Hitzerekord bei der Schnaademer Kerb tat der Stimmung keinen Abbruch

Brauchtum verpflichtet und macht auch bei sengender Hitze Spaß. Am Samstag versammelten sich die aktuellen Kerbeborsch und -mädels gemeinsam mit Altkerbeborsch und offensichtlich auch einigen künftigen Kandidaten zum Umzug an der Johanniswaldkurve. Foto: Diehl

Schneidhain (nd) – Am vergangenen Wochenende wurde in Schneidhain trotz brütender Hitze groß gefeiert. Endlich war es wieder so weit – die Kerb hielt Einzug in Königsteins einwohnerstärkstem Stadtteil. Zu diesem Anlass hatten die Schneidhainer ihre Häuser dekoriert. Neben den Deutschlandfahnen für die Fußball-Weltmeisterschaft hingen Flaggen und Bänder in Gelb und Weiß im kaum vorhandenen Wind – den Farben der Kerb. Für die Birkenzweige an Laternen und Zaunpfählen hatten die Kerbeborsch und -mädels gesorgt. Traditionell findet die Kerb, also das Kirchweihfest, rund um den Johannistag am 24. Juni statt, denn sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche in Schneidhain sind dem Heiligen „Johannes dem Täufer“ geweiht. Die Kerb wird vom Heimat- und Brauchtumsverein Schneidhain (HBV) ausgerichtet.

Pfarrer Chevallier hält Gottesdienst

Dem Brauchtum entsprechend ging es am frühen Freitagabend mit dem Kerbegottesdienst im Festzelt los. Die Predigt und damit die Segnung der Kerb und der Kerbefahne übernahm erstmalig der neue evangelische Pfarrer Léandre Chevallier. Die Fahne wird jedes Jahr von den Kerbeborsch und -mädels selbst gestaltet. Dieses Mal zierte sie ein Bembel mit Geripptem, der Kerbebaum mit dem Festzelt, der Kuckuck, ein blondes Kerbemädel und das Schneidhainer Wappen.

Ab 21 Uhr wurde auf dem Kerbeplatz vor der Heinrich-Dorn-Halle dann ausgelassen getanzt. Der Zweite Vorsitzende des Heimat- und Brauchtumsvereins Schneidhain, Oliver Ernst, legte mit Unterstützung von Adrian Klinger die größten Partyhits auf. Von „Bella Napoli“ bis hin zu „Wackelkontakt“ – die Besucher sangen jeden Partyknaller aus voller Brust mit. Wie schon in den vergangenen Jahren musste pünktlich um Mitternacht die Musik abgeschaltet werden, so gebietet es die Lärmschutzverordnung; doch bis dahin bebte das Zelt.

Die hohen Temperaturen taten zwar der Stimmung keinen Abbruch, allerdings waren von vornherein weniger Feierwütige gekommen. „Wir merken die Hitze schon ein bisschen an den Besucherzahlen“, so Christine Grafe-Vidakovich, Erste Vorsitzende des HBV.

Kleinerer Umzug, Baum stand bereits

Am Samstagnachmittag führte der Festumzug die Kerbeborsch und -mädels über die Wiesbadener Straße zum Kerbeplatz. Die Sperrung der Bundesstraße übernahm für die kurze Dauer die Verkehrswacht. Normalerweise wäre im Zuge der Parade auch der Kerbebaum zum Festplatz gebracht und aufgestellt worden. Bei Temperaturen um die 40 Grad Celsius eine unnötige Gefahr für die Gesundheit der Borsch und Mädels. So hatten die Vorsitzenden des HBV entschieden, dass der Nadelbaum schon am Morgen, nachdem er aus dem Wald geholt worden war, aufgestellt wurde. Hinter dem Unimog von Uwe Gregori, der den Zug traditionell anführt, feierten die Kerbeborsch und -mädels trotzdem aus vollem Herzen. Singend begaben sie sich zum Kerbeplatz, wo der Schlagges, also die Kerbepuppe, schon hoch oben im Baum thronte, um über die Kerb zu wachen. „Es war eine gute Entscheidung, den Baum früher zu stellen“, bestätigte Moritz Grafe. Grafe ist in diesem Jahr erstmals der „Chef“ der Kerbeborsch und wird in dieser Funktion ebenfalls als Schlagges bezeichnet.

