Buchvorstellung – Kronberg und Schönberg im Ersten Weltkrieg

Der Autor nimmt eine Dankesgabe vom Vorsitzenden Rolf Gilgen in Empfang.Foto: privat

Kronberg (kb) – Der Autor Alexander von Hoffmeister stellte mit einer Lesung sein Buch zum 1. Weltkrieg vor. Er ging damit auf eine Zeitepoche zurück, die bisher in der Kronberger Geschichte wenig bis gar nicht betrachtet wurde. Unterstützt durch den Verein für Geschichte Kronberg ist das gewichtige Druckwerk noch rechtzeitig zum Mittwochabend, 19. November, fertig geworden. Aus reichlichen Artikeln der lokalen Presse sind viele einzelne Kapitel im Buch aufgeführt. Sie umfassen einen Zeitraum von etwa 1912 bis 1920 und zeigen auf, welche Stimmung in der Bevölkerung damals herrschte. Von Hoffmeister berichtet anfangs von dem Mord an der Witwe Zimmermann. Im Jahre 1912 rief eine erschütternde und grausame Bluttat in der Stadt Entsetzen und tiefen Abscheu hervor. Obwohl das Verbrechen mehr als zwei Jahre vor dem großen Krieg die Öffentlichkeit in hohem Maße schockte, beschäftigte es durchgängig bis zum Jahre 1918 die Polizeiverwaltung Kronbergs sowie das Polizeipräsidium in Frankfurt und die Staatsanwaltschaft in Wiesbaden. Doch stellte der Autor die Kartoffelproblematik am Abend in den Vordergrund.

Die Reichsregierung erwartete 1914 einen schnellen Sieg und traf keinerlei Vorratshaltung an lebenswichtigen Produkten. Nach dem Scheitern des Schlieffen-Plans machten sich bereits neben den Kartoffeln Engpässe bei nahezu allen Lebensmitteln bemerkbar. Noch weit mehr als alle anderen Lebensmittel rückten Kartoffeln zur substanziellen Ernährung in den Mittelpunkt des Krisenmanagements. Kartoffeln nahmen als Hauptnahrungsmittel seit Kriegsausbruch die erste Stelle ein. Nach der frühen Rationierung von Getreideprodukten stieg der Konsum von Kartoffeln im Jahre 1916 auf mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Verbrauchs vor dem Krieg.

Während ernste Versorgungsprobleme auftraten, vergnügte sich auf dem gepflegten ausgedehnten Rasen eine elitäre Oberklasse. Der Notruf nach Standorten für den Anbau von Kartoffeln verhallte dort ungehört.

Zur Not kam hinzu, dass Kronberger Landwirte stattdessen die Erdbeerzucht als wirtschaftlicheren Faktor favorisierten. Sie verkauften lieber die Beeren an die reiche Oberschicht, die mit Kartoffeln an die verarmte Bevölkerung kein Geschäft machen konnten. Im Buch werden diese Verhältnisse eingehend geschildert. Das damalige Verhalten in den Vereinen, auf der Straße, im Rathaus und die Nöte in den Haushalten bis zur Novemberrevolution 1918 sind hervorgehoben. Ein reiches Inhaltsverzeichnis zu über 400 Seiten Geschichte mit reichlichen Signaturen machen den leicht lesbaren Lesestoff überaus interessant. Das Buch ist ab sofort im Geschichtsverein oder in der Bücherstube erhältlich.



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