Mit Herz kommunizieren: Projekt „Demenzfreundliches Kronberg“ geht weiter

Barbara Karger lud die Teilnehmer der Aufbauschulung ein, ihre Erfahrungen zu teilen und stellte ihnen verschiedene Modelle vor, um den Umgang mit Erkrankten im Alltag zu erleichtern. Foto: Wreth

Kronberg (ivy) – An Orten, an denen Menschen zusammenkommen, wird es immer Menschen geben, die Beeinträchtigungen haben. Mit jedem muss man auf seine Art umgehen. Die Frankfurter Hans und Ilse Breuer Stiftung hat es sich in diesem Zusammenhang zur Aufgabe gemacht, der Krankheit Demenz ihren Schrecken zu nehmen, den Angehörigen Entlastung zu bieten und vor allem für die Betroffenen einen Raum zu kreieren, um ihnen damit das Gefühl zu geben, dass sie nicht ausgeschlossen werden.

Gemeinsam mit dem Rotary Club Kronberg lud die Hans und Ilse Breuer Stiftung zu einer kostenlosen Aufbauschulung im Projekt „Demenzfreundliches Kronberg“ ein.

Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen können Außenstehende die Demenz nicht erkennen. So kann es häufig zu schwierigen Situationen kommen, wenn Menschen beispielsweise herumirren oder vielleicht etwas auf den ersten Blick Komisches tun. Letztendlich ist es doch so, dass jeder Mensch im Leben mal Hilfe braucht. Die Schulung soll Anregungen dazu geben, sensibel zu sein in der Sprache und einen besseren Umgang mit von Demenz Betroffenen zu finden.

Barbara Karger, eine in der Pflege erfahrene Fachfrau mit speziellen Ausbildungen in Gerontologie, Psychologie, Betreuung, Beratung, Gesundheitsmanagement, Kommunikation und Selbstfürsorge, möchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Kommunikationstechnik näherbringen und betont dabei, wie wichtig es ist, dass diese Kommunikation von Herzen kommt. Oft ist es nicht das Entscheidende, was Angehörige sagen, sondern wie sie es sagen. Von Alzheimer erkrankte Menschen seien grundsätzlich emotional deutlich sensibler, denn sie haben nur noch diesen Kanal.

Auf Kargers Frage, ob jemand der Anwesenden seit der ersten Schulung eine Veränderung in seinem Verhalten beobachtet habe, antwortete eine Teilnehmerin, dass sie es schaffe, mehr zu beobachten und nicht gleich über das Verhalten verwirrt wirkender Menschen zu urteilen. Eine andere Teilnehmerin hingegen teilte mit der Gruppe, dass sie Schwierigkeiten damit habe, Dinge immer wieder zu wiederholen, Verständnis aufzubringen und dafür Geduld zu haben. Bei einer dritten Teilnehmerin drängte sich die Frage auf, wenn ihre von Demenz betroffene Angehörige falsche Äußerungen mache, ob sie diese dann nicht korrigieren sollte, denn in der vorherigen Schulung hatte sie gelernt, dies nicht zu tun. Dies nicht zu tun falle ihr jedoch schwer. Barbara Karger beschreibt, dass an Demenz Erkrankte häufig immer noch ein großes Maß an Scham empfinden, welches sie dazu bringen kann, ihre Erkrankung um jeden Preis geheim halten zu wollen und beispielsweise nicht mit der eigenen Familie darüber zu sprechen. Dies verkompliziere jedoch die gesamte Situation, da die Betroffenen so möglicherweise die Chance verpassen, im Anfangsstadium der Erkrankung, wo dies noch möglich ist, wichtige Entscheidungen zu treffen und Dinge zu klären.

Zur Veranschaulichung griff Karger auf das Kommunikations-Modell von Schulz von Thun „Die vier Seiten einer Nachricht“ zurück. Ein wichtiges Ziel dieses Modells ist es, Missverständnisse zu vermeiden, dadurch in schwierigen Situation zu deeskalieren und letztendlich die eigene Energie schonen zu können. „Es gibt in der Kommunikation keine Patentlösung. Kommunikation ist fehleranfällig und mit demenziell Erkrankten umso anfälliger“, dies bittet Karger im Hinterkopf zu behalten.

Schulz von Thun geht in seinem Modell davon aus, dass jede Äußerung vier Botschaften enthält und auch auf vier Weisen beziehungsweise Ebenen verstanden werden kann. Dabei ist es nicht entscheidend, ob der Sender diese vier Botschaften senden möchte und ob er sich dessen bewusst ist, denn diese vier Botschaften sind ohnehin Bestandteil jeder Nachricht. Die erste Seite einer Nachricht ist der Sachinhalt. Diese Seite gibt an, worüber man informiert, also die reine Information. Beim Appell handelt es sich um die zweite Seite der Nachricht, die ausdrückt, wozu der Sender den Empfänger veranlassen möchte. Die dritte Seite ist die Seite der Beziehung. Diese enthält Informationen darüber, was der Sender vom Empfänger hält und wie er zu ihm steht. Die Selbstoffenbarung bildet die abschließende Seite und gibt an, was der Sender von sich selbst preisgibt. Dazu zählen zum Beispiel Gefühle, Werte oder Ansichten.

Um Konflikte zu vermeiden, sei es wichtig, das auszusprechen, was man als Empfänger von den vier Seiten glaubt, gehört zu haben. Allerdings merkte Karger an, dass dieses Vorgehen mit an Demenz erkrankten Menschen schwierig sein kann. Daher zog sie das Modell der Einfühlsamen Kommunikation von Prof. Dr. Sabine Engel zu Rate. Dieses besagt, dass man sich als Angehöriger darauf konzentrieren sollte, zu versuchen, verstehen zu wollen und den Fokus auf Empathie, Akzeptanz sowie Echtheit zu legen.

Zum Abschluss der Veranstaltung konnten die Teilnehmer in einem Demenzparcours selber bis zu einem gewissen Grad erleben, wie es sich anfühlt, mit der Erkrankung zu leben.



X