres durch Zufall ein Bild des Holzbaus in die Hände gefallen war. Damit starteten die Überlegungen bei der Keltergemeinschaft Falkenstein und dem mit ins Boot geholten Heimatverein Falkenstein, mit einer Tafel an der Stelle des Gasthauses direkt am Wegesrand, nur rund 50 Meter vom Lipstempel entfernt, an diese historische Gegebenheit zu erinnern. Mit dem Hochtaunuskreis und dessen Tochter, dem Naturpark Taunus, fand man schnell begeisterte Mitstreiter für dieses Projekt. Und so machte sich am vergangenen Donnerstag, zum wirklichen meteorologischen Herbstanfang, im Taunus trotz Wind und Regen eine stattliche Personengruppe hinauf in die Höhe von rund 600 Metern, um der Enthüllung der Pulttafel beizuwohnen. Der Heimatverein hatte einen Imbiss samt Prosecco, Äppler der Falkensteiner Kelterfreunde, Kaffee und belegten Brötchen unter der schützenden Plattform des Aussichtsturms aufgebaut, um den Anlass trotz des wenig einladenden Wetters gebührend zu begleiten.

„Wir haben viel Historisches im Taunus, das man zum Leben erwecken muss“, würdigte der – in seiner Termindichte – per Auto nach oben chauffierte Landrat Ulrich Krebs. „Ich weiß, dass die Wanderer solche Informationen nachfragen. Insofern passt die Aktivität gut zu denen des Landkreises“, so Krebs, der auch darauf hinwies, dass der Kreis mit Dr. Joachim Zeune auch wieder an der Ruine Hattstein grabe und der an dem offiziellen Naturparkweg gerne auch die kompletten Kosten für die Falkensteiner Tafel übernahm. Kreishistoriker Gregor Maier und die Königsteiner Stadtarchivarin Alexandra König waren bei der Recherche zu diesem fast vergessenen Ort einbezogen worden, fündig wurden sie unter anderem beim Königsteiner Historiker Rudolf Krönke, wie die Bildnachweise auf der Informationstafel zeigen.

Und was ist auf der Tafel zu sehen? Von 1900 bis 1940 betrieb hier die Familie Reuschel das Ausflugslokal als „Café Restaurant“ auf halbem Wege zum schon seit Ende des 19. Jahrhunderts betriebenen Fuchstanz. Es war die Zeit, als die Eisenbahn nach Königstein auch den Städtern aus Frankfurt den Zugang zur Sommerfrische in der Höhe einfacher machte, die Industrialisierung ließ das Bedürfnis nach Erholung außerhalb der Stadt wachsen. Geworben wurde unter der Rübezahleiche mit schönsten Waldwegen und im Winter mit einer Rodelbahn. Was hochtrabend klingt, war aber doch ein gutes Stück handfester. „Es gab nur ganz einfache Sachen, von Kaffee und Kuchen bis zu belegten Broten“, wusste Pöschl zu berichten. Strom gab es hier oben natürlich keinen, das Wasser holten sich die Reuschels aus einer Quelle in der Nähe des „300-Meter-Wegs“, wusste der frühere Vorsitzende des Heimatvereins Peter Majer-Leonhard zu berichten; er und Rudolf Danzer waren die beiden einzigen bei der kleinen Feierstunde Anwesenden, die das Gebäude noch aus eigenen Erinnerungen kennen.

Was nicht auf der Tafel steht: Nachdem die Reuschels den Betrieb 1940 eingestellt hatten, hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg aber bereits eine andere Familie des Holzhauses bemächtigt, deren Name an diesem Tag lieber nicht ausgesprochen werden sollte. Denn die hatte es mit den Gesetzen nicht so ernst genommen. Der Vater versuchte mit in Frankfurt geklauten Strafzetteln, Parkgebühren für die Wanderparkplätze in Falkenstein einzutreiben, was wohl eine ganze Zeit lang gut ging, ehe mal eines der „Opfer“ beim Amtsgericht Königstein nachhakte. Und seine Buben seien bei den Falkensteiner Fußballern als üble Treter in Erinnerung gewesen, ergänzte Pöschl.

Jedenfalls nutzte die Stadt Königstein die Gelegenheit, als sich für die Familie eine günstige Bleibe in Bayern auftat, diese in einen Zug zu setzen und das ehemalige Gasthaus in einer Nacht- und Nebel-Aktion Ende der 60er Jahre abzubrechen. Die Gemeindevertreter der damals noch eigenständigen Gemeinde Falkenstein hätten sogar empört Anzeige gegen Unbekannt erstattet, dabei war es eine konzertierte Aktion gewesen, um das wilde Treiben im Wald zu beenden. Das Ende der inzwischen morsch gewordenen Rübezahleiche kam dann in den 70er Jahren, viele Jahre lag der Baum dann noch entlang des Rübezahlwegs.

Mit der Tafel allein möchten sich die Falkensteiner aber nicht begnügen. Es soll auch wieder durch Revierförster Lukas Stübner eine neue namensgebende Eiche in der Nähe der Tafel gesetzt werden, und der Heimatverein, der sich nach Aussagen der Vorsitzenden Evi Dorn und Christian Heidbrink gerne bereits an der Tafel beteiligt hätte, wird hier Gelder zuschießen, womöglich auch noch eine Sitzbank aufstellen.

Gleichwohl hat der Heimatverein schon wieder ein neues Projekt gestartet. Eine weitere Pulttafel zwischen der Burg Falkenstein und dem Dettweiler Tempel soll an das Dörr’sche Häuschen im Burghain erinnern, das dort als beliebtes „Belvedere“ und Schutzhütte zwischen 1810 und 1880 mit Blick „in die andere Richtung“ über Königstein und zum Feldberg stand. Über den Verbleib des Häuschens, dessen Name an einen der ersten wohlhabenden Frankfurter Industriellen Georg Christian Dörr erinnert, der sich im 19. Jahrhundert in Königstein seinen Sommersitz baute, ist wenig bekannt. Vielen inzwischen älteren Falkensteinern ist die Örtlichkeit aber von Ausflügen mit dem Kindergarten wohlbekannt, Evi Dorn erinnert sich noch daran, dass es an der Felskante immer hieß ,bis hierhin und nicht weiter‘.

Auch bei diesem Projekt werden Stadt und Naturpark wieder mit ins Boot geholt. „Wir unterstützen, wenn immer es möglich ist, gerne“, sagte die stellvertretende Königsteiner Forstamtsleiterin Ina-Maria Schulze. Weil es allen Beteiligten einfach Spaß macht, in der Heimat auf Spurensuche zu gehen und die Historie wieder sichtbar und erlebbar zu machen.

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