Falkenstein (kw) – Zwei Falkensteins, rund 800 Kilometer voneinander entfernt, und eine Verbindung, die schon seit 15 Jahren auf ihren richtigen Zeitpunkt gewartet hat: Mitte September machte sich eine sechsköpfige Delegation aus Falkensteiner Vereinen und politischen Mandatsträgern auf den Weg ins niederösterreichische Weinviertel. Ziel war das „andere“ Falkenstein – und dort das überregional bekannte Kellergassenfest.
Die Idee für einen Besuch war keineswegs neu. Bereits vor etwa 15 Jahren hatten die österreichischen Namensvetter beim Falkensteiner Vereinsring im Taunus angefragt, ob man nicht einmal Kontakt zueinander aufnehmen und das Kellergassenfest besuchen wolle. Doch bisher hatte immer der Kalender einen Strich durch die Rechnung gemacht: Der Termin des österreichischen Weinfestes fiel regelmäßig mit dem Oktoberfest des Mandolinenclubs in Falkenstein zusammen. In diesem Jahr verzichtete der Mandolinenclub auf sein Oktoberfest – und plötzlich war der Weg frei für die „Jungfernfahrt ins andere Falkenstein“.
Die Gäste aus dem Taunus wurden dort ausgesprochen herzlich empfangen. Erster Stadtrat Jörg Pöschl, der die Fahrt auf heimischer Seite organisiert hatte, konnte jedenfalls eine rundum positive Bilanz ziehen. Bürgermeister Christoph Schüller (ÖVP) hatte im benachbarten Poysdorf ein Hotel organisiert und begrüßte die Delegation bereits am Ankunftsabend im historischen Sitzungssaal des Falkensteiner Rathauses – natürlich nicht ohne einen guten heimischen Probiertropfen.
Dabei erfuhren die Besucher auch einiges über die Geschichte des kleinen Weinortes. So war das sogenannte Falkensteiner Berggericht vom 13. bis zum 18. Jahrhundert die historische juristische Oberinstanz für sämtliche Weinbauangelegenheiten und Erträge im Gebiet zwischen Wien und Brünn. Heute wird der Name von den Winzern der Marktgemeinde als geschützte Qualitätsmarke für besondere heimische Spitzenweine weitergeführt.
65 Keller, 3.000 Besucher und eine romantische Nacht
Nach dem Austausch der Gastgeschenke – eine historische Goldmünze aus dem Weinviertler Falkenstein auf der einen Seite, ein Apfelweinbembel mit den Wappen beider Falkensteins auf der anderen – ging es gemeinsam in die Kellergasse.
Und die hat es in sich: Die beiden gegenüberliegenden Kellerzeilen des rund 600 Einwohner zählenden Weinortes umfassen insgesamt 65 Presshäuser mit anschließenden tiefen Erdkellern. Viele der Gebäude stammen aus dem 19. Jahrhundert und wurden in ihrer ursprünglichen Form erhalten und in den vergangenen Jahren sorgfältig renoviert.
Zum Auftakt des dreitägigen Festes unter dem Motto „Wein – Kunst – Kultur“ stand die „Romantische Nacht“. Kerzen, Lampions und Feuerkörbe tauchten die rund 800 Meter lange Kellergasse in ein stimmungsvolles Licht. Die Taunus-Falkensteiner waren sich schnell einig: Eine solche Kulisse und ein Fest dieser Art sucht man im Taunus vergebens.
Auch an den folgenden Tagen gab es reichlich zu entdecken. Die Falkensteiner Winzer öffneten ihre Keller und servierten neben ihren Weinen persönliche Hausspezialitäten und traditionelle Schmankerl. Rund ein Drittel der 65 Keller war Kunst und Kultur gewidmet. Bilder, Glas- und Töpferarbeiten sowie Holz- und Schnitzkunst wurden ausgestellt, dazu gab es über die drei Tage ein abwechslungsreiches Musikprogramm.
Bürgermeister Christoph Schüller und Kellergassenführer Ludwig „Wiggerl“ Pfeiler, zugleich Kommandant der 46-köpfigen aktiven Einsatzabteilung der Feuerwehr, erwiesen sich als kundige und bestens aufgelegte Gastgeber. Sie versorgten die Gäste nicht nur mit Geschichten und Anekdoten aus dem „anderen Falkenstein“, sondern natürlich auch mit dem einen oder anderen guten Tropfen.
