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110 Jahre jung – Kronberger Musikverein feierte Geburtstag

Mit Freude und viel Anerkennung ehrte Marco Behrendt (links unten), Geschäftsführer des Hessischen Musikverbandes, Günter Ott und Ehrenvorsitzenden Hans Hartmann für jeweils 60 Jahre Mitgliedschaft im Musikverein Kronberg. Sowohl Musiker als auch Publikum honorierten die jahrzehntelange Treue wiederum mit stehenden Ovationen. Fotos: Pfeifer

Kronberg (pit) – Nah beieinander liegen bei einem Vereinsjubiläum stets Rückblick und Ausblick. Dass sich dies nicht nur in profunder Weise mit vielen Worten darstellen lässt, sondern auch durch Melodien und Bilder bewies der Musikverein Kronberg anlässlich seines 110. Geburtstages.

An zwei Tagen lud er hierzu in die Stadthalle der Burgstadt ein und begeisterte sein treues Publikum mit einem Konzert, das dem sowohl würdigen als auch fröhlichen Anlass vollauf Rechnung trug. „Es war ein Montag, jener 17. März 1906, als elf musikinteressierte Männer den Humoristischen Musikverein Kronberg gründeten“, verriet Peter Ruth, derzeit kommissarischer Vorsitzender dieser Institution. Die Umbenennung in den heute geläufigen – wenn auch anders geschriebenen – Musikverein Cronberg habe lediglich vier Jahre später stattgefunden.

Wie den Annalen zu entnehmen ist, gab es jedoch zwei längere Pausen in der Vereinsgeschichte. Beide waren den Weltkriegen geschuldet. „Aber eines ist bis heute unverändert geblieben, nämlich was in der ursprünglichen Vereinsbezeichnung enthalten war: der Humor und die Hingabe zur Musik!“, versicherte Peter Ruth. Davon zu überzeugen, blieb kurz darauf den aktiven Mitgliedern des etwa 50-köpfigen Orchesters unter der nuancierten und humorvollen Leitung von Jörg Senger überlassen. Eine Herausforderung, die es mit dem „Königsmarsch“ aus der Feder von Richard Strauss gleich zur Eröffnung hervorragend meisterte, da es hiermit kraftvoll und ehrwürdig auf ein Jubiläumskonzert einstimmte, das diese Bezeichnung verdiente.

Für die Moderation war Angelika Hartmann zuständig, die diesen Part wie in den Vorjahren mit viel Charme und sehr kenntnisreich bewältigte. So berichtete sie, dass Maurice Ravel einst über den von ihm komponierten „Bolero“, der als nächstes zur Aufführung gelangte, gesagt haben soll: „Ich habe nur ein Meisterwerk gemacht, das ist der Bolero; leider enthält er keine Musik.“

Das hat Amanda McBroom gewiss nicht einen Moment von dem Lied „The Rose“ gedacht, das sie 1979 verfasste und aus dem gleichnamigen Film stammt, der das Leben der legendären Blues-Sängerin Janis Joplin erzählt. Und nicht nur Bette Midler, die ihn einst interpretierte und damit einen Top-Hit landete, konnte dafür Lorbeeren einheimsen, sondern auch die Musiker des Musikvereins ernteten für die gekonnt dargebotenen poetischen Klänge über die „Blume der Liebe“ viel Beifall.

Eine überaus reizvolle Untermalung bekam anschließend die lyrisch-poetische Komposition „This Majestic Land“ von Michael Hoppe, zu der ein Film mit Landschafts- und Tieraufnahmen gezeigt wurde, den der Flügelhornist Henning Roddewig entdeckt hatte. Und mit „Alte Kameraden“ erklang dann der wohl meistgespielte deutsche Militärmarsch, der sich auch im Ausland großer Beliebtheit erfreut. Was hierbei wohl kaum jemand merkte: Ehrenvorsitzender Hans Hartmann, der eigentlich während des gesamten Konzerts am Keyboard saß, spielte bei diesem Stück wieder mal seine alte Trommel.

