Buntes Treiben für Groß und Klein: 21. Ritterturnier begeistert seine Gäste

„Ave Caesar, morituri te salutant ...“ nein, das waren die anderen, die mit dem römischen Adler, lange vorher. Im Gegensatz zum keltischen Wildschwein hat der „Aar“ aber durchaus Eingang in die mittelalterliche Heraldik gefunden, sprich, man schmückte sich gerne mit dem majestätischen Vogel auf seinem Wappen – und bis heute hängt auch ein solcher Vogel – künstlerisch verbrämt – im Bundestag. Gegenüber diesem etwas abgenutzten Flattertier dürften sich die Ritter von Königstein seit diesem Jahr sicherlich den Uhu – die größte aller seit der Antike weisen Eulen – aufs Panier malen, denn ihr Turnier war mehr als stark geprägt von dem spezialgefiederten Nachtjäger und seinem Nachwuchs. Fotos: Scholl

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Ein echter Hingucker mit viel lokalem Bezug war eine wahrhaftige Eule, die bei der „Falknerei der Grafen“ nebst zwei Greifvögeln zu bestaunen war. Es handelte sich um die sibirische Uhu-Dame „Ronja“, welche zu den weltweit größten Eulen gehört. Ganz Verwegene durften Ronja auch einmal streicheln, was trotz riesiger Greifklauen vollkommen ungefährlich war, wie ein mutiger Selbstversuch zeigte. Ein strenger Eulenblick gebot dem Gast Einhalt, wenn es der Uhu-Dame denn zu kuschelig wurde. Hier konnte jedenfalls jeder einmal einen Uhu aus der Nähe sehen, was auf der Burg nun leider nicht möglich war. Wer sich von fachsimpelnden Rittern und Waffenschmieden losreißen konnte, den zog es weiter auf die Burg, wo an diesem Wochenende nicht weniger als vier Turniere stattfanden.

Auf der Burgruine

Wer die ritterlichen Wachen am Burgtor mit einigen Talern milde gestimmt hatte, erhielt Einlass auf die Burg und konnte nun am bunten Treiben der Ritter und ihrer Gefolgsleute teilhaben. Viele Erwachsene (und solche, die gerne schon welche wären) zog es zunächst in die Folterkammer, wo allerlei Gerät zum Quälen armer Mitmenschen ausgestellt war. Wer gerne wissen wollte, wie im Mittelalter gerädert, gevierteilt oder gestreckt wurde, der kam hier voll auf seine Kosten. Allerdings wollte niemand so recht der Aufforderung des Folterknechtes nachkommen, auf dem Nagelstuhl Platz zu nehmen – wohl doch nicht so mutig die Herrschaften!

Auch für die kleinen Gäste war gesorgt, wollten sie ihren ritterlichen Tatendrang ausleben. Für sie gab es die Kinderbogenbahn oder die Möglichkeit, mit Speckstein zu werken – aber eigentlich wollte sich ja niemand die „echten“ Ritter entgehen lassen. Auch in diesem Jahr waren die „Württemberger Ritter“ wieder zu Gast auf der Königsteiner Burg und somit verantwortlich für die fulminanten Turniere, von denen eines bei Nacht im Fackelschein ausgetragen wurde.

Für das leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt, so dass sich die Gäste bei Würstchen, Goldlocken (Kartoffelswirl am Spieß), Hexenfladen (gefährliche Beimischung von Hexenkräutern) oder „beschwipsten Rittern“ – mit Rumrosinen – stärken konnten. Noch schnell ein Schwarzbier im Tonbecher für den Papa, dann kam der Sprössling auf die Schultern und schon konnte das Turnier beginnen. Selbstverständlich wohnten die gastgebenden Ritter von Königstein und unser Burgfräulein Charlotte I. samt Gefolge dem Turnier ehrenhalber bei und staunten nicht schlecht, was die farbenprächtig gekleideten Ritter zu Pferde zu vollbringen vermochten.

Turnier (Sonntag 16 Uhr)

Begleitet von allerlei Spiel- und illustren Gefolgsleuten hielten die Württemberger Ritter Einzug auf dem Turnierplatz. Farbenprächtige Gewänder, in der Sonne funkelnde Rüstungen und imposante Pferde beeindruckten das Publikum und ließen eine lange vergangene Zeitepoche unter strahlend blauem Himmel stilecht wieder auferstehen. Vor der majestätischen Kulisse der Königsteiner Burgmauern nahmen sieben Ritter am Turnier teil, die so wunderbare Namen trugen wie Wolfgang vom Drachenfels oder Michael von Grafeneck.

