Gesundheit tut auch der Stadt Königstein gut

Computergestützte Gerätetherapie: Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko testete eine tiefenstimulierende Fingermassage an einer „Reha Digit“ der Asklepios Klinik bei Andreas Häfner (kaufmännischer Leiter) und Stefanie Hartmann (Leiterin Auromed Ambulanz).

Königstein (as) – Königstein ist eine Stadt der Kliniken inmitten eines Heilklimas. Das wissen viele, kennen vielleicht auch die Namen der Fachkliniken. Aber dann hört es schnell auf. „Die Menschen wissen, dass es die Kliniken gibt, aber nicht, was diese machen“, sagte Stephan Köhler, Geschäftsführer der Privatklinik Dr. Amelung für Psychiatrie in der Altkönigstraße, dem vom Namen wohl bekanntesten Vertreter in der Königsteiner Kliniklandschaft, auf dem Gesundheitstag in der Klinik Königstein der KVB.

Genau aus diesem Grunde und weil die Stadt Königstein wieder verstärkt versucht, ein Leitbild als Gesundheitsstandort aufzubauen, erlebte der Königsteiner Kliniktag am Samstag nach mehr als zehn Jahren eine Neuauflage. „Ich freue mich sehr, dass wir den Kliniktag gemeinsam haben aufleben lassen. Die Stadt als heilklimatischer Standort ist auf die Kliniken angewiesen“, sagte Königsteins Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko in ihrer Begrüßung.

In den 2010er Jahren hatte es ihn in drei aufeinanderfolgenden Jahren gegeben, danach war er eingeschlafen – um jetzt als Gesundheitstag zurückzukommen. Nicht nur die Kliniken – es sind zusammen mit dem St. Josef Krankenhaus sieben – , auch die Stadt als heilklimatischer Kurort stellten ihre Angebote vor. Es gab einen Diagnose-Parcours entlang der Stände der Kliniken, auf denen die Besucher ihre Körperwerte – vom Blutzucker und Sauerstoffgehalt über ein EKG bis hin zur Bioelektrischen Impedanzanalye (BIA) – messen lassen konnten. Fachvorträge aller Kliniken und Führungen durch die beeindruckende KVB-Klinik, die immer noch das Flair des im Jahr 1907 gebauten Grand Hotels ausstrahlt, rundeten das Programm ab.

Und das Interesse der Menschen aus Königstein und auch aus den Nachbarorten war groß. „Wir sind super happy, dass das Angebot so gut angenommen wird“, freute sich Yvonne Mumm vom Stadtmarketing, die mit ihrem Eventteam die Veranstaltung geplant hatte, bereits am frühen Nachmittag.

Die Stände der Aussteller waren fast durchgängig gut besucht, viele Fragen wurden von den Fachleuten direkt beantwortet, man konnte sich von gesunden Aromen betören lassen oder am Stand der Klinik Amelung an Duftsäckchen auf einen Parcours der Sinne Sehen, Tasten, Schmecken und Riechen gehen.

Und im Vortragsraum waren oft mehr als 60 Zuhörer anwesend, wenn etwa das St. Josef Krankenhaus seine neuen Leistungen als demenzsensibles Krankenhaus vorstellte oder auch leitende Ärzte wie Dr. Caroline Jagella von der Migräneklinik und Dr. Birgit Bünger von der Klinik Dr. Steib mit Stigmata aufzuräumen versuchten, die mit einigen Krankheitsbildern wie Migräne und psychiatrischen Erkrankungen wie Depression noch immer verbunden sind.

Kliniken werden offener

Ja, das Thema Gesundheit, von Prävention über die Akuttherapie bis hin zu Rehabilitation, ist ein großes. Gerade in Zeiten, in denen die Politik mehr denn je Einsparpotenziale im Gesundheitssystem sucht und von Schließungen – meist kommunaler – Kliniken die Rede ist. Für viele eine wichtige Info am Gesundheitstag: Die Königsteiner Kliniken stehen gut und solide da. Die meisten Kliniken sind „offener“ geworden, haben Verträge mit privaten und gesetzlichen Versicherungsträgern oder auch mit der Deutschen Rentenversicherung geschlossen, akzeptieren Selbstzahler und haben zudem ambulante Angebote etabliert oder planen dies.

Oder sie planen Neubauten wie die Klinik Dr. Amelung oder bauen ihre Angebote gerade aus, wie die Asklepios-Klinik in Falkenstein ihren Intensivbereich. Die neurologische Akutklinik will Intensivpatienten, auch unter Beatmung, übernehmen, erklärte der kaufmännische Leiter der Klinik Falkenstein, Andreas Häfner. Es gehe darum, die Menschen von im Extremfall fast vollständiger Immobilität im Krankenbett so weit auf die Beine zu bekommen, dass sie im besten Fall laufend die Klinik verlassen. Mit 40 bis 44 Tagen Verweildauer ist die neurologische Reha wohl die anspruchsvollste, sie unterliegt keinem standardisierten Prozess wie etwa ein Gelenkersatz.