Bongaz und Kerbegesänge

Wie schon in den vergangenen Jahren spielte am Samstagabend wieder die Partyband Bongaz im Festzelt auf. Die Musiker sind jedes Mal ein Garant für gute Stimmung. Neben der Livemusik hallten unzählige Kerbegesänge über den Platz, denn es waren auch wieder zahlreiche andere Kerbegesellschaften gekommen, darunter Heftrich, Altenhain und Liederbach. „Die Schnaademer Kerb ist einfach toll“, so Linus Helmke, Vize-Schlagges der Liederbacher Kerbeborsch. „Wir hoffen auf einen Gegenbesuch der Schnaademer Kerbeborsch bei der Liederbacher Kerb vom 24. bis zum 28. September“, ergänzte Helmke. Es gehört zum Brauchtum, sich gegenseitig zu besuchen. Ebenfalls zu den alten Gepflogenheiten gehört es, dass andere Kerbegesellschaften den Schlagges vom Baum klauen. Dieser müsste dann teuer „freigekauft“ werden. So hielten auch die Schnaademer Kerbeborsch und -mädels jede Nacht tapfer Wache unter dem bunt geschmückten Nadelgewächs.

Frühschoppen mit Blaskapelle

Trotzdem schafften es die jungen Frauen und Männer, pünktlich um 10 Uhr am Sonntagmorgen den traditionellen Weckruf durch Schneidhains Straßen hallen zu lassen. Der Weckruf soll die Bürger zum Festplatz locken, wo die Egerländer Blaskapelle zum Frühschoppen aufspielte.

Es lohnte sich, direkt vor Ort zu bleiben. Beim Familiennachmittag gab es nicht nur Unterhaltung für die Kleinsten. Die Auftritte der Kinder- und Teenie-Tanzgruppen des HBV gehören zu den Höhepunkten für jedermann. Ein umfangreiches Kuchenbuffet und leckerer Kaffee trugen ebenfalls zur guten Stimmung bei.

Schlagges wird zu Grabe getragen

Am Montag nahm das Festwochenende mit der After-Work-Kerb ein letztes Mal Schwung auf, bis schließlich der Schlagges zu Grabe getragen wurde. Die Beerdigung der Kerbepuppe wurde von lautem Wehklagen begleitet, schließlich leitet sie das endgültige Ende der Kerb ein.

Die gegenseitige Unterstützung wurde wie jedes Jahr großgeschrieben. Den Dienst hinter der Theke übernahmen unter anderem die Schnaademer Altkerbeborsch und die Mammolshainer Kerbeborsch.

Für die Verpflegung war natürlich ebenfalls bestens gesorgt – besonders beliebt war der „Äppler“ der Apfelschmiede, aber auch die Würstchen und der Spießbraten der Imbiss­bude wurden trotz der Hitze gerne verspeist. Ebenso hoch im Kurs waren auch wieder das kleine Kinderkarussell und der große Autoscooter, auf den die Schneidhainer Kerbeborsch und -mädels besonders stolz sind.

Die Stadtteilkerben Königsteins sind ein wichtiger Meilenstein für Feierfreudige, denn die Schneidhainer Kerb ist eine der ersten im Jahr, während die Mammolshainer Kerb Anfang Oktober eine der letzten der Saison ist.

In Schnaadem kann nun die Planung für die Kerb 2027 beginnen. Die diesjährige Kerb wird nicht nur als ein sehr schönes Wochenende in Erinnerung bleiben, sondern sicher auch als eines der heißesten Kirchweihfeste überhaupt.

 

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