10 Jahre Fahrrad-Flickwerk Windrose

Oberursel (ow). Am Freitag, 31. Oktober, sind die Flickwerker zusammengekommen, um ein besonderes Jubiläum zu begehen: „10 Jahre Fahrrad-Flickwerk“!

Maren Brösamle war es, die 2015 mit dem Höhepunkt der Flüchtlingsbewegungen nach Europa und Deutschland, erkannt hatte, dass die geflüchteten Menschen „Mobilität“ brauchen. „Mobil sein“, heißt, sich unabhängig von fremder Hilfe, bewegen zu können. Dieses „Bewegen können“ hat Maren Brösamle 2015 mit einigen „begeisterten Mitstreitern“ umgesetzt und in Räumen der Firma Femso, in der Aumühlenstraße 3, den Start des Fahrrad-Flickwerks, gewagt, um Geflüchteten und Einheimischen mit geringem Einkommen (Oberursel-Pass-Inhabern) zu besserer Mobilität zu verhelfen.

Dazu wurden und werden die gespendeten Räder überprüft und repariert, um sie dann günstig weiterzugeben. Seit 2015 wird in unterschiedlicher Besetzung ehrenamtlich gearbeitet; Vier „Urgesteine“ sind immer noch aktiv. Die Teamer mögen die gute konzentrierte Zusammenarbeit, den Sinn ihres Einsatzes und die wertschätzende Atmosphäre – im Team untereinander und auch den Kunden gegenüber.

Die Raumsituation war damals problematisch. Den Räderbestand in ordentlichem Zustand, übersichtlich und gut handhabbar zu halten, war in den Räumlichkeiten, die hauptsächlich von der Firma genutzt wurden, schlicht unmöglich; die beiden Arbeitsplätze reichten kaum für die akuten Reparaturarbeiten, geschweige denn für die Aufarbeitung der reparaturbedürftigen Spendenräder. Grundsätzlich konnte das Flickwerk unter diesen Umständen nicht mehr die Qualität und Zuverlässigkeit realisieren, die das Team für nötig erachtete.

Nachdem im Herbst 2017 die Sanierungspläne des Firmengeländes konkret wurden, ergab sich glücklicherweise die Möglichkeit, für eine Übergangszeit, in das frei gewordene Häuschen, in die Obere Hainstraße 17, (vis-à-vis der früheren Vereinsgaststätte der Windrose, Neutorallee 18), umzuziehen.

Dort gab es, neben dem Flickwerk, auch für andere Projekte der Windrose Räumlichkeiten. Die Werkstatt im Keller war leider sehr klein und größere Menschen stießen sich öfter mal den Kopf an der niedrigen Decke. Die Fahrräder standen im Freien und waren Wind und Wetter ausgesetzt – die Verhältnisse waren also suboptimal. Dennoch waren alle froh, dass das Flickwerk weiterarbeiten konnte. Bis zum Jahr 2019 waren fast 700 Kundenvorgänge abgewickelt. Etwa 550 Räder wurden gespendet, davon schätzungsweise zwei Drittel brauchbar und etwa 330 Räder wurden an Bedürftige abgegeben. Außerdem wurden ungezählte Klein-Reparaturen erledigt.

Dann bestand dann Hoffnung, auf einen neuen Standort, mit deutlich mehr Raum, der auch Lagerkapazitäten für die Windrose bieten konnte, allerdings weniger zentral lag. In einer beispiellosen Aktion haben ehrenamtliche Flickwerker, unter Leitung von Michel Steinmetz, die Räumlichkeiten der früheren Gaststätte „Uhu“ renoviert und für das Fahrrad-Flickwerk nutzbar gemacht. Gemeint sind die aktuellen Räumlichkeiten in der Hohemarkstraße 77a, die das Flickwerk, mit Mietbeginn August 2020, als seinen dritten Standort, bezog.

Der Standort hat sich im Laufe der Zeit für die Mitarbeiter als ‚beste Lösung‘ erwiesen. Die Kommunikation untereinander ist wesentlich einfacher geworden. Nach außen hin wurde das Flickwerk immer bekannter. Inzwischen kommen Stammkunden aus den Gemeinschaftsunterkünften (GU) Bad Homburg, Schmitten und Weilrod. Der gute Ruf des Flickwerks hat sich unter den Kunden schnell herumgesprochen und auch bei der Eröffnung der GU Hammergarten in Oberursel, im letzten Jahr, bestätigt.

Motivation für die Arbeit der Flickwerker ist, neben den beschriebenen Beweggründen der „Beweglichkeit“ der geflüchteten Menschen, gute Fahrräder vor dem Ende auf der Müll­deponie zu bewahren und damit zur Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit beizutragen.

Ebenso ist das Flickwerk bemüht, Verkehrssicherheit zu fördern und – insbesondere Frauen – das Fahrradfahren zugänglich zu machen. In der Vergangenheit wurden Fahrradkurse, in Zusammenarbeit mit einer über den ADFC vermittelten Expertin, angeboten. Aktuell bahnt sich die Möglichkeit solcher Kurse mit einer ehrenamtlichen Initiative erneut an.

Vorhandene, gespendete oder mitgebrachte Fahrräder werden im Flickwerk repariert. Einfache Reparaturen, wie Reifen aufpumpen oder flicken, Sattel einstellen oder lose Teile wieder festschrauben, sollten Kunden möglichst selbst erledigen. Bei komplizierteren Reparaturen wird gemeinsam mit den erfahrenen Flickwerkmechanikern versucht, eine Lösung zu finden.

Mittlerweile ist eine recht gut ausgestattete Werkstatt, mit mehreren Arbeitsplätzen und einem Lager, mit den wichtigsten Ersatzteilen, entstanden. Falls Ersatzteile nicht vorrätig sind, werden die guten Kontakte zu örtlichen Fahrradhändlern genutzt.

Die aktiven Flickwerker freuen sich auf eine weiterhin erfolgreiche Zeit im Flickwerk. Die „10 Jahre Flickwerk“ waren an diesem Abend Grund genug, gemeinsam mit den Aktiven der zwei weiteren Flickwerke, nämlich dem 2020 gegründeten ‚Computer-Flickwerk‘ und dem 2025 gegründeten ‚Geräte-Flickwerk“, in gemütlicher Runde zu feiern.

10-jähriges Jubiläum der Flickwerker.

Foto: privat



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