Kronberg (kb) – Ein besonderes Erlebnis für die Mitglieder der Bürgerselbsthilfe Kronberg (BSK) war ein Ausflug nach Frankfurt ins Goethe-Haus. Es ging auf Entdeckungsreise durch Goethes Elternhaus und sein bewegtes Leben. Während einer kurzweiligen, lebendigen Führung, die gespickt war mit wundervoll vorgetragenen kleinen Gedichten, erfuhren die Silberdisteln die wichtigsten Etappen in Goethes Leben.
Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Großen Hirschgraben in einem Fachwerkhaus geboren, das von seiner Großmutter Cornelia Goethe 1733 erworben wurde. 1755 ließ Goethes Vater über den Kellern des alten Hauses einen viergeschossigen Bau im Stil des Spätbarock errichten. Dort wuchs Johann Wolfgang mit seiner Schwester Cornelia, mit der er sehr verbunden war, bei den Eltern Catharina Elisabeth und Johann Caspar auf.
Goethe kam dem Wunsch seines Vaters nach und studierte Jura, obwohl seine Leidenschaft der Kunst galt. Schon als Kind interessierte er sich für Literatur und unternahm heimlich Ausflüge in die Welt des Theaters. Von den Aufführungen inspiriert führte er mit seiner Schwester Cornelia in seinem Puppentheater selbsterdachte Stücke auf; begeisterte Zuschauer waren die Eltern und enge Freunde. Goethes Fantasie wurde durch das Märchenerzählen seiner Mutter noch gestärkt. In „Dichtung und Wahrheit“ schreibt er über diese Jugenderinnerungen.
Die Familie Goethe war musisch begabt und es wurden regelmäßig kleine Hauskonzerte veranstaltet. Goethes Vater spielte Laute, Johann Wolfgang Cello, Cornelia Klavier und die Mutter sang. Das Musikzimmer liegt im ersten Stock. Man kann es leicht am Deckenstuck mit den Musikinstrumenten erkennen. Ungewöhnlich ist der im Zimmer aufgestellte aufrechte Flügel (Pyramidenflügel).
Johann Wolfgang und Cornelia wurden vom Vater in der Bibliothek in der zweiten Etage unterrichtet. Der Vater trug eine umfangreiche Bücher-Sammlung zusammen, ungefähr 2.000 Bände aus allen Wissensgebieten. Diese Vielfalt an alten Büchern erweckte bei den Silberdisteln den leider unerfüllbaren Wunsch, intensiv darin zu stöbern und sich von der Vergangenheit gefangen nehmen zu lassen. Das Dichterzimmer im dritten Stock war Johann Wolfgangs Reich. Hier stand er am Stehpult und schrieb seine Gedichte und Dramen wie den „Götz von Berlichingen“, die erste Fassung des „Faust“ oder „Die Leiden des jungen Werther“. Goethe wurde 1775 an den Weimarer Hof berufen, wo er politische Aufgaben übernahm. In Weimar freundete Goethe sich mit Charlotte von Stein an, mit der ihn eine große Liebe verband. Im Lauf der Jahre schrieb er ihr über achthundert Briefe, in unserer heute schnelllebigen und technisierten Zeit kaum mehr vorstellbar. 1786 unternahm er seine erste Italienreise. Er besuchte den Maler Tischbein, der eines der berühmtesten Porträts Goethes „Goethe in der Campagna“ malte, zu bewundern im Städel Museum.
1788 kehrte Goethe nach Weimar zurück, wo er sich – nach einigen unglücklich beendeten Liebschaften – mit Christiane Vulpius verlobte, die er 1806 heiratete. Mit ihr hatte er mehrere Kinder. Goethe starb am 22. März 1832 in Weimar und wurde in der dortigen Fürstengruft beigesetzt.
Bei dem Luftangriff auf Frankfurt am 22. März 1944 wurde das Goethe-Haus zerstört und 1947 originalgetreu wiederaufgebaut. Die Räume wurden mit den während des Krieges ausgelagerten Möbeln, Kunst- und Gebrauchsgegenständen, Büchern und Bildern wieder ausgestattet.
Den Blickfang des Hauses bildet die großzügige Treppenanlage mit einem schmiede-eisernen Geländer. Die ersten drei Stufen sind original erhalten und wurden von den Besuchern ehrfürchtig beschritten.
In der anschließenden Kurzführung „Beethoven, Kant, Napoleon – Kostbarkeiten aus Goethes Autographensammlung“ gab es viel über Goethes Sammelleidenschaft zu erfahren. Er sammelte zirka 2.000 Schriftstücke von ca. 1.500 Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Zeiten, alle alphabetisch geordnet. Er bewahrte sie nebeneinander in Stehordnern auf, die oben offen waren. Um seine Sammlung zu vergrößern, bat er in seinem üblichen Schriftverkehr „um gefällige Beiträge“. Zum Beispiel erhielt er folgende Schriftprobe mit Unterschrift: „Ich wünsche, dass von meiner unregelmäßigen Schrift nicht auf meinen Kopf geschlossen werde. Wien 31. Oct. 1811, Hofrath v. Zeiller“
Außerdem sammelte Goethe mehr als 17.000 Steine, über 800 Bücher, unzählige Gemälde, Plastiken und Münzen.
Bevor es nach Hause ging, konnten sich die Teilnehmer des Ausflugs bei Kaffee und Kuchen im Café Liebfrauenberg stärken und sich über die gewonnenen Eindrücke austauschen.
Details über die weiteren Aktivitäten der BSK sind zu finden unter www.silberdisteln-bsk.de.
