Erhalt Verpflichtung

Ellengard Jung, Vorsitzende des Vereins Denkmalpflege-Königstein, schreibt zur beschädigten Burgmauer, die momentan Gegenstand politischer Diskussionen ist, Folgendes: Als der Gerber Christian Dörr am 10. Juli 1820 das Mainzer Amtshaus, bestehend aus Wohnhaus und zwei Stallungen und umgebendes Gartengelände, von der Nassauischen Regierung für 11.000 Gulden erwarb, umfasste er den verwüsteten Garten mit einer Mauer und zwei Toren. Um die nötigen Steine brauchte er sich damals nicht zu sorgen, denn die waren nach der Sprengung von 1796 noch leicht von der Burg kostenlos zu holen.

Als Herzog Adolph von Nassau von ihm 1858 das Mainzer Amtshaus kaufte, waren sowohl die Mauerumfriedung als auch die beiden Tore nach 30 Jahren noch in perfektem Zustand und blieben es auch weiterhin über 190 Jahre.

Erst im Oktober 2010 wurde die Mauer am Ende zum Burghain wieder von Grund auf neu aufgeführt und auch das kleine Rotsandsteinportal von der Burg wieder eingefügt. Handelt es sich doch beim Schloss „Königstein“, Marstallgebäude, Pförtnerhaus und umgebendes Gelände um ein denkmalgeschütztes Ensemble!

Nachdem aber die Mauer Anfang 2017 im mittleren Teil plötzlich einbrach, ließ man die Steine über zwei Jahre an Ort und Stelle achtlos liegen. Hinweise des Denkmalpflegevereins-Königstein an das Bauamt, dass der untere Teil der Mauer auf Höhe des Evangelischen Gemeindehauses ebenfalls in Schräglage sei, schon einige Steine herausgebrochen und dringend renoviert werden sollte, blieben ohne eine Resonanz. Nach einem weiteren Jahr wurde diese Mauer abgebrochen und verblieb ebenfalls als Baustelle.

Von Seiten der Stadtverwaltung gab es bezüglich der abgebrochenen Mauern keine Stellungnahmen oder Information zum weiteren Vorgehen, obwohl man doch Transparenz gegenüber dem Bürger betont.

Im November 2018 wurde von der ALK ein Antrag „Kostenhöhe und Spendenzusagen zur Wiederherstellung der Mauer” in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht und leider abgelehnt. Die ALK war die einzige Partei, die immer wieder den Vorstoß zur Renovierung machte.

Als betroffene Anlieger wurde in einem Gespräch der Evangelischen Kirche, Dr. Neuschäfer und Frau Stoodt-Neuschäfer, mit Bürgermeister Helm die Notwendigkeit einer Wiederherstellung dieses Mauerteils vorgebracht und dabei eine Kostenbeteiligung in Aussicht gestellt. Der Bürgermeister jedoch favorisierte lieber Hecken, die wären sehr schön. In einem weiteren Gespräch der Denkmalpflege-Königstein und Bürgermeister Helm vertrat dieser erneut die Ansicht, dass man keinen Aufbau der Mauer anstrebe, sondern den Blick durch das Grün in die Mainebene haben sollte.

Noch Anfang März des Jahres (Kommunalwahl) lautete auf eine Befragung der Parteien zur Zukunftsgestaltung die Antwort bezüglich einer Mauersanierung aus dem Vorstand der CDU: Die Gartenmauer aus dem 19. Jahrhundert hätte keine Funktion mehr und angesichts der geringen historischen oder gestalterischen Bedeutung zu teuer für eine Renovierung.

Dankenswerterweise scheint sich dort nunmehr ein Sinneswandel anzubahnen pro historischem Wert des Königsteiner Burgbergs, da jetzt CDU mit ALK gemeinsam einen Wiederaufbau anstreben. Da ist es doch verwunderlich, dass man für einen „Wanderparkplatz“ mal schnell 150.000 Euro zur Verfügung stellen kann. Kann man nur hoffen, dass man in Zukunft nicht nur mit dem Königsteiner „Bügel“ und historischer Werbung punkten will, sondern auch seinen Beitrag und Verpflichtung zu dessen Erhalt in allen Parteien erkennt, wie es mit der Schenkung von Großherzogin Hilda von Baden 1922 an die Stadtgemeinde angedacht war!

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