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Königstein (as) – „Ein schöner Raum muss leben.“ Das ist ein Satz, der vieles verbindet für Esther Stella Scherer. Kreativität, Kultur, Handwerkskunst, die sich in Farben und Materialien sinnstiftend und nachhaltig verbinden. Das Schöne und das Lebendige – „Kunst. Kaschmir. Living“. Dafür steht Stella Esvara. Mit ihrem selbst geschaffenen Modelabel kommt die Königsteinerin Esther Stella Scherer diesem Gleichklang sehr nahe.
Die Tochter von Diplomaten, in Manila geboren, Kommunikationswissenschaftlerin, die unter anderem für Porsche internationale Communities betreute und die Welt gesehen hat, hat nach einem Wendepunkt in ihren Leben zu ihrem Inneren, zu ihrer Kreativität gefunden. „Liebend gerne hätte ich Kunst studiert“, blickt die 59-Jährige zurück, doch das Elternhaus hatte den Weg in die Industrie vorgezeichnet. Eine schwere Krankheit war schließlich der Auslöser, den harten Cut zu machen. „Ich wollte nicht mehr ein Leben leben, das nicht mehr meins war“, sagt sie.
2013 gründete sie zunächst eine eigene Schmucklinie, prägend war dann das Jahr 2017, als sie in Nepal die traditionell Handwerkskunst rund um Teppiche und Kaschmir entdecken durfte. Zusammen mit ihrer Leidenschaft für besondere Materialien, die sie während einer beruflichen Station in der italienischen Textilindustrie in Mailand und Como entwickelt hatte, war der Weg bereitet, all diese Inspirationsquellen in der Marke Stella Esvara zu verarbeiten. Im Hinduismus bezeichnet Ishvara die höchste Gottheit, die Desigerin aus Königstein sieht in ihrer Wortschöpfung ein „Geschenk Gottes“, denn es sind die Initialen ihrer Familie: Esther Stella, der Kinder Valentina und Vincent (ein V auf den Kopf gestellt als A) und von Ehemann Raphael.
Pop-up-Store in der Hauptstraße
Ein „Geschenk“ hat sie jetzt auch allen Menschen mit Gespür für Luxus und Design jenseits der großen Markennamen – und auch ein wenig sich selbst – gemacht. Esther Stella Scherer hat ein wunderbares Kleinod geschaffen in einem ruhigen Hinterhof der Königsteiner Innenstadt. In der Hauptstraße 25a, wo einst Wohnkultur Klautke zu Hause war, hat sie ihren Pop-up-Store eingerichtet. Auf Zeit, vielleicht auch für länger. Nach einer kurzen Testphase im April wird sie bis zu den Sommerferien immer freitags von 11 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 16 Uhr die Räume öffnen.
Und sie schlägt damit noch bewusster ihren eigenen Weg ein. Drei Jahre hatte sie bereits ein Atelier in der hinteren Hauptstraße, zuletzt nochmal drei Jahre einen Concept Store in der Frankfurter Innenstadt. Sie habe Schmuck und Interior zukaufen müssen, erzählt Esther Stella Scherer, sich für das Klientel in der Großstadt „verbiegen“ müssen, wo sie in Konkurrenz stand zu Modegeschäften, die zweimal pro Jahr neue Kollektionen raushauen. Jetzt ist sie zurück in Königstein, als weit Gereiste quasi Angekommene, fühlt sich wohl in dem Fachwerkhaus, dessen Obergeschoss mit der Dachschräge Ateliercharakter hat.„Ich will wieder mehr malen. Es ist für mich auch eine Rückbesinnung auf Kunst.“
So ist auch der Prozess zu verstehen: Am Anfang steht immer das Bild, das sie mit Acryl- oder Ölfarben malt. Bei Esther Stella Scherer sind das oft florale Motive in Orange- und Pinktönen oder die blauen Farbwelten des Meeres. So unterschiedlich sind auch die beiden Stockwerke des Pop-up-Stores gehalten. Anleihen hat sie bei Maori-Tattoos genommen, und vieles entspringt ihrer Seele, ist „Ausdruck des gelebten Lebens“, wie sie sagt. Man sieht Tiger im Dschungel, einen Feuerfisch und – ein Lieblingsmotiv – eine Meeresschildkröte.
Vom Bild zum Tuch zum Teppich
Das Motiv des Bildes wird per Siebdruck auf das Kaschmir-Tuch übertragen. Je mehr Farben, desto aufwendiger. Gewoben wird das Tuch nachhaltig und unter Beachtung des Fair-Trades mit Unterstützung der örtlichen Strukturen in Nepal. Alle Tücher sind auf wenige Exemplare limitiert. Eine Maßschneiderin im Taunus sorgt schließlich für die maßgenaue Anpassung der Kaschmir-Pullover oder auch der Blusen aus echter Seide. Dazu zieht die Designerin der Kundin gerne eine maßgeschneiderte Lederhose an, das Lammnappaleder stammt – ebenfalls nachhaltig – aus Frankreich.
Lederhose, darauf lässig der Pulli oder die Bluse und darüber elegant das Tuch – das ist die Mode, die Esther Stella Scherer machen will. In Zukunft wird sie zudem wieder verstärkt auf Teppiche aus Wolle und Seide setzen, die von Tibetern in Nepal, dem Land der Knüpfkunst, gefertigt werden und die ihre Bilder und Entwürfe quasi ins Großformat übertragen. „Die Leute, die meine Teppiche gekauft haben, sind die Mutigen. Es sind die, die Kunst nicht nur an der Wand, sondern auch mal auf dem Boden haben möchten.“ Koi-Teppiche seien aktuell die beliebtesten, sagt die Künstlerin.
Sie nimmt auch Auftragsarbeiten an, erarbeitet mit den Kunden in deren Haus die Designs und Farben der Teppiche, die zum Rest des Raumes passen. Das können auch Familienwappen, Sternzeichen, Grafiken sein. Sie habe einen Koffer mit 1.200 Farben, Grenzen gibt es keine im Rausch der Farben. Rund 750 Euro pro Quadratmeter müsse man für einen Teppich aus Tibet einplanen, drei bis vier Monate beträgt je nach Größe die Herstellungszeit für ein echtes Unikat.
Früher hat sie sich auch verstärkt dem Interior Design gewidmet. Ganze Häuser gekauft, künstlerisch hochwertig ausgestattet und dann komplett eingerichtet wieder verkauft. Ein Objekt in Oberursel befindet sich gerade noch in der finale Phase. Doch dieses Geschäft sei schwierig geworden, man müsse auch investiv einen langen Atem haben.
Im Store gibt es im Übrigen auch Stücke „prêt-à-porter“ in Standardgrößen im Abverkauf, da sie diesen Bereich aufgibt. Die Design-Maßkonfektion, Teppiche und das Interior Design sind ihr Weg, den sie gehen möchte, erklärt Esther Stella Scherer. „Echte Liebhaber kaufen zweimal im Jahr ein Teil von hoher Qualität“, sagt sie. Das sind die Kunden im Taunus – ihre Stammkunden, die natürlich auch den neuen Store entdeckt haben – und jene, die auch das Schmuckkästchen etwas abseits der Königsteiner Fußgängerzone in den kommenden Wochen noch kennenlernen möchten.
Stella Esvara
Hauptstraße 25a
61462 Königstein
Freitag 11–18 Uhr, Samstag 11–16 Uhr
Instagram: stellaesvara


