Der „neue“ Heimatverein Mammolshain steckt voller Ideen

Christian Müller vom Heimatverein ehrte Kerstin Bremm für den Sieg beim Fotowettbewerb mit dem Bild von den Sitzkastanien (oben links, große Aufnahme in der Ausgabe KW 33) und Bernhard Bunte für den zweiten Platz.Foto: Schramm

Mammolshain (as) – Die neuen treibenden Kräfte im Heimatverein Mammolshain haben sich schon bestens in ihrer Materie eingelebt. Zeitsprünge zwischen der Bestandspflege der umfangreichen Sammlung des 1992 gegründeten Vereins und der Gang in die Öffentlichkeit mit aktuellen Attraktionen nehmen die Heimatliebhaber scheinbar problemlos.

So stand der Sonntag vor einer Woche im Dorfgemeinschaftshaus unter dem Themenbogen „Mammolshain – wie es heute ist“ und „Mammolshain – wie es einmal war“. Teil eins, das Heute, war die Ausstellung und die Kür der Gewinner zum Fotowettbewerb in diesem Frühjahr. Und Teil zwei, das Früher, war die Neueröffnung der Dorfstube mit dem angeschlossenen Bürgermeisterzimmer, in denen die wertvolle Sammlung des Heimatvereins neu strukturiert und mit vielen bisher nicht gezeigten „Schätzen“ der Dorfgeschichte erstmals gezeigt wurde.

Beides interessierte im Ort derart viele Menschen, dass das Obergeschoss des Dorfgemeinschaftshauses während der kompletten drei Stunden gut besucht war, zumal es die an den Öffnungstagen der Dorfstube obligatorischen selbst gebackenen Kuchen sowie Kaffee und kühle Getränke gab. Bei der Bekanntgabe der Gewinner des Fotowettbewerbs wollten sogar an die 40 Gäste dabei sein, darunter natürlich auch viele, die selbst teilgenommen hatten. Kastanien, Apfelbäume, der Hardtbergturm, Begegnungen oft zwischen Mensch und Tier, der Blick von Mammolshain aus auf die Frankfurter Skyline und schöne Einstellungen im Gegenlicht, das waren die großen, sich wiederholenden Themen der 30 Bilder, wobei pro Teilnehmer maximal zwei Fotos erlaubt waren. „Wir waren sehr beeindruckt von den Bildern, wir hätten am liebsten alle prämiert“, sagte Christian Müller, einer der sieben „Neuen“ im Heimatverein, der die Siegerehrung moderierte. Er berichtete von den Schwierigkeiten, welche die neunköpfige Jury, zu der auch die beiden derzeit noch einzigen offiziellen Vorstandsmitglieder Martin Igges und Thilo Maier zählten, zu lösen hatte. Je nachdem, welche Kriterien man anlegte, seien ganz unterschiedliche Ergebnisse herausgekommen. Es habe also eine Weile gedauert, bis die Kriterien klar waren und man sich auf ein Ergebnis einigen konnte. Das „Typische“ Mammolshains sollte auf jeden Fall herauskommen. So wie beim Foto des dritten Platzes: Apfelbäume, Gerätschaften, ein Hund und eine wunderbare Morgenstimmung hatte Chiaki Bosserhoff eingefangen. Ebenfalls typisch Mammolshain ist der Blick von Süden, wenn man sich durch die Grumbachhohl so langsam der Schwalbacher Straße nähert und sich wie auf dem zweitplatzierten Bild von Bernhard Bunte von grün und golden leuchtenden Bäume umgeben sieht.

Und auch beim Gewinnerbild (s. KöWo KW 33, S. 4) war es nicht St. Michael oder ein anderes Motiv aus dem bebauten Teil der Gemeinde, sondern der Aussichtsbalkon Mammolshains schlechthin: die Sitzkastanien am City-Blick einige hundert Meter hinter dem Friedhof in der verlängerten Schulstraße. Auf dem Foto von Kirsten Bremm stimmte einfach alles: Farben, Licht, Wetter, Himmel mit wunderschönen Schleierwolken, und auch eine für den Ort typische Edelkastanie ist darauf zu erkennen. „Ich habe dort sicher schon hundert Mal fotografiert und musste mich entscheiden“, sagte die Gewinnerin. Ganz offensichtlich für das richtige Foto. Für die drei Gewinner gab es eine neue, bisher nur in kleiner Auflage erschienene Tasse des Heimatvereins mit dem Dorfwappen und je nach Platzierung eine blinkende 1, 2 oder 3.

Das nächste Projekt könnte sein, aus Bildern des Wettbewerbs einen Kalender für das Jahr 2027 zu machen und diesen auf dem Weihnachtsmarkt zu verkaufen – dass das schon mal funktioniert hat, zeigten zwei Kalender früherer Jahre von Walburga Wiese, die ebenfalls an dem Sonntag nochmals angeschaut werden konnten.