Wenn der Apfelwein auf den Veltliner trifft
Beim Wein hatten die österreichischen Gastgeber mit Veltliner, Zweigelt und Riesling natürlich Heimvorteil. Und auch die Haus-Marillenbrände fanden bei den Gästen aus dem Taunus ihre Anhänger.
Etwas schwieriger war es offenbar, die Österreicher vom mitgebrachten Falkensteiner Apfelwein zu überzeugen. Mit einem Schmunzeln mussten die Taunus-Falkensteiner erklären, dass auch dieser durchaus trinkbar sei – selbst wenn sich diese Erkenntnis bei einem Fremden vielleicht erst nach dem zweiten oder dritten Glas einstelle.
Für alle Fälle hatten die Gäste aus dem Königsteiner Stadtteil deshalb vorsichtshalber noch einige Flaschen Rheingauer Riesling eingepackt. Die wurden von den neuen österreichischen Freunden dann doch mit einer gewissen Erleichterung entgegengenommen.
Auch beim Vereinsleben gab es eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit. Kellergassenführer „Wiggerl“ Pfeiler berichtete, dass es im Weinviertler Falkenstein bei gerade einmal 600 Einwohnern mehr als 20 Vereine gibt. Statistisch gesehen ist damit jeder Falkensteiner in mindestens vier Vereinen aktiv – ein Verhältnis, das auch im Taunus durchaus Respekt verdient.
Ein Abstecher nach Wien
Am Samstag stand ein Tagesausflug ins rund 60 Kilometer südlich gelegene Wien auf dem Programm. Die Taunus-Falkensteiner erkundeten die österreichische Hauptstadt, ließen sich vom Glanz der ehemaligen k.u.k.-Metropole beeindrucken und kehrten anschließend in ein typisches Wiener Kaffeehaus ein.
Am Abend ging es wieder zurück zum Kellergassenfest. Bei spätsommerlichen Temperaturen boten sich immer neue Gelegenheiten, Keller zu entdecken und Bekanntschaften zu schließen. Unter anderem traf die Delegation Altbürgermeister Leopold Richter, der bereits vor 15 Jahren einen ersten – damals noch erfolglosen – Versuch einer Kontaktaufnahme mit dem Falkenstein im Taunus unternommen hatte. Auch die Weinviertler Weinkönigin und der niederösterreichische ÖVP-Landtagsabgeordnete Manfred Schulz gehörten zu den Gesprächspartnern.
Am Sonntagvormittag stand schließlich noch die Burg auf dem Programm. Denn nicht nur das Falkenstein im Taunus hat eine Burg, auch das Weinviertler Falkenstein besitzt eine imposante Festungsanlage, die hoch über dem Ort thront. Von dort bot sich ein weiter Blick über die Weinberge bis ins nur wenige Kilometer entfernte tschechische Süd-Mähren.
Mit einem Eintrag ins Gästebuch verabschiedeten sich die Taunus-Falkensteiner schließlich von ihren Gastgebern und traten die Heimreise an. Müde von den kurzen Nächten, aber beladen mit Kartons des Falkensteiner Weins, Erinnerungsgläsern mit der Aufschrift „Trinkt’s original Falkensteiner!“ und jeder Menge Eindrücken ging es zurück in den Taunus.
Das Fazit fiel eindeutig aus: Es war ein erstes Kennenlernen – aber sicher nicht das letzte. Der Gegenbesuch ist bereits „eingepreist“, und der Termin des nächsten Kellergassenfestes wurde vorsorglich rot im Handy-Kalender der Taunus-Delegation markiert.
Und eine Städtepartnerschaft? Nun, so weit ist es dann doch noch nicht. Obwohl Königsteins Erster Stadtrat Jörg Pöschl, Stadtrat Thomas Boller und Falkensteins Ortsvorsteher Walter Schäfer bei der Reise durchaus als eine Art „diplomatisches Korps“ unterwegs waren, wurde mit Blick auf den bekanntlich klammen Stadtsäckel augenzwinkernd versichert: Eine neue Städtepartnerschaft zwischen Falkenstein im Taunus und Falkenstein im Weinviertel sei derzeit weder beschlossen noch in Planung.
Der Kontakt zwischen den beiden Falkensteins soll trotzdem bestehen bleiben. Und dafür braucht es bekanntlich nicht immer einen offiziellen Vertrag – manchmal reicht auch ein guter Wein.



