25 Jahre Stiftung Kronberger Malerkolonie – Von der Romantik bis zum Impressionismus

Jakob Fürchtegott Dielmann „Die Burg Rheinstein“, 1840-46, Aquarell Foto: privat

Kronberg (kb) – Die Kronberger Malerkolonie zählt bekanntlich zu den frühesten deutschen Künstlerkolonien. Zwischen 1850 und 1945 arbeiteten nachweislich über 100 Künstler in Kronberg, darunter so bekannte Namen wie Wilhelm Trübner, Otto Scholderer oder Philipp Franck. Mit der Festansiedlung Anton Burgers in Kronberg im Jahr 1858 verbindet sich heute die Gründung der Künstlerkolonie, die eng mit der Großstadt Frankfurt verknüpft ist. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Stiftung Kronberger Malerkolonie zeigt das Museum eine Ausstellung über die rund hundertjährige Geschichte der Künstlerkolonie. Anhand von ausgewählten Werken aus der Sammlung lässt sich die Entwicklung von der späten Romantik über die Freiluftmalerei bis zum Impressionismus nachvollziehen.

25 Jahre Stiftung

Die Stiftung Kronberger Malerkolonie wurde 2001 von der Museumsgesellschaft Kronberg und der Stadt Kronberg gegründet. Ziel der gemeinnützigen Stiftung ist es, die Werke der traditionsreichen Kronberger Künstlerkolonie, ihrer Vorläufer und Zeitgenossen als das kulturelle Erbe der Stadt zu bewahren und in einem Museum der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und regelmäßige Ausstellungen zu präsentieren.

Die Hauptaufgabe liegt im Aufbau einer Sammlung mit Werken der Kronberger Künstlerkolonie sowie in deren umfassender Dokumentation. Die Sammlung ist bis dato durch private Zustiftungen und Ankäufe auf über 900 Werke angewachsen.

Zu den Highlights der Sammlung gehören die sogenannten Rheinaquarelle eines der Gründer der Malerkolonie: Jakob Fürchtegott Dielmann. Der 1809 in Frankfurt geborene Künstler absolvierte 1822 zunächst eine Lehre bei dem Lithographen und Kunstverleger Friedrich Carl Vogel. Dort lernte er auch den Landschafts- und Genremaler sowie späteren Städelprofessor Jakob Becker kennen. Gemeinsam erhielten sie Anfang der 1830er Jahre von der Frankfurter Lithographischen Anstalt Vogel & Fink den Auftrag, eine malerische Ansicht des Rheins von Mainz bis Koblenz anzufertigen: 1834 erhielt Dielmann vom Verleger Jügel den Auftrag, 28 Blätter der „Malerischen Ansichten der Bäder Wiesbaden, Schlangenbad, Ems und ihrer Umgebung“ anzufertigen; Stiche, die sich bei den Kurgästen als Reiseandenken großer Beliebtheit erfreuten. Um 1840 setzte Dielmann das Thema fort und fertigte 48 Aquarelle an, die einen spontanen Zugriff auf die Motive der zahlreichen Burgen und Schlösser entlang des Rheins und der Lahn zeigen. Sie wirken außerordentlich atmosphärisch und lebendig und stehen in der Tradition der Ende des 18. Jahrhunderts vor allem in England einsetzenden Rheinromantik, die mitunter von einem mystisch-religiösen Naturgefühl geprägt war.

„Burg Rheinstein“

Als Beispiel sei hier die „Burg Rheinstein“ genannt, deren dramatische Lage auf einem steil zum Rhein abfallenden Felsvorsprung bei Assmannshausen bereits viele Rheinreisende und Vedutenzeichner beeindruckt hatte und mit zahlreichen Raubrittersagen verknüpft wurde. Auch in Dielmanns Aquarell überragt die imposante Burg die Landschaft. Eine Pferdekutsche am Ufer des Rheins und ein dampfendes Schiff auf dem Fluss mildern jedoch etwas die romantische Ehrfurcht vor der Naturschöpfung und betonen eher den aufkommenden Rheintourismus in dieser Zeit. Die kleinen lichtempfindlichen Aquarelle bilden das Herzstück der Sammlung. Sie sind nach langer Zeit endlich einmal wieder zu sehen. Natürlich dürfen die Werke der weiteren Gründungsväter Anton Burger und Philipp Rumpf und ihrer Schüler, darunter Fritz Wucherer und Nelson G. Kinsley, nicht fehlen. Sie sind bereits in der Dauerausstellung im Erdgeschoss vertreten. Erstmals seit der Eröffnung in der Villa Winter zeigt die Kuratorin, Dr. Ingrid Ehrhardt, hier eine sehr dichte Präsentation der Bilder, die – ganz im Sinne der Salons des 19. Jahrhunderts – auch übereinander gehängt werden.

Ein weiteres Glanzstück kam im letzten Jahr zur Sammlung hinzu: Das großformatige Landschaftsgemälde „Im Falkensteiner Wald“ von Philipp Franck aus dem Jahr 1918. Franck war einst Burger-Schüler in Kronberg und zählte später in Berlin neben Max Liebermann zu den Mitbegründern der Berliner Secession. Das Bild wurde zwischenzeitlich restauriert und steht jetzt im Zentrum der Präsentation im Erdgeschoss, ganz in der Nähe der beliebten „Kronbergansicht mit dem Altkönig“ von 1916, ebenfalls von Philipp Franck.

Vielfältiges Veranstaltungsprogramm

Neue Zustiftungen und ausgewählte Ankäufe zeugen von 25 Jahren Sammelleidenschaft und laden zum Entdecken neuer und Wiedersehen längst bekannter Werke ein. Hierfür hat die Stiftung Kronberger Malerkolonie ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm zusammengestellt. Die erste öffentliche Führung findet bereits am Sonntag, 5. Juli, um 11.15 Uhr mit der Kunsthistorikerin Tina Reinhardt statt, gefolgt von einer halbstündigen Führung „Kunst am Mittag“ am Mittwoch, 15. Juli, um 12.30 Uhr mit der Kunsthistorikerin Esther Walldorf. Über das weitere Programm informiert die Homepage im Internet unter www.kronberger-malerkolonie.com.



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