Das Bild schmückt bereits die Homepage www.heimatverein-mammolshain.de – noch so eine alte Baustelle, die der verjüngte und personell jetzt deutlich breiter aufgestellte „Vorstand“ in Person von Webdesigner Adam Suchanek erfolgreich geschlossen hat. Offiziell sind die sieben Neuen, deren Interesse im Spätwinter den Verein vor der Auflösung bewahrt hatte, ja noch gar nicht im Vorstand. Gewählt werden sollen sie aber bei der Mitgliederversammlung im Herbst, und man ist optimistisch, dass alle oder zumindest die allermeisten aus dem Kreise dann auch offiziell weitermachen werden. Da die Satzung ohnehin angepasst werden muss, so Martin Igges, könnten dann auch beliebig viele Beisitzer gewählt werden, denn aktuell gibt es nur vier Vorstandsämter. Und am Sonntag trat gleich das nächste neue Mitglied dem Verein bei. Markus Hein kam nach einer Fahrradtour noch vorbei, nachdem er in der KöWo von der Veranstaltung gelesen habe. Seit zehn Jahren lebe er mit seiner Familie im Ort, „und man lernt die Geschichte und Kultur zu schätzen“, so Hein. Obwohl beruflich eingespannt und noch mit relativ kleinen Kindern könne er sich vorstellen, mitzuhelfen – „ es ist einfach toll, diesen Verein zu haben“.

Einfach toll, um bei dieser Formulierung zu bleiben, ist auch das, was die Neuen, insbesondere Marcella Müllerova und Nastia Wild, in den vergangenen Monaten in der Dorfstube erarbeitet haben. Die größte Veränderung auf den ersten Blick: In den Vitrinen sind an mehreren Stellen Texte durch Gegenstände ersetzt worden. „Wir haben einen riesengroßen Schatz vorgefunden und wir hatten sehr viel Respekt davor, an diese schönen Sachen anzuknüpfen“, sagte Marcella Müllerova bei der kurzen Vorstellung der bisher geleisteten Arbeit fast demütig. Und Nastia Wild sagte, beim Stöbern in den Schubladen mit all den noch nicht gesichteten Sammlerstücken habe sie sich „in diesen Ort verliebt“. Vieles von der bisherigen Ausstellung sei auch beibehalten worden. Aber die Reihenfolge hat sich geändert, wenn auch die erste Vitrine die mit den Dokumenten zur Gründung Mammolshains im Jahr 1191 geblieben ist. Ein Siegel mit dem Wappen, auf das Mammolshain so stolz ist, ist dort zu sehen. Der große Ausstellungsteil zur Kronthaler Quelle mit seinem Exportschlager, dem Mineralwasser, ist nochmals erweitert worden und mit der Scherbe einer Flasche aus dem 19. Jahrhundert auf die andere Seite der Dorfstube gewandert. Es gibt eine Vitrine, die der Kirche gewidmet ist, jene zur Schule wurde stark ausgebaut – und man will künftig für die Grundschule Ausstellungen und Führungen organisieren.

Generell möchte der Verein noch mehr als bisher möglich mit Alt-Mammolshainern in Kontakt kommen, um das Wissen, das es im Ort noch gibt, nutzen zu können. Ein „Buch der Rückmeldungen“ für Ideen, Kritik und Wünsche wurde bereits ausgelegt.

„Das, was Sie hier sehen, ist ein Zwischenstand“, so Müllerova. Die Geschichte der Landeskinderheilstätte Mammolshöhe und die dortigen Medikamentenversuche des NS-Arztes Werner Catel noch in der Nachkriegszeit möchte man stärker herausarbeiten. Und auch ein zweites – eher internes – dickes Brett möchte man bohren. Als Nächstes stehe die Inventarisierung aller Gegenstände an, ein entsprechendes Programm wurde bereits angeschafft.

Eine besondere Idee des neuen Teams war, die Exponate und Original-Kleider zum Themenschwerpunkt Hochzeit ins ehemalige Bürgermeisterzimmer zu verlegen. Denn hier wurden bis zum Ende der Eigenständigkeit Mammolshains 1972 die Ehen geschlossen – und, die große Überraschung des Tages, es kann auf Wunsch künftig wieder standesamtlich in diesem Raum geheiratet werden. Das Standesamt Königstein habe sein Okay dazu gegeben, berichtete Nastia Wild. Für die Neueröffnung der Dorfstube wurde das Trauzimmer nochmal mit viel Liebe zum Detail hergerichtet, wie es laut dem vorliegenden Fotomaterial vor weit mehr als 50 Jahren ausgesehen hatte.

Und auch eine Sonderausstellung auf dem großen Mitteltisch fehlte in alter Tradition nicht. Zu „Mammolshain – wie es einmal war“ gehört auch die Geschäftswelt. Zu sehen waren Anzeigen und Fotos zu den gut und gerne 50 Geschäften aus einer Zeit, als es noch keine Globalisierung gab und alles Lebensnotwendige und noch etwas mehr im Dorf zu bekommen war. Für viele Alt-Mammolshainer gab es an diesem Tag somit ein Wiedersehen zum Beispiel mit dem Lebensmittelhandel Reul, mit dem „Backes“ in der Borngasse, mit der Trinkhalle von Ferdinand Sonnet im Kronthal oder mit der Obst-Sammelstelle Steyer in der Kurve zur Vordergasse, wo in der Scheune „tonnenweise Kronberger Erdbeeren“ zum Weiterverkauf an den Handel gesammelt wurden.

„Es gefällt mir sehr gut, was hier gemacht wurde“, sagte Bernd Hartmann, der frühere Ortsvorsteher und, gemeinsam mit seiner Frau, Gründer des Heimatvereins und Wegbereiter der Sammlung in der Dorfstube. Ein größeres Lob kann es nicht geben für das neue, dynamische und sicher noch mit vielen weiteren Ideen ausgestattete Team des Heimatvereins.

Weitere Artikelbilder



X