Die Ritter traten in Kumpaneien (modern: Teams) gegeneinander an und maßen sich in nicht weniger als sechs Disziplinen, um am Ende den Sieger küren zu dürfen. Ob Krautkopfschlagen, Speerreiten oder auch Ringstechen, die Ritter traten mit vollem Elan und großem Siegeswillen gegeneinander an und maßen ihre Kräfte und Geschick auf mittelalterliche Art. Da brachen Lanzen, wurden Kohlköpfe zerschmettert und Feuerkugeln gedreht – am Ende gab der Erfolg des Ritters Wolf vom Herzfeld den Ausschlag und die Kumpanei des Herren von Almut ging siegreich vom Platz.

Allerdings nicht, ohne vorher die Königsdisziplin – das Tjosten – ausgetragen zu haben. Bei diesem Lanzenreiten treten die Ritter im direkten Duell gegeneinander an und lassen ihre Lanzen am Schild des Gegners – im vollen Galopp versteht sich – brechen. Der Beifall des Publikums war den Rittern gewiss und so erhielt der Sieger zum Lohne den Lorbeerkranz. Ein wirklich tolles Turnier, authentisch und kurzweilig. Die Zeit auf der Burg verging wie im Flug und so mancher musste sich sputen, um auf dem mittelalterlichen Markt noch das eine oder andere zu erwerben.

Mittelaltermarkt

Das fahrende Volk auf der Burg hatte keine Mühen gescheut und erfreute die Gäste mit allerlei mittelalterlichem „Gedöns“. Die „Dattelschlepperei“ konnte beim Wort genommen werden, gab es doch hier interessante Nuss-, Frucht- und Dattelmischungen, die wohl mittelalterlicher Rezeptur waren, so außergewöhnlich muteten sie an. Es gab „Schlabberlöffel“ beim Drechsler, Lederbänder, Körbe, Gewänder und Schmuck. Besonders für die kleinen Gäste waren die Holzschilde und -schwerter interessant, die in großer Zahl den Besitzer wechselten. So verließen zum Schluss unzählige kleine, frisch ausgestattete Ritterkinder selig die Burg, traten auf den Wegen spielerisch gegeneinander an und zauberten so den Erwachsenen ein Lächeln ins Gesicht (und sich selbst den einen oder anderen blauen Fleck).

Die Ritter von Königstein hatten ihr Lager wie immer im Burghof aufgeschlagen, wo sie ihre Gäste mit frischem Trank versorgten. Der Schankort war in diesem Jahr etwas begrenzt, da der Innenhof wegen der dort heimischen Uhufamilie (zwei „Ästlinge“ sind schon ausgezogen) abgesperrt war. Wohl dem, der bei der Uhu-Dame „Ronja“ vorbeigeschaut hatte...

Wie in jedem Jahr hatte auch die Waffenkammer geöffnet, in der Link von Main-Boldeshagen (Jens Alfred Link) seine private Sammlung der Rittergeschichte der Allgemeinheit zugänglich machte. Gleich nebenan gab die Gruppe „Eulental“ den Gästen noch ein musikalisches Abschiedsgeschenk. Umringt von begeisterten Zuhörern lieferten sie ein fulminantes Finale der mittelalterlichen Musik, das Groß und Klein begeisterte.

Auch in diesem Jahr können die Ritter von Königstein wieder auf ein gelungenes Ritterfest für die ganze Familie zurückblicken. Monate der Vorbereitung, flehentliche Gebete an Wetter- und Großeulengöttinnen sowie vor allem eine hervorragende Planung (auch kurzfristig um die Uhus herum) hatten sich abermals ausgezahlt, so dass die Gäste sich schon auf das 22. Ritterturnier im nächsten Jahr freuen dürfen.
Fotos: Scholl

Königstein (gs) – Wer Interesse für die mittelalterliche Welt der Ritter und deren Gepflogenheiten hegte, der war am Wochenende in Königstein genau an der richtigen Adresse. Die Ritter von Königstein hatten zum 21. Königsteiner Ritterturnier geladen und konnten sich über eine große Zahl von begeisterten Gästen freuen, die am Wochenende mit ihnen in die Welt des Mittelalters eintauchten und alte, majestätische Zeiten wiederaufleben ließen.

Lager im Kurpark

Wer sich bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zur Burg machte, um einem der Ritterturniere beizuwohnen, dessen Weg führte unweigerlich am mittelalterlichen Lager im Königsteiner Kurpark vorbei. Hier wurde gelebt wie im Mittelalter – Kinder badeten in der Zinkwanne zwischen den Zelten, Männer kochten köstlich duftendes Reh-/Hirschgulasch im Kessel, während sich die Damen die Zeit mit filigranen Handarbeiten im schattigen Zelt vertrieben.

