Der Wald aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Foto-Walk mit Naturfotografen Chris Kaula

Naturfotograf und Biologe Chris Kaula (r.) gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern während des Fotowalks hilfreiche Tipps zum Umgang mit Digitalkamera und Handy an die Hand und gewährte zugleich interessante Einblicke in das Ökosystem „Wald“.

Fotos: Stadt Kronberg

Kronberg (kb) – Mit einer ADFC-Radtour sind am Sonntag, 21. Juni, die diesjährigen „Taunus Klimatage°“ über die Ziellinie gerollt. Über rund vier Wochen hatten Interessierte in Kronberg und sieben weiteren Hochtaunus-Kommunen eine Vielzahl an Gelegenheiten, sich den Themen „Klimaschutz“ und „Klimawandel“ ganz praktisch zu nähern. Das Programm war vielfältig, „erleben, entdecken und mitmachen“ standen im Mittelpunkt. Dass sich dabei mitunter ganz neue, außergewöhnliche Perspektiven eröffnen konnten, zeigte ein „Foto-Walk“ durch den Kronberger Stadtwald mit dem Biologen und renommierten Naturfotografen Chris Kaula. „Was treiben die denn da?“, „Was gibt es da zu sehen?“ – Fragen wie diese dürften sich so einige Wanderer gestellt haben, als sie dieser Tage am Biotop-Verbundsystem im Kronberger Stadtwald vorbeikamen. Und das aus durchaus nachvollziehbarem Grund. Der Anblick, der sich bot, war schließlich ein spezieller.

Die Augen samt Digitalkamera oder Smartphone-Linse auf Brombeerhecken und Teichrohr gerichtet, knieten und standen dort die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines ganz besonderen Sonntagsspaziergangs. Im Rahmen der „Taunus Klimatage°“ hatte die Stadt Kronberg im Taunus zu einem Foto-Walk unter der Überschrift „Biotop im Fokus“ eingeladen und dafür mit Chris Kaula den optimalen Weggefährten gewinnen können.

Der in Friedrichsdorf lebende Naturfotograf gehört hierzulande zu den bekanntesten Vertretern seiner Zunft. Das unterstreichen zum einen die über 45.000 Abonnenten seines Youtube-Kanals und seine 88.000 Follower bei Instagram. Zum anderen und vor allem lässt sich das jedoch an den Spitzenplatzierungen ablesen, die Kaula mit seinen Fotos bereits wiederholt bei renommierten nationalen wie internationalen Wettbewerben belegt hat.

Besonders im Fokus dabei: Kaulas „kreative und technische Exzellenz“ wie auch sein Talent, Tiere „in ihrem natürlichen Lebensraum eindrucksvoll zu porträtieren“. Und das nicht nur in den Steppen Afrikas, im Dschungel Mittelamerikas oder in der skandinavischen Tundra, sondern gerne auch direkt vor der eigenen Haustür – in der Wetterau oder im Taunus. Denn auch dort hat Mutter Natur vieles zu bieten, was sehens- und fotografierenswert ist. Es kommt oft nur auf den richtigen Blickwinkel an. Wobei „richtig“ in Kaulas Fall die besondere, die aus dem Rahmen fallende Perspektive ist, die selbst eine fragile Libelle oder die klitzekleine Larve eines Feuersalamanders als Motiv voll zur Geltung bringt.

Wie hierfür mit Über- und Unterbelichtung gespielt wird, wie Bewegungsunschärfe kreativ eingesetzt und wie einiges davon sogar mit einem Smartphone gelingen kann – das und vieles mehr erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Foto-Walks von Chris Kaula aus erster Hand. Darüber hinaus lenkte er den Blick seiner Weggefährten auf die großen und kleine Dinge, die das Ökosystem „Wald“ beeinflussen können – im Positiven wie auch im Negativen. Dass der Naturfotograf auch hier sehr genau weiß, wovon er spricht, dafür steht sein abgeschlossenes Biologie-Studium, das er, bildlich gesprochen, in der Foto-Tasche hat.

