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(S)TÜRMisches

Jeder kennt ihn, den inneren Schweinehund. Immer wieder gewinnt er die Oberhand, wenn wir zu einer Arbeit, die eigentlich gemacht werden muss, gerade überhaupt keine Lust haben. Und statt nach dem Motto „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ wandert die Aufgabe auf die berühmte lange Bank. Dort ruht sie dann, bis es für sie keinen Aufschub mehr gibt. Von selbst erledigen sich leider die wenigsten Dinge. Viele Aufgaben, wie beispielsweise die jährliche Steuererklärung, könnte man zwar an einen Steuerberater delegieren. Die dazu erforderlichen Unterlagen und Belege muss man dennoch selber zusammensuchen. Das kostet bekanntlich die meiste Zeit, wenn man nicht zu den ordentlichen Menschen gehört, die alle Belege fein säuberlich abheften. Manche ungeliebte Arbeit könnte man möglicherweise einem Kollegen aufbürden. Dann müsste man sich allerdings krank melden, seine Grippe oder eine andere gerade angesagte Krankheit nehmen. Das wäre aber schon ziemlich unkollegial und würde ein mieses Gefühl hinterlassen. Bei mir jedenfalls. Andere scheinen da weniger Skrupel zu haben, wie die Geschichte beweist, die mir neulich ein guter Bekannter erzählte und die wunderbar zu diesem Thema passt. Hauptperson ist ein Verwaltungsangestellter. Er arbeitete in der Gemeindeverwaltung – nein, nicht in Kronberg, aber in einer anderen Taunusgemeinde, in der sein Vater Bürgermeister war. Übrigens einer jener Bürgermeister, die im November 1991 im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre im Hochtaunuskreis verhaftet und später zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden waren. Besagter Verwaltungsangestellter war eine ganze Weile nicht zur Arbeit erschienen. Ich habe vergessen, ob sein Vater damals noch Bürgermeister war oder ob es in den darauf folgenden Jahren geschah. Jedenfalls fehlte er. Seine Arbeit blieb liegen oder musste von Kollegen gemacht werden. Schließlich wurde der Mann ganz offiziell aufgefordert, endlich wieder im Rathaus zur Arbeit zu erscheinen. Und da entschuldigte er sich mit der Begründung, er könne leider nicht kommen, er habe eine Aktenphobie. Ein Verwaltungsangestellter mit einer Aktenphobie – das muss man sich mal bildlich vorstellen. Es gibt ja viele Arten von Phobien. Im Internet habe ich eine lange Liste entdeckt von A wie Abortphobie bis Z wie Zoophobie (obwohl ich von beiden vorher auch noch nie etwas gehört habe). Eine Aktenphobie allerdings habe ich in der Aufstellung nicht gefunden. Auf eine solche Ausrede muss man erst mal kommen. Der Bekannte, der mir die Geschichte erzählte, und ich, haben an jenem Abend jedenfalls Tränen gelacht. Wenn Faulheit sich mit Fantasie paart, kommen schon die merkwürdigsten Einfälle heraus, waren wir uns einig. Und ich habe jetzt eine wunderbare Entschuldigung, wenn mir das Finanzamt demnächst wieder einmal eine Mahnung schicken sollte, weil ich die Steuererklärung noch nicht abgegeben habe. Dann schreibe ich der Behörde einen Brief mit dem Tenor, ich würde ja wirklich gerne meine Steuererklärung machen, aber bedauerlicherweise gerade unter einem akuten Anfall von Aktenphobie leiden. Dass ich damit Erfolg haben könnte, glaube ich zwar nicht, aber einen Versuch wäre es wert, schon allein der genialen Formulierung wegen, meint

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