Es war ein sehr lebendiges Lager, das die Besucher aktiv einlud, auch einmal hinter die Kulissen zu schauen. Hier waren die Tische gedeckt mit deftigem Mahl und wer mochte, der war auch gerne zu einer kleinen Kostprobe geladen. Auch wenn es mittelalterlich anmutete – ein großer Löffel Wildgulasch mit einem Stück urbackenem Brot waren wahrhaftig eine Köstlichkeit, stilecht serviert in einer kleinen Tonschale und gegessen mit einem Holzlöffel!

Hexen und Wahrsagerinnen

Die begnadeten Köche entstammten der „Freien fränkischen Pilgerschaft“, deren jüngster Teilnehmer noch kein Jahr alt war. Nebenan die „Kronberger Ritter“, bei deren Lagerstätte der geneigte Besucher allerhand Waffen bestaunen konnte. Hier war auf dem Weg zur Burg ein erstes schickes Kettenhemd zu bestaunen, nebst Schwertern, Doppeläxten und einem Dolch. Ein wehrhaftes Völkchen, die Kronberger... Nebenan bot eine Kartenlegerin ihre wahrsagenden Künste für läppische 18 Taler pro Frage an, während daneben Damen und Herren beim fahrenden Handelsvolk schöne, mittelalterlich anmutende Schmuckstücke wie Ringe oder Armreifen erwerben konnten. Schließlich muss auch das Lagerleben irgendwie finanziert werden, auch wenn es denn ohne fließend Wasser oder Elektrizität auskommt – das gab es im Mittelalter nämlich auch nicht.

Gekocht wurde, was die Natur hergab, weswegen auch eine echte Kräuterhexe vor Ort war, um die Gäste mit allerlei interessanten Kräutertöpfen zu beglücken. Hier gab es die eine oder andere besondere Kräuterpflanze zu erwerben, die dann auch gegen einen anständigen Obolus von neuzeitlich modernen Hausfrauen (oder -männern) beglückt nach Hause getragen wurde.

Ein echter Hingucker mit viel lokalem Bezug war eine wahrhaftige Eule, die bei der „Falknerei der Grafen“ nebst zwei Greifvögeln zu bestaunen war. Es handelte sich um die sibirische Uhu-Dame „Ronja“, welche zu den weltweit größten Eulen gehört. Ganz Verwegene durften Ronja auch einmal streicheln, was trotz riesiger Greifklauen vollkommen ungefährlich war, wie ein mutiger Selbstversuch zeigte. Ein strenger Eulenblick gebot dem Gast Einhalt, wenn es der Uhu-Dame denn zu kuschelig wurde. Hier konnte jedenfalls jeder einmal einen Uhu aus der Nähe sehen, was auf der Burg nun leider nicht möglich war. Wer sich von fachsimpelnden Rittern und Waffenschmieden losreißen konnte, den zog es weiter auf die Burg, wo an diesem Wochenende nicht weniger als vier Turniere stattfanden.

Auf der Burgruine

Wer die ritterlichen Wachen am Burgtor mit einigen Talern milde gestimmt hatte, erhielt Einlass auf die Burg und konnte nun am bunten Treiben der Ritter und ihrer Gefolgsleute teilhaben. Viele Erwachsene (und solche, die gerne schon welche wären) zog es zunächst in die Folterkammer, wo allerlei Gerät zum Quälen armer Mitmenschen ausgestellt war. Wer gerne wissen wollte, wie im Mittelalter gerädert, gevierteilt oder gestreckt wurde, der kam hier voll auf seine Kosten. Allerdings wollte niemand so recht der Aufforderung des Folterknechtes nachkommen, auf dem Nagelstuhl Platz zu nehmen – wohl doch nicht so mutig die Herrschaften!

Auch für die kleinen Gäste war gesorgt, wollten sie ihren ritterlichen Tatendrang ausleben. Für sie gab es die Kinderbogenbahn oder die Möglichkeit, mit Speckstein zu werken – aber eigentlich wollte sich ja niemand die „echten“ Ritter entgehen lassen. Auch in diesem Jahr waren die „Württemberger Ritter“ wieder zu Gast auf der Königsteiner Burg und somit verantwortlich für die fulminanten Turniere, von denen eines bei Nacht im Fackelschein ausgetragen wurde.

Für das leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt, so dass sich die Gäste bei Würstchen, Goldlocken (Kartoffelswirl am Spieß), Hexenfladen (gefährliche Beimischung von Hexenkräutern) oder „beschwipsten Rittern“ – mit Rumrosinen – stärken konnten. Noch schnell ein Schwarzbier im Tonbecher für den Papa, dann kam der Sprössling auf die Schultern und schon konnte das Turnier beginnen. Selbstverständlich wohnten die gastgebenden Ritter von Königstein und unser Burgfräulein Charlotte I. samt Gefolge dem Turnier ehrenhalber bei und staunten nicht schlecht, was die farbenprächtig gekleideten Ritter zu Pferde zu vollbringen vermochten.