Am Jugendorchester war es dann, mit vier Darbietungen und einer weihnachtlichen Zugabe zu zeigen, was es in den vergangenen Monaten einstudiert hatte. Beachtlich war aber nicht nur das Spiel an sich, sondern das sichtliche neue Anwachsen dieses Klangkörpers. Denn aufgrund der vielen Wechsel vor etwa zwei Jahren von der Jugendabteilung zu den Großen war dieses Orchester kurzfristig immens geschrumpft, was seine Mitgliederzahl betrifft. Aber die gute Werbung und die bekannt gute Jugendarbeit des Vereins hatten ganz offensichtlich dazu geführt, dass dies nicht von Dauer war.

Wenn sie auch im Programm nicht an erster Stelle standen, so ernteten sie wohl den größten Beifall: die langjährigen überaus verdienten Angehörigen des Vereins, die im Laufe der Zeit so viel zum erfolgreichen Wirken beigetragen hatten. Insgesamt 13 Personen waren es in diesem Jahr, deren Vereinsmitgliedschaft sich nunmehr rundete. Der Jüngste unter ihnen war mit 20 Jahren Karsten Schmidt, der – ebenso wie Norbert Nicolay – seit zehn Jahren dem Verein angehört. Der Älteste mit 93 Jahren ist Paul Wolf und zählt seit 60 Jahren zu dessen Mitgliedern. Ebenso wie Peter Jochmann (ebenfalls 60 Jahre dabei) konnte er an diesem Tag nicht persönlich geehrt werden, dafür aber Hans Hartmann und Flügelhornist Günter Ott, die auch 1956 in den Musikverein eintraten.

Und spätestens bei Betrachtung des Wirkens von Hans Hartmann wurde die enge Verbundenheit der Familie mit dem Musikverein deutlich. Denn dessen Vater hatte bereits den Vorsitz inne, den Hans Hartmann – er löste später Peter Jochmann ab –, ebenfalls einnahm und 27 Jahre zum Vereinswohl ausübte. Und seine Tochter wiederum ist jene Angelika Hartmann, die so gekonnt durch den Abend führte.

Während es für stolze sechs Jahrzehnte Mitwirkens keine passende Nadel mehr gab, konnte Matthias Ott eine Silberne mit Goldrand entgegennehmen. Auch seine 40 Jahre Vereinstreue sind keine Selbstverständlichkeit. Für die Ehrungen selbst war mit Marco Behrendt der Geschäftsführer des Hessischen Musikverbands zuständig, der damit auch zum dritten Mal Gast bei einem Konzert des Vereins war: „Aufgrund der vielen Jugendlichen, den der Verein in seinen Reihen hat, ist er mit einem Durchschnittsalter von 38 Jahren sehr jung“, versicherte er – und setzte lachend hinzu: „Das hätte man in einer Stadt wie Kronberg eigentlich gar nicht erwartet.“ Behrendt war es auch, der anlässlich dieses Jubiläums und der sichtlich in gute Bahnen geleiteten Zukunft des Vereins einen Aphorismus von Gustav Mahler zitierte: „Tradition ist die Erhaltung des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.“

Nach den Ehrungen folgte die nächste Etappe der musikalischen Zeitreise und das Werk „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgskij, das die harmonische Untermalung für eine ganz andere Art von Bildern darstellte: Bilder aus 110 Jahren Vereinsgeschichte, die die Zuschauer zum Lächeln brachten, wenn beispielsweise zum Stück „Bydlo“ (Ochsenkarren) die Bilder von Ausflügen oder bei der „Die Hütte der Baba Yaga“ der Dirigent gezeigt wurden.

Insbesondere ihren Eltern bereitete Klarinettistin Tanja Beitlich eine große Überraschung als sie in „The Way Old Friends Do“ den Gesangspart eines ABBA-Songs übernahm. Dass die Stimme der jungen Frau ausgebildet war, war herauszuhören, die vor solch großem Publikum zum ersten Mal auftrat. Den stimmungsvollen Abschluss eines ebenso kurzweiligen wie lehr- und abwechslungsreichen Konzerts machte die Filmmusik eines Weihnachtsfilmklassikers. Der Titel „Küss mich, halt mich, lieb mich“, der hier in einer Bearbeitung von Guido Rennert für Blasorchester erklang, stammt ursprünglich aus dem tschechischen Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Und mit Blick auf die vielen zufrieden Gesichter im Publikum und bei den Konzertierenden dürfte Peter Ruth mit seiner Feststellung richtig liegen: „Mit dieser Begeisterung an der Musik von Jung und Alt und der Freude am Vereinsleben ist mir nicht bange um die Zukunft unseres Vereins.“

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