Cellistin Marie-Elisabeth Hecker und Pianist Martin Helmchen präsentierten Beethoven

Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen gewannen beim Beethoven-Konzertabend im Casals Forum die Herzen ihres Publikums im Sturm. Foto: Andreas Malkmus

Kronberg (pf) – „Saitenweise“ war Titel des Konzerts am vergangenen Donnerstagabend im Casals Forum, und die „Weisen“, die dort erklangen, hatte kein Geringerer als Ludwig van Beethoven ersonnen. Die Cellistin Marie-Elisabeth Hecker und ihr Mann, der Pianist Martin Helmchen, die sich 2005 in Kronberg kennenlernten und seit 15 Jahren glücklich verheiratet sind, intonierten diese Werke meisterhaft und bescherten ihrem Publikum einen beglückenden Abend, den es so schnell nicht vergessen wird.

Zum Auftakt gestalteten die beiden, anders als im Programmheft vermerkt, die zwölf Variationen über das Thema „See, the conquering hero comes“ aus Georg Friedrich Händels Oratorium „Judas Maccabäus“. Mit dem Lied, wegen seiner eingängigen Melodie schon zu Beethovens Zeiten ein Ohrwurm, begrüßen im Oratorium die jüdischen Frauen den siegreichen Helden nach der Schlacht. Erst viele Jahre später, ein Jahr vor Beethovens Tod, erfand der evangelische Theologe Friedrich Heinrich Ranke zu der Melodie den Text „Tochter Zion, freue dich“. Weihnachtliche Assoziationen hatten also seinerzeit die Hörer von Beethovens Variationen noch nicht, die alles andere als kriegerisch anmuten. Kammermusikalisch fein abgestuft und klanglich delikat sind sie ein gelungenes Werk für Violoncello und Klavier, voll überraschender Ableitungen des bekannten Themas und reich ausgestattet mit virtuosen Passagen für beide Spieler.

Weiter ging es mit der F-Dur Sonate für Klavier und Violoncello op. 5 Nr. 1, von Beethoven 1796 während seines einzigen Aufenthalts in der preußischen Hauptstadt Berlin komponiert und König Friedrich Wilhelm II. gewidmet, der selbst ein begeisterter Cellist war. Beethoven präsentierte die beiden Cello-Sonaten, die er in Berlin schuf, gemeinsam mit Jean Louis Duport, dem ersten Cellisten an der Berliner Oper und Lehrer des Königs, seiner Majestät selbst, der Beethoven zum Dank fürstlich entlohnte: mit einer goldenen Dose, gefüllt mit Louisdor. Es sei keine gewöhnliche Dose gewesen, erzählte er später stolz, sondern eine der Art, wie sie den Gesandten wohl gegeben werde.

Mit Variationen begann nach der Pause auch der zweite Teil des Konzerts: sieben Variationen über die Arie „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“. So schlicht die ursprüngliche Arie von Pamina und Papageno ist, so kunstvoll sind Beethovens Variationen, voller brillanter und geistreicher Einfälle, virtuos gestaltet von Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen.

Höhepunkt und glanzvoller Konzertabschluss war danach Beethovens späte A-Dur Sonate für Klavier und Violoncello op. 69 Nr. 3. Sie gilt als seine monumentalste Cellosonate und entstand während seiner Arbeit an der fünften und sechsten Sinfonie. Mit welcher Hingabe und Feingefühl das Künstlerehepaar dieses reizvolle und häufig zuhörende Werk lebendig werden ließen, welche Klangfarben und Nuancen sie ihr Publikum entdecken ließen, das war atemberaubend und überwältigend. Die gute Nachricht für alle, die das Konzert nicht erleben konnten: Es wurde live mitgeschnitten. Die Aufnahme wird demnächst beim Label Alpha Classics erscheinen und sicherlich auch vielen Konzertbesuchern das Wiederhören und Noch-einmal-Erleben eines begeisternden meisterlichen Konzertabends ermöglichen.



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