Königstein (kw) – Das möge sich einer mal vorstellen: Der 80-jährige weltberühmte Star-Choreograf des 19. Jahrhunderts, Marius Petipa, und der erst 32-jährige, für Ballettmusik völlig unerfahrene Komponist Glasunow sollen ein Ballett erschaffen. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Die üppig instrumentierte Musik von Glasunow, die aber auch tanzbar sein muss – das alles stellte eine Herausforderung an die beiden Künstler dar.
Am Ende entstand das im Jahr 1898 uraufgeführte Ballett Raymonda. Und es wurde zu einem Erfolgsballett, das auch heute zu den ganz großen wie Schwanensee, Coppelia oder Don Quijote zählt.
„Sollen die sich doch fügen!“, so die Forderung des Musikers Glasunow an den Choreografen Petipa. Genau das taten am 21. März die Schülerinnen der Königsteiner Ballettschule im Haus der Begegnung und nahmen ohne Wenn und Aber die tänzerischen und musikalischen Herausforderungen dieses Ballettes an. Raymonda bekommt man hierzulande nicht so leicht zu sehen. Umso mehr war das zahlreich erschienene Publikum von den tänzerischen Leistungen auf der Bühne, den Choreografien und den farbenfrohen Kostümen begeistert. Das wunderschöne Bühnenbild entführte sogleich in die Traumwelt des mittelalterlichen ungarischen Hofes der Gräfin Sybille. Eine Love-Story, ein weißer Schal als Zeichen der Liebe, der Reinheit und der Verbundenheit, das sind Werte, die durch Geschenke wie Edelsteine und Perlen herausgefordert werden. Am Ende siegt die Liebe, das ist heutzutage nicht selbstverständlich.
Das Publikum schenkte den Akteurinnen und Akteuren auf der Bühne tosenden Applaus, besonders Andreea Radu und Cornel Bercea, die für die Ausbildung der Tänzerinnen, die künstlerische Leitung sowie für die Choreografien verantwortlich sind. Andreea Radu leitet die Königsteiner Ballettschule seit nunmehr 15 Jahren – auch dieses Jubiläum wurde gebührend gefeiert. Diese Ballettschule stellt eine große Bereicherung für das kulturelle Leben in Königstein dar.
