Königstein (as) – Mit seiner Mitgliederversammlung wollte sich der Verein Leselust Königstein e.V. am Montagabend vergangener Woche nicht lange aufhalten. „Wir haben keine 40 Minuten dafür gebraucht“, sagte die Vorsitzende Christine Saarholz lachend, und in der Zeit wurde sogar der Vorstand gewählt, in dem Jürgen Knauer als neuer Kassenwart und Nachfolger von Michael Legeland die einzige Veränderung ist.
Viel lieber wollten sich die Förderer der Lust am Lesen in Königstein vom Obergeschoss der Stadtbibliothek schnell eine Etage nach unten bewegen, wo bereits ein Empfang zum zehnjährigen Bestehen von Leselust Königstein aufgebaut worden war, um mit Vertretern von Stadt, Politik und Gesellschaft auf das erste „richtige“ Jubiläum anzustoßen.
Der Förderverein wurde im März 2016 von den gleichen Protagonistinnen gegründet, die noch heute an dessen Spitze stehen: Neben Christine Saarholz die 2. Vorsitzende Sabine Ruoff sowie Marie-Charlotte Siepenkort und Sandra Bongartz. Der Verein verpflichtete sich des „Förderns von Kunst und Kultur im Bereich des Lesens“, beschrieb die Vorsitzende in ihrer Begrüßung den selbst gewählten Vereinszweck. Damals wie heute standen die sogenannten freiwilligen Leistungen der Stadt unter finanziellem Druck, Einschränkungen in Öffnungszeiten und Beschaffungen standen zu befürchten. Über die vergangenen Jahre konnte dank der Unterstützung von Leselust Literatur angeschafft werden, ein interaktives Smart Board zum Schreiben, aber auch als Schnittstelle ins Netz, Karten für die Buchmesse sowie auf Initiative der neuen Bibliotheksleiterin Jana Beier eine Spielesammlung für die Spielabende, die direkt gut angenommen wurde.
In literarische Welten entführt
Nicht zuletzt konnten bekannte wie aufstrebende Autorinnen und Autoren zu Lesungen in die Stadtbibliothek gelockt werden, um die immer wieder zahlreich interessierten Bürger in literarische Welten zu entführen. Im vergangenen Jahr kam noch die Teilnahme am Festival „Frankfurt liest ein Buch“ mit der spektakulären Lesung von Dirk Kurbjuweit in der Erdbebenwarte am Kleinen Feldberg dazu.
Und nicht zuletzt, sondern zuvorderst, sei die derart lebendige Stadtbibliothek ein „Treffpunkt, Lernort, kulturelles Wohnzimmer und Zufluchtsort“ in der Stadt, so Christine Saarholz, die sich natürlich auch über die Google-Bewertung von 4,9 – die beste aller öffentlichen Einrichtungen in der Stadt – freut. Weitere große literarische Erlebnisse – etwa eine szenische Lesung für Erwachsene aus Dracula mit Rainer Rudloff am 8. Juli auf der Burg und ein Besuch der ehemaligen ARD-Korrespondentin Annette Dittert im Herbst, kündigte der Vorstand von Leselust ebenfalls schon an für den weiteren Verlauf des Jubiläumsjahrs, in dem passenderweise zehn Veranstaltungen geplant sind.
Der „Dritte Ort“
Wie wichtig das Vorhandensein einer Bibliothek als Ort der Begegnung ist, griffen auch die frühere und heutige Stadtbibliotheksleiterin auf. Simone Hesse sagte, dass „wirklich jeder hereinkommen darf“, das habe sie – von der Baronin bis zum Obdachlosen – wahrhaftig so erlebt. Und Jana Beier kam auf die Begrifflichkeit des „dritten Orts“ zu sprechen, eben jenem Ort neben dem Arbeitsplatz und dem Zuhause, in dem sich das Leben abspielt. Seit rund einem Jahr würden an der Tür die Besucherzahlen gemessen, und die Zahlen gingen stetig nach oben. Am Nachmittag sei zum Beispiel im ersten Stock kaum ein freier Platz an den Tischen zu ergattern, weil Schülerinnen und Schüler so zahlreich die Stadtbibliothek nutzten und in der Lernecke auch Nachhilfe gegeben werde. Und wenn die Türen der Bibliothek montags geschlossen bleiben und trotzdem Menschen im Inneren umherwuseln, dann liege es nicht daran, dass man keine Bücher herausgeben wolle, erklärte die Leiterin – sondern dass es für das Team auch organisatorisch und verwaltungstechnisch viel zu tun gebe. Und überhaupt hoffe sie, so Beier, dass auf ihr erstes Jahr mit Leselust „noch viele folgen werden“.
Standort bis 2030 gesichert
Dass es in den kommenden Jahren erst einmal so weitergehen wird wie zuletzt, das bestätigte Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko in ihrem Grußwort. Die Zukunft am Ort in der Wiesbadener Straße bis zum Jahr 2030 sei „fest gesichert“. So lange läuft der Mietvertrag der Stadt mit dem Hauseigentümer. Danach könnte allerdings Bewegung aufkommen. Den städtischen Gremien liegt ein Prüfantrag vor, die Stadtbibliothek im Zuge des Neubaus der Grundschule an die Schulbibliothek anzudocken. Darüber halte sie aber auch immer die Augen offen, wenn es um mögliche Immobilien für die Stadtbibliothek gehe, so die Bürgermeisterin. „Dann will ich einen Fuß in der Tür haben und weiter für das Thema kämpfen.“
Und an das Team von Leselust gerichtet sagte Schenk-Motzko: „Sie tragen dazu bei, dass die Bibliothek ein lebendiges kulturelles Zentrum in Königstein bleibt. Das verdient meine größte Anerkennung.“
Einen sehr schönen Vergleich zog schließlich der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Michael Hesse, ein bekennender und belesener Bücherfreund – und zwar zwischen einer Bibliothek und der Feuerwehr. Das eine ist eine freiwillige Aufgabe, das andere eine Pflichtaufgabe einer Stadtverwaltung – aber beides eine „Notwendigkeit“, wie Hesse befand. Bei einer Feuerwehr sei diese Notwendigkeit offensichtlich, bei einer Bibliothek mit ihrem hohen Wert für das soziale Verhalten und die Kultur würde ein Fehlen dagegen erst langfristig sichtbar. „Aber die Schäden wiegen genauso schwer wie ein Brand, den niemand löscht“, so Hesse. „In diesem Sinne ist das Engagement von Leselust ein kultureller Brandschützer. Machen Sie weiter so!“ Und darauf konnten noch einmal die Gläser erhoben werden …

