Oberhöchstadt (pf) – Die unterschiedlichen Farben des Jazz – wer kann sie besser mit der Stimme zum Leuchten bringen als die in Jamaika gebürtige Sängerin Julie Silvera. „A Journey in the Colour of Jazz“ war Motto des Konzerts am Freitagabend im Festsaal des Altkönig-Stiftes. Pianist Jan Luley, der vor fast genau einem Jahr schon einmal mit seinem Trio im Altkönig-Stift zu Gast war, hatte diese schon vielfach ausgezeichnete Sängerin mitgebracht. In Jamaika geboren, in Florida aufgewachsen und heute in Hamburg zuhause begeisterte die in klassischem Gesang und Chorleitung ausgebildete und in Jazz Vocal Performance promovierte Künstlerin ihr Publikum vom ersten Augenblick an.
Der Song „Someone Like You“ des heute 80 Jahre alten nordirischen Musikers, Sängers und Komponisten Sir Van Morrison – vor elf Jahren war er von Königin Elisabeth II. in den Adelsstand erhoben worden – eignete sich ideal, die ganze Palette ihres Könnens unter Beweis zu stellen. Honigsüß, so urteilte einst ein Jazzkritiker, kann sie ihre Stimme erklingen lassen. „Aber gerade, wenn man es sich in ihrem samtigen Sound gemütlich gemacht hat, knurrt sie eine Zeile heraus, die rein vom Swing getrieben ist, sie phrasiert um den Rhythmus herum, trifft punktgenau das Timing und swingt – und zwar mit voller Wucht.“ Mit ihrer unglaublichen Wandlungsfähigkeit begeisterte sie die zahlreich erschienenen Jazzliebhaber, ob in einem 90 Jahre alten Spiritual, „Lady Be Good“ von George und Ira Gershwin, „Georgia On My Mind“ von Ray Charles oder „Pennies from Heaven“, dem Song, den Bing Crosby 1936 populär machte. Dass sie auch die ganz zarten Töne beherrscht, bewies sie später bei einem Solo von Bassist Paul G. Ulrich – dem Mann, der mit Paulchen Kuhn jazzte, so der Titel eines Artikels über ihn in der Rheinischen Post –, das sie in ein anrührendes Duett verwandelte.
Ihre Virtuosität und Vielseitigkeit aber konnten auch Schlagzeuger Tobias Schirmer und Pianist Jan Luley immer wieder unter Beweis stellen, der gleichzeitig als kenntnisreicher und humorvoller Moderator durch das Konzert führte. Er brachte sogar das Publikum zum Mitsingen. Mit dem populären Rhythm-and-Blues-Song „Get Your Kicks on Route 66“ endete das Programm.
Aber so schnell ließen die begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer die vier exzellenten Jazzinterpreten nicht von der Bühne gehen und erklatschten sich noch eine Zugabe: das für Louis Armstrong komponierte und durch ihn berühmt gewordene „What A Wonderful World“.
