Oberhöchstadt (kb) – Sonntagabend, 18 Uhr, die Sonne scheint golden durch die Kirchenfenster von St. Vitus, in den gut gefüllten Bankreihen sitzt ein sommerlich gekleidetes Publikum. Das mag für Ende August nicht ungewöhnlich sein, für ein Konzert des Kirchenchors von St. Vitus ist es das jedoch. Auftritte absolviert der Chor sonst in den Sonntagsgottesdiensten und am 1. Advent. Natürlich wird es auch dieses Jahr wieder ein Adventskonzert geben, vorher aber galt es, das 50-jährige Bestehen des Kirchenchors zu feiern. „Lieder zum Abend“ war das Motto des Konzerts.
Roswitha Bruggaier, seit 23 Jahren Dirigentin des Chores, hatte zahlreiche spirituelle Abendlieder ausgesucht. Fast alle sang der Chor im Wechsel mit den Konzertgästen. Verstärkung hatten sich die Oberhöchstädter vom Kirchenchor St. Josef aus Frankfurt-Eschersheim geholt, der ebenfalls von Roswitha Bruggaier geleitet wird. Und so ertönten stimmgewaltig Klassiker wie „Nun ruhen alle Wälder“, „Der Mond ist aufgegangen“, „Bleib bei uns, Herr“ und „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“, aber auch weniger bekannte Titel wie „Nun sich der Tag geendet hat“ von Max Reger und „Hinunter ist der Sonne Schein“ von Melchior Vulpius. Das schwedische Lied „Der Lärm verebbt“ wurde von Roswitha Bruggaier mit einem Vorspiel auf der Nyckelharpa eingeleitet, einem traditionellen Instrument, welches man auch als Schweden-Bratsche bezeichnen könnte. Zudem sangen Chor und Konzertbesucher gemeinsam drei Kanons, dafür verteilten sich die Choristen im Kirchenschiff.
Gisèle Kremer begleitete gewohnt versiert mehrere der Lieder an der Orgel, glänzte aber auch solistisch mit Louis Viernes „Étoile du soir“, einem Abendstern, dem sie geradezu sphärische Klänge entlockte. Ebenso intonierte sie mit Roswitha Bruggaier auf dem Cello Kurt Hessenbergs „Nachtlied“. Bereits 1989 hatte Bruggaier das Werk des Frankfurter Komponisten uraufgeführt, welches die verschiedenen Phasen einer Nacht musikalisch interpretiert. Bruggaier machte diese hörbar. Vom Einsetzen der Nacht, ihrer beunruhigenden Schwärze bis hin zum versöhnlichen Morgengrauen beeindruckte sie mit ihrem intensiven Spiel das Publikum.
Drei kurze Abendgedichte und ein Vesperchor, der passenderweise zum Jubilieren aufforderte, rundeten das Konzert ab. Die begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer dankten mit langem Applaus. Viele von ihnen folgten den Chormitgliedern in Pfarrgarten und Pfarrsaal, um dort bei einem Imbiss auf 50 Jahre Chorgeschichte anzustoßen.