Thilo Kruse, Geschäftsführer der Klinik Königstein der KVB, die schon vor mehr als zehn Jahren einmal Gastgeber gewesen war, sagte, dass sein Haus noch besser belegt sei als vor Corona. Die Klinik ist schon lange mehr als eine für Bundesbahnbeamte (KVB). Sie ist eine Fachklinik für die Anschlussheilbehandlung und Reha bei Gefäß- und Herzerkrankungen, bei Diabetes und Adipositas sowie für Orthopädie, viele Menschen kommen nach Gelenkersatz hierher.

Die Reha-Patienten kämen aus einem Umkreis von rund 150 Kilometern, die Bahnbeamten sogar aus ganz Deutschland. Man arbeite gut mit den Akuthäusern und den Universitätskliniken Frankfurt und Mainz zusammen, bekommt auch Herzpatienten der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim zur Weiterbehandlung, so Kruse. Die Zahl junger Patienten habe nach Corona sogar zugenommen, das sei für ihn auffällig, auch wenn er keinen Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung herstellen wolle.

„Ich finde es wichtig, dass die Stadt mit uns zusammenarbeitet und uns unterstützen möchte“, lobte Kruse die Initiative zum Gesundheitstag. Die Kliniken würden sich schon lange miteinander austauschen. Denn sie sitzen einem Boot, hätten die gleichen Themen – und Probleme, wie insbesondere den Fachkräftemangel, der heute ja vor kaum einer Branche mehr haltmacht. Bei den einen sind es die Fachärzte, bei den anderen die Pflegefachkräfte, wo der Schuh klemmt. „Wir kommen uns hier nicht in die Quere“, sagte Stephan Köhler. Eine gemeinsame Pinnwand im Eingangsbereich zum Gesundheitstag mit Stellenangeboten zeigte auch, dass es im Gesundheitswesen durchaus interessante Perspektiven gibt.

Ganzheitliche Ansätze

Und es gibt neue Möglichkeiten für Betroffene. Die noch immer familiengeführte Klinik Dr. Steib hat eine Tagesklinik aufgebaut mit verkürzter Wartezeit für Menschen, die sich in einer „Abwärtsspirale“ befinden und die wieder fit werden wollen für den Job und den Alltag. „Jeder dritte Mensch kann an einer Depression erkranken, jeder vierte hat Angststörungen“, so die leitende Oberärztin Birgit Bünger. Dennoch warte man in der gut versorgten Region rund 120 Tage auf eine ambulante Psychotherapie, während es im ländlichen Raum sogar 250 Tage sind. Für Bürger im Hochtaunuskreis seien auch die Vitos-Klinken in Bad Homburg, die den Versorgungsauftrag haben, eine Anlauf­station.

Am Stand der deutschlandweit einzigartigen Migräneklinik informierte Dr. Ina Booke über die fünf Kriterien, von denen drei erfüllt sein müssen, damit ein Patient im Haus aufgenommen werden kann. Dazu zählen eine manifeste Einschränkung der Lebensqualität, ein drohender Medikamentenübergebrauch oder eine gravierende somatische Begleiterkrankung. Wöchentlich werden zwei Gruppen zu je acht Personen aufgenommen, meist für zehn Tage. Es existieren natürlich Wartelisten. Für extreme Akutfälle, bei denen ein Migräneanfall mehr als 72 Stunden anhält, gibt es auch eine kürzere Möglichkeit über fünf Tage.

Überall lautet der Ansatz, den Menschen ganzheitlich zu sehen, als „Gesamtkunstwerk“, und multimodal zu behandeln. Ernährung, Entspannung, Bewegung, Struktur im Alltag und die Selbstachtsamkeit, die immer höheres Gewicht erhält und mehr als ein Modewort ist, spielen eine ebenso wichtige Rolle wie die Medikation mit modernen, gut verträglichen Präparaten.

Auch die Verpflegung ist gesund

Auch die jungen Gäste, die zum Glück noch keine Zielgruppe der Kliniken sind, aber mit ihren Eltern gekommen waren, hatten Spaß am Kliniktag. Sie konnten am Kinderyoga mit Rosalie teilnehmen, auf einer Hüpfburg herumtollen und sich schminken lassen. Und wer – ob Groß oder Klein – bei all den Informationen und Angeboten zwischendurch Hunger bekam, der wurde von der Klinik Königstein auch noch gesund und kostenlos versorgt. Zu Vollkornbroten gab es leckere Aufstriche wie Kräuterfrischkäse, Hummus und Baba Garnoush, Sprossen als Topping sowie Obststücke und – man muss es nicht übertreiben – auch Gulaschsuppe und zum Nachtisch ein paar süße Teilchen.

Diesem Gesundheitstag konnte man wirklich kaum widerstehen.

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