Das im Herbst 2023 im Kronberger Stadtwald geschaffene Biotop-Verbundsystem, so Kaula, sei ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken ganz unterschiedlicher Faktoren. Einerseits fehle an dieser Stelle natürlich der den Folgen des Klimawandels und dem Borkenkäfer zum Opfer gefallene Wald und damit der Lebensraum für genau auf dieses Umfeld spezialisierte Tiere und Pflanzen. Andererseits sei mit der Anlage der Teiche eine Fläche geschaffen worden, die selbst auf dem besten Wege sei, ein Hotspot in Sachen Artenvielfalt zu werden. Zudem sorge der Biotop-Verbund dafür, dass das Oberflächenwasser länger im Wald gehalten werden könne, wodurch das gesamte Ökosystem profitieren werde. Dass all diese Entwicklungen ihre Zeit brauchen, verstehe sich von selbst. Kaula: „Wir müssen hier in Baum-Generationen denken.“ Ähnlich wie in der Fotografie kommt es auch hier auf den richtigen Blickwinkel an.

„Ich denke, dass ich hier für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprechen darf, wenn ich Chris Kaula für die vielen interessanten Einblicke und neuen Perspektiven danke, die er uns eröffnet hat“, unterstreicht Kronbergs Klimaschutzmanager Friedrich Horn. Der rundum gelungene und vollständig ausgebuchte Foto-Walk stehe zugleich exemplarisch für eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Aktionen und Mitmach-Angebote, aus denen Interessierte bei den diesjährigen „Taunus Klimatagen°“ wählen konnten.

Horn: „Der große Zuspruch wie auch die positive Resonanz, auf die wir mit unserem Angebot in Kronberg und in den beteiligten Nachbarkommunen gestoßen sind, bestärkt uns darin, bei der Konzeption des Programms einen besonderen Fokus auf das praktische Erleben zu legen. Ich freue mich schon darauf, daran im kommenden Jahr anzuknüpfen.“ Wo heute Teichrohr wächst und Libellen schwirren, stand bis 2020 noch ein dichter Fichtenwald. Hitze, Trockenheit und der Borkenkäfer hatten dem Baumbestand jedoch so stark zugesetzt, dass die befallenen Fichten gefällt werden mussten und sich an deren Stelle ein Teppich aus Brombeeren und anderer Konkurrenzvegetation breit machte. Zur Anpassung an den Klimawandel gingen die Stadt Kronberg und das Forstamt Königstein gemeinsam daran, das Biotop-Verbundsystem im Stadtwald anzulegen.

Im Oktober 2023 wurden vier Teiche ausgehoben. Gräben leiten dort Regen- und Schichtenwasser hinein, um es im Ökosystem zu halten. Dies dient auch dem Hochwasserschutz weiter unten gelegener Ortschaften. Inseln, Reisighaufen und Wurzelstöcke bieten Lebensraum für Feuersalamander und Bodenbrüter. Die Bepflanzung des Uferrands mit standortgerechten Pflanzen wie Erlen, Pfaffenhütchen, Schneeball und anderen Sträuchern ergänzt das Biotop. So wird die Anlage Stück für Stück begrünt, die Pflanzen bilden Schatten und bieten Schutz und einen weiteren Lebensraum – ein neues Mikroklima entsteht. Sieht man vom Rückschnitt allzu stark wuchernder Brombeerhecken ab, so Christopher Wiegand vom Umweltreferat der Stadt Kronberg, wird man es bewusst vor allem Mutter Natur überlassen, das Biotop mit Leben zu füllen. Um das zu gewährleisten, sind Menschen wie auch ihre vierbeinigen Wegbegleiter dringend gebeten, mit Füßen und Pfoten auf den angrenzenden Wegen zu bleiben.

Alles eine Frage der Perspektive: Auch eine Brombeerhecke steckt voller Leben und Motive. Wie sie richtig in Szene gesetzt werden kann, erfuhren die Teilnehmer des Fotowalks.

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