Turnier (Sonntag 16 Uhr)

Begleitet von allerlei Spiel- und illustren Gefolgsleuten hielten die Württemberger Ritter Einzug auf dem Turnierplatz. Farbenprächtige Gewänder, in der Sonne funkelnde Rüstungen und imposante Pferde beeindruckten das Publikum und ließen eine lange vergangene Zeitepoche unter strahlend blauem Himmel stilecht wieder auferstehen. Vor der majestätischen Kulisse der Königsteiner Burgmauern nahmen sieben Ritter am Turnier teil, die so wunderbare Namen trugen wie Wolfgang vom Drachenfels oder Michael von Grafeneck.

Die Ritter traten in Kumpaneien (modern: Teams) gegeneinander an und maßen sich in nicht weniger als sechs Disziplinen, um am Ende den Sieger küren zu dürfen. Ob Krautkopfschlagen, Speerreiten oder auch Ringstechen, die Ritter traten mit vollem Elan und großem Siegeswillen gegeneinander an und maßen ihre Kräfte und Geschick auf mittelalterliche Art. Da brachen Lanzen, wurden Kohlköpfe zerschmettert und Feuerkugeln gedreht – am Ende gab der Erfolg des Ritters Wolf vom Herzfeld den Ausschlag und die Kumpanei des Herren von Almut ging siegreich vom Platz.

Allerdings nicht, ohne vorher die Königsdisziplin – das Tjosten – ausgetragen zu haben. Bei diesem Lanzenreiten treten die Ritter im direkten Duell gegeneinander an und lassen ihre Lanzen am Schild des Gegners – im vollen Galopp versteht sich – brechen. Der Beifall des Publikums war den Rittern gewiss und so erhielt der Sieger zum Lohne den Lorbeerkranz. Ein wirklich tolles Turnier, authentisch und kurzweilig. Die Zeit auf der Burg verging wie im Flug und so mancher musste sich sputen, um auf dem mittelalterlichen Markt noch das eine oder andere zu erwerben.

Mittelaltermarkt

Das fahrende Volk auf der Burg hatte keine Mühen gescheut und erfreute die Gäste mit allerlei mittelalterlichem „Gedöns“. Die „Dattelschlepperei“ konnte beim Wort genommen werden, gab es doch hier interessante Nuss-, Frucht- und Dattelmischungen, die wohl mittelalterlicher Rezeptur waren, so außergewöhnlich muteten sie an. Es gab „Schlabberlöffel“ beim Drechsler, Lederbänder, Körbe, Gewänder und Schmuck. Besonders für die kleinen Gäste waren die Holzschilde und -schwerter interessant, die in großer Zahl den Besitzer wechselten. So verließen zum Schluss unzählige kleine, frisch ausgestattete Ritterkinder selig die Burg, traten auf den Wegen spielerisch gegeneinander an und zauberten so den Erwachsenen ein Lächeln ins Gesicht (und sich selbst den einen oder anderen blauen Fleck).

Die Ritter von Königstein hatten ihr Lager wie immer im Burghof aufgeschlagen, wo sie ihre Gäste mit frischem Trank versorgten. Der Schankort war in diesem Jahr etwas begrenzt, da der Innenhof wegen der dort heimischen Uhufamilie (zwei „Ästlinge“ sind schon ausgezogen) abgesperrt war. Wohl dem, der bei der Uhu-Dame „Ronja“ vorbeigeschaut hatte...

Wie in jedem Jahr hatte auch die Waffenkammer geöffnet, in der Link von Main-Boldeshagen (Jens Alfred Link) seine private Sammlung der Rittergeschichte der Allgemeinheit zugänglich machte. Gleich nebenan gab die Gruppe „Eulental“ den Gästen noch ein musikalisches Abschiedsgeschenk. Umringt von begeisterten Zuhörern lieferten sie ein fulminantes Finale der mittelalterlichen Musik, das Groß und Klein begeisterte.

Auch in diesem Jahr können die Ritter von Königstein wieder auf ein gelungenes Ritterfest für die ganze Familie zurückblicken. Monate der Vorbereitung, flehentliche Gebete an Wetter- und Großeulengöttinnen sowie vor allem eine hervorragende Planung (auch kurzfristig um die Uhus herum) hatten sich abermals ausgezahlt, so dass die Gäste sich schon auf das 22. Ritterturnier im nächsten Jahr freuen dürfen.

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