Waldschwimmbad – vor 75 Jahren wurde es wieder von der US-Army freigegeben

Eine Annonce zur Schwimmbaderöffnung aus der Frankfurter Zeitung vom 22. Juni 1929Foto: Ried

Kronberg (war) – Das Waldschwimmbad ist vielen Kronbergerinnen und Kronbergern ans Herz gewachsen, bietet es doch an heißen Tagen willkommene Abkühlung. Jedes Jahr wird dessen Öffnung im Mai nach der langen Winterpause herbeigesehnt. Vor 75 Jahren – im Jahr 1951 – war dieses gespannte Warten besonders stark zu spüren, denn es stand vor einem Dreivierteljahrhundert bis in den Juni hinein noch gar nicht fest, ob das Schwimmbad überhaupt wieder seine Pforten für den Publikumsverkehr öffnen würde. Dazu musste erst einmal die Erlaubnis von der amerikanischen Besatzungsbehörde erteilt werden und die ließ sich mit ihrer Entscheidung reichlich Zeit.

So fragte sich der Kronberger Anzeiger vom 19. Juni 1951: „Wird das Schwimmbad endlich frei? – Vier Wochen sind inzwischen vergangen seit von amerikanischer Seite angekündigt worden war, daß mit einer völligen oder teilweisen Freigabe des Kronberger Schwimmbades in den nächsten Tagen zu rechnen sei. Schon vor sechs Wochen hatte Landrat Dr. Eberlein von der amerikanischen Hochkommission ein Schreiben erhalten, daß bezüglich des Freibades von Kronberg für die diesjährige Badesaison mit einer vollen Freigabe zu rechnen sei. Auch der Resident Officer in Bad Homburg hatte immer wieder erklärt, daß er sich um die Freigabe des Schwimmbads bemühe. Seit Wochen befinden sich nun die Akten mit ihren Eingaben, Gutachten und Empfehlungen beim Hauptquartier der amerikanischen Armee in Heidelberg, das die Entscheidung zu fällen hat, da das Bad von der amerikanischen Armee beschlagnahmt ist. Es ist daher verständlich, wenn über das Hinschleppen der Angelegenheit in weiten Kreisen der Bevölkerung große Enttäuschung herrscht, zumal das Bad von den Amerikanern nicht benutzt wird.“

Zwei Tage später gab die Taunus-Zeitung dann jedoch am 21. Juni unter der Überschrift „Schwimmbad freigegeben“ bereits die erhoffte Entwarnung: „Nach langwierigen Verhandlungen wurde das Schwimmbad überraschender Weise gestern auf Anordnung des Kommandierenden Generals des amerikanischen Hauptquartiers Heidelberg mit sofortiger Wirkung für die deutsche Bevölkerung freigegeben. Die Übergabe an die Stadt erfolgte ohne viel Aufhebens am Nachmittag durch einen Vertreter der Militärregierung und des Besatzungskostenamtes Frankfurt, allerdings mit der Einschränkung, daß die Rückgabe des Bades innerhalb von 7 Tagen von den Amerikanern verlangt werden kann, wenn sie es wieder für sich benötigen. Man glaubt jedoch nicht, daß dieser Fall in dieser Badesaison eintreten wird. Die offizielle Eröffnung des Schwimmbades soll voraussichtlich am Freitag erfolgen.“ Laut Taunus-Zeitung vom 3. Juli 1951 kritisierten viele Besucher die hohen Eintrittspreise, die nicht wenige sogar letztlich von dem Badevergnügen abgehalten hätten.

1929 Ersteröffnung

Das Kronberger Freibad wurde ursprünglich am 23. Juni 1929 feierlich in der sogenannten Hasenwiese „oberhalb des Schlosses Friedrichshof“, wie einer Annonce in der Frankfurter Zeitung vom 22. Juni 1929 zu entnehmen ist, nicht nur als Schwimmbad, sondern wegen der großen Liegewiese gleichzeitig als Licht- und Luftbad mit „köstlicher Taunusluft für Lungen und Nerven“ eröffnet. Der Einweihung vorausgegangen waren jahrelange Planungen und Diskussionen, in der Pro und Contra bezüglich der Errichtung des Schwimmbades abgewogen wurde. Weiter ist in einem Bericht in der Taunus-Zeitung vom 24. Juni 1929 zu erfahren, dass die außerhalb Kronbergs gelegene Hasenwiese bewusst als Standort des Bades gewählt worden war, weil dort eine sehr gute Versorgung mit frischem Quellwasser durch den nahen Bürgelstollen vorlag. Denn es hatte Klagen gegeben, dass Schwimmbad sei zu weit von der Kernstadt entfernt gelegen Die städtische Broschüre zur 50-Jahrfeier des Schwimmbads aus dem Jahr 1979 hält fest, dass daher zeitweilig als Alternativort für das Bad der Stadtpark, heute Viktoriapark, in Erwägung gezogen worden war. Zudem stand aus Kostengründen auch die alleinige Einrichtung eines Licht- und Luftbades ohne Schwimmbecken im Raum. Erst als dessen Finanzierung gesichert war, wurde der Bau des Schwimmbassins freigegeben. Dafür kam den Planern die Unterstützung zahlreicher öffentlicher Geldgeber, wie das preußische Wohlfahrtsministerium, der Obertaunuskreis (Vorläufer des heutigen Hochtaunuskreises) und die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtspflege und Sozialversicherung in Kassel zur Hilfe. Einen Großteil der Baumaßnahmen führten Arbeiter der Erwerbslosenfürsorge, die dem Landesarbeitsamt in Frankfurt unterstand, kostengünstig manuell und fast ohne Einsatz von Baumaschinen aus. Das Schwimmbad-Projekt wurde gerade noch rechtzeitig vor der großen Wirtschaftskrise Ende 1929 fertiggestellt.

Die heutige Gaststätte „Bürgelstollen“ oberhalb des Schwimmbads ging aus einer Bauhütte hervor, die den Arbeitern anfangs für die Pausen und als Unterstand diente. Vorgänger des heute beliebten Restaurants war zunächst das Waldcafé Bürgelstollen.

Die bereits erwähnte 50-Jahr Broschüre erwähnt auch, dass ab 1935 jüdischen Bürgern sukzessive der Zutritt in das Schwimmbad verwehrt wurde: Im Krieg wurden die Öffnungszeiten eingeschränkt und die Bademeisterstelle teilweise von weiblichen Kräften aushilfsweise übernommen. Während der Saison 1944 blieb das Bad kriegsbedingt aus Sicherheitsgründen geschlossen. Direkt nach Kriegsende übernahmen dann im Mai 1945 die alliierten Besatzungsmächte das Schwimmbad zur alleinigen Benutzung. 1949 verwaltete es das Office of the British Administrative Commandant. In diesem Jahr konnten die Kronberger und andere Zivilpersonen das Bad zunächst an einigen Wochentagen und ab Juli täglich benutzen. 1950 blieb das Bad hingegen wieder geschlossen, da in diesem Jahr ein Jugendzeltlager der Amerikaner auf der Wiese des Schwimmbads Vorrang hatte.



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