Emotionales Gedenkkonzert für Maria Mucke-Grünefeldt

Mit Blumen und einem Weinpräsent bedankte sich Matthias Schuhenn (links) vom Altkönig-Stiftsvorstand bei Alexander Grün und Sabine Fischmann, die mit Liedern, Chansons und Anekdoten an die Schauspielerin, Sängerin und ihre frühere Dozentin und Lehrerin Maria Mucke-Grünefeldt erinnerten.
Foto: Wittkopf

Oberhöchstadt (pf) – Der Festsaal im Altkönig-Stift war bis fast auf den letzten Platz besetzt, als ihre Familie, Freunde, Weggefährten und frühere Studenten mit einem Gedenkkonzert Abschied von Maria Mucke-Grünefeldt nahmen. Im 99. Lebensjahr war die Schauspielerin und Sängerin, die viele Jahrzehnte lang im Kronberger Hellhof uuhause war, am 28. Mai gestorben.

„Heut‘ ist ein Feiertag für mich“ war das Konzert überschrieben. Mit diesem Lied hatte es Maria Mucke im Jahr 1956 unter die Top Ten der Single-Charts geschafft. Und mit diesem Lied eröffneten die Chansonsängerin, Musikerin und Schauspielerin Sabine Fischmann und der Pianist, Regisseur und Chorleiter Alexander Grün, die beide bei Maria Mucke an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt studiert hatten, das Konzert. Denn nach dem Tod ihres Mannes Hans-Otto Grünefeldt hatte die damals bereits 73-Jährige noch eine Dozentur für Schlager und Chanson an der Frankfurter Musikhochschule übernommen, die sie bis zu ihrem 87. Lebensjahr ausübte.

Die beiden schilderten sie als wunderbare, warmherzige Lehrerin, voll unbändiger Lebenslust und Energie, in deren Unterrichtsstunden es immer fröhlich und lustig zuging – eine, wie sie betonten, seltene Ausnahme an der Hochschule.

Sie müsse auf jeden Fall zu Maria Mucke in den Unterricht gehen, hatten Kommilitonen empfohlen, als sie ihr Studium in Frankfurt begann, erzählte Sabine Fischmann. Sie folgte diesem Rat und hatte sich zum Vorsingen Marlene Dietrichs berühmtes Lied „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ aus dem Film „Der blaue Engel“ ausgesucht. Damals war sie allerdings gerade einmal 18 Jahre alt und Maria Mucke meinte denn auch nach ihrem Vortrag: „Das ist nicht so leicht zu singen für dich junges Ding.“

Pädagogin und Bäckerin

„Kauf dir einen bunten Luftballon“ war der Schlager, den sie stattdessen von ihr hören wollte. Den musste jeder singen, der bei ihr studierte und ihn so intonieren, dass die Stimme klang „wie Karamellguss, den man auf eine Torte fließen lässt“. Apropos Torte: Maria Mucke war nicht nur eine hervorragende Pädagogin, sondern auch eine leidenschaftliche Bäckerin und brachte nicht selten nicht nur einen, sondern oft sogar zwei Bleche ihres berühmten „Mucke-Kuchens“ zur Stärkung für ihre Studenten mit in den Unterricht. Wenn sie ihre Zöglinge, was häufiger vorkam, zu sich nach Hause einlud, stellte sie sich stets selbst an den Herd und kochte für sie. Dann wurde nicht selten bis in die Nacht hinein erzählt, gelacht, gesungen und musiziert.

Alexander Grün, der während seines Studiums bereits Maria Muckes Korrepetitor wurde, chauffierte sie auch häufig in den Rheingau, den die gebürtige Mainzerin ihr Leben lang besonders liebte. In einer kleinen Konditorei kehrten sie dann oft ein, um ein Stück des vorzüglichen Schokoladenkuchens zu essen. Einmal, erinnerte sich der Pianist, kam es dabei zu einem Zwischenfall, über den sie nicht nur an diesem Tag immer wieder Tränen lachen mussten. Als sie nämlich mit Appetit in den Schokoladenkuchen biss, blieb ihr Gebiss darin stecken.

Dass sie Maria Mucke nicht als Dozentin erleben durfte, bedauerte die Schauspielerin und Moderatorin Sibylle Nicolai, die ebenfalls zum Gedenkkonzert gekommen war. Sie hatte die Schauspielerin und Sängerin, deren berühmtestes Lied „La-Le-Lu“ wurde, erst kurz vor deren 90. Geburtstag persönlich kennen gelernt und als lebhafte positive Persönlichkeit voller Lebensfreude und mit einem wunderbar trockenen Humor erlebt. Zum 90. Geburtstag hatte sie dann einen Artikel verfasst, der damals in der Frankfurter Neuen Presse veröffentlich wurde. Den hatte sie am Freitagabend mitgebracht und las ihn noch einmal vor.

Viele der Lieder, mit denen Maria Mucke aufgetreten war, ließen Sabine Fischmann begleitet von Alexander Grün noch einmal erklingen: „So, wie wir es bei ihr gelernt haben“. „Ein Märchen aus uralten Zeiten“, das Lieblingslied des Pianisten, durfte dabei auch nicht fehlen. Und er hatte sogar noch Originalnoten dabei, schon ziemlich abgegriffen und kaum noch lesbar. Dazu wurden später auf der großen Leinwand der Bühne Fotos und Bilder aus dem langen Leben der Verstorbenen gezeigt, angefangen von Kinderfotos über Fotos als junge Schauspielerin und später als Partnerin von Hans-Joachim Kulenkampf bis hin zu Familienfotos mit Tochter, Enkeltochter und Urenkeln.

„Es ist für mich sehr emotional, hier ihre Lieder zu singen“, gestand Sabine Fischmann, der man ihre Rührung immer wieder anmerkte. Zum Abschluss erklang dann noch einmal eine Originalaufnahme von Maria Mucke mit einem Lied, das die Sängerin und ihre Einstellung zum Leben wie kein anderes charakterisiert: „Schön, wunder-, wunderschön ist das Leben, schön, wunder-, wunderschön ist die Welt.“ Dazu verneigte sich Sabine Fischmann auf der Bühne vor dem großen Foto von Maria Mucke, das diese als immer noch schöne lächelnde Frau in ihrem neunten Lebensjahrzehnt zeigt. Eine Geste, die zu Herzen